Black Friday - 4 US-Aktien mit Burggräben zu Ausverkaufspreisen

Mit dem Black Friday, dem Cybermontag und der bevorstehenden Weihnachtszeit ist derzeit überall viel von Lockvogel-Angeboten die Rede. Zumeist geht es dabei um Videospiele, 4K-Fernseher, Home Assistants oder um Schnellkochtöpfe. Um diese zu ergattern, werden viele Konsumenten den Esstisch zum Erntedankfest frühzeitig verlassen oder am Tag danach schon sehr früh aufstehen. Digitale Schnäppchenjäger dürften zudem Überstunden vor den Laptops, Tablets und den Telefonen machen.

Ganz in diesem Sinne unterbreitet Morningstar-Mitarbeiterin Susan Dziubinski, eine Liste mit vier interessanten Aktien, die sich laut dem US-Finanzdienstleister derzeit auf dem Kurszettel des US-Aktienmarktes finden lassen. Es handelt sich dabei um ein Aktien-Quartett, das besonders heraussticht. Laut Dziubinski dürften die meisten Anleger der Einschätzung zustimmen, dass diese Werte Schnäppchen sind. Aus der Sicht von Morningstar sind diese Titel jedenfalls gleich basierend auf mehreren Kriterien als unterbewertet einzustufen.

Bei der Suche nach den passenden Schnäppchen suchte man nach Aktien mit 5 Sternen, was der Bestnote im US-Morningstar-Universum entspricht. Zudem  mussten diese Titel mit Relationen beim KGV, dem Kurs-Buchwert-Verhältnis, dem Kurs-Umsatz-Verhältnis sowie dem Kurs-Cashflow-Verhältnis ausgestattet sein, die sich unter denen korrespondierenden Werten beim S&P 500 Index bewegen.

Als zusätzlicher Schutz, um Enttäuschungen vorzubeugen, legte man außerdem Wert darauf, dass geeignete Unternehmen um einen engen oder breiten wirtschaftlichen Schutzgraben (Moat) um sich herum verfügen, der im Kampf mit den Konkurrenten hilft. Durch das Raster gefallen sind auch alle Aktien, bei denen die hauseigenen Analysten davon ausgehen, dass diese mit Blick auf den ermittelten fairen Wert mit hohen oder mit sehr hohen Unsicherheiten behaftet sind. Denn die Lockvogel-Angebote zu Black Friday soll nur Titel enthalten, bei denen sich die Analysten mit Blick auf die von ihnen abgegebenen Ergebnisprognosen ziemlich sicher sind.

Erstes Lockvogel-Angebot: Cardinal Health Inc. (ISIN: US14149Y1082)

Moat-Rating: Weit

Moat Trend: Stabil

Unsicherheits-Rating: Mittel

Der erste Favorit passend zur Schnäppchenzeit ist Cardinal Health. Dahinter steckt ein Großhändler für pharmazeutische und medizinische Produkte, der gemessen am Umsatz die Nummer 3 in der Branche ist. Konkreter beschrieben entwickelt, fertigt und vertreibt das Unternehmen Produkte für die Patientenversorgung, entwickelt Technologien zur Medikamentenabgabe und vertreibt neben Pharmazeutika auch Zubehör in den Bereichen Chirurgie sowie Laborarbeit.

Laut Morningstar verzeichnete die Gesellschaft zuletzt ein gemischt verlaufenes Geschäftsquartal. Das Umsatzwachstum habe zwar beeindruckt, aber die Gewinne hätten unter Druck gestanden. Die vorherrschenden Kämpfe im Bereich der medizinischen Versorgung würden kurzfristig betrachtet die Ergebnisse belasten, erklärt Senior-Analyst Vishnu Lekraj. Das Management arbeite jedoch an einem Restrukturierungsplan, der sich auf die Optimierung des Kerngeschäfts des Arzneimittelvertriebs konzentriere.

„Während diese kurzfristigen Einflüsse ein sich veränderndes Betriebsumfeld widerspiegeln, glauben wir, dass die Notwendigkeit, Medikamente kostengünstig und effizient zu beziehen und zu liefern, eine positive Grundlage für den Handel mit Medikamenten bleiben wird", argumentiert Lekraj. „Diese Dynamik bildet aus unserer Sicht ein starkes Fundament für die langfristige Wettbewerbsposition von Cardinal, da das eigene Kerngeschäft im Arzneimittelgroßhandel sowohl von Arzneimittelherstellern als auch von Einzelhandelsapotheken benötigt wird, unabhängig davon, wie sich die Marktdynamik ändert."

Wie die anderen großen Pharmagroßhändler sei Cardinal in der Lage, seine bedeutende Größe und seinen Marktanteil in entscheidende Wettbewerbsvorteile umzuwandeln. Und ein zunehmender Einsatz von Arzneimitteln in den nächsten Jahren bilde eine solide Grundlage für robuste und nachhaltige wirtschaftliche Gewinne. Den fairen Wert beziffert Morningstar hier auf 82,00 USD, was um 54,4 % über dem aktuellen Kurs von 53,11 USD liegt. Der Analystenkonsens rechnet von 2017/18 bis 2022/23 mit Gewinnen je Aktie, die von 5,00 USD auf 7,27 USD steigen sollen.

cardhealth

Zweites Lockvogel-Angebot: Enterprise Products Partners LP (ISIN: US2937921078)

Moat-Rating: Weit

Moat-Trend: Stabil

Unsicherheits-Rating: Niedrig

Die Qualifikation hat mit Enterprise Products Partners auch ein 1968 gegründeter US-Pipelinebetreiber geschafft, der ein Netz von 49.000 Meilen an Pipelines in den Vereinigten Staaten besitzt. Es handelt sich um eine Master Limited Partnership, die Erdgas, Erdgasflüssigkeiten, Rohöl, Raffinerieprodukte und Petrochemikalien transportiert und verarbeitet. Es ist eines der größten Midstream-Unternehmen, das die meisten Produktionsregionen in den unteren 48 Bundesstaaten bedient. Enterprise ist besonders dominant auf dem NGL-Markt und einer der wenigen MLPs, die Midstream-Dienstleistungen entlang der gesamten Kohlenwasserstoff-Wertschöpfungskette anbieten.

Morningstar-Sektor-Stratege Stephen Ellis nennt Enterprise Products das „herausragende Midstream-Infrastrukturunternehmen". Die Gesellschaft sei mit einem breiten wirtschaftlichen Schutzgraben versehen und vertikal mit Best-in-Class-Assets an fast jedem Punkt der Midstream-Wertschöpfungskette integriert. Im abgelaufenen dritten Quartal  habe die Gesellschaft finanziell und operativ Rekorde erzielt. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, warum der Titel zuletzt am Aktienmarkt nicht sehr angesagt gewesen sei?

Zu erklären sei das vermutlich mit einer zum Teil allgemein unter den Anlegern vorherrschenden Frustration und Desinteresse rund um Master-Limited-Partnerships. Doch man ist der Meinung, dass sich die Stimmung verbessern wird, wobei das auch für die mangelnde Wertschätzung bezüglich der starken zugrunde liegenden Trends gelte, die das Erdgasgeschäft von Enterprise vorantreibe", erklärt Ellis. Aus seiner Sicht ist der Titel jedenfalls stark unterbewertet.

Ellis geht auch davon aus, dass die sich abzeichnende Nachfrageverlagerung nach NGL in Richtung Golfküste ein wichtiger Wachstumstreiber für Enterprise Products sein wird und er ist außerdem der Meinung, dass das Unternehmen in einem Umfeld operiert, das so gut ist wie lange nicht mehr in der jüngeren Vergangenheit. Den fairen Wert taxiert er auf 35,50 USD, woraus sich gemessen am aktuellen Kurs von 26,43 USD ein Aufwärtspotenzial von 34,3 % ergibt. Der Analystenkonsens kalkuliert von 2017 bis 2022 mit einem Anstieg beim Gewinn je Aktie von 1,32 USD auf 2,19 USD. Im Falle erreichter Zielvorgaben würde sich somit das KGV im Laufe der Zeit bei unveränderten Notierungen deutlich verringern.

enterprise

Drittes Lockvogel-Angebot: McKesson Corp(ISIN: US58155Q1031)

Moat-Rating: Weit

Moat-Trend: Stabil

Unsicherheits-Rating: Mittel

Beim dritten Mitfavoriten McKesson handelt es sich wie im Falle der bereits besprochenen Aktien von Cardinal Health um einen Pharmagroßhändler. Gemessen am Umsatz handelt es sich hierbei sogar um den größten Branchenvertreter. Auch diese Gesellschaft vertreibt  somit Arzneimittel, pharmazeutische Produkte, technische Lösungen für das Gesundheitsmanagement und die Informationsverwaltung sowie ergänzende Services, die zu einer Kostenreduktion und Qualitätssteigerung im Healthcare-Bereich beitragen sollen. Zu den Kunden des Unternehmens zählen neben Apotheken, Krankenhäusern und Ärzten auch Einzelhandelsgeschäfte mit Abteilungen für Gesundheitsprodukte.

Allerdings ist hier laut Morningstar zu bedenken, dass das das Unternehmen zuletzt erhebliche Auftragsverluste erlitten hat, weil im US-Apothekenbereich Walgreens etwa die Hälfte der Rite Aid-Märkte übernommen hat. Zudem haben bestehender Preisdruck die Gewinne belastet. Man ist jedoch gleichzeitig der Meinung, dass das Unternehmen die richtigen strategischen Entscheidungen getroffen hat, um den kurzfristigen zu begegnen, so der zuständige Analyst Vishnu Lekraj.

„Obwohl McKesson mit einigen gravierenden Problemen konfrontiert ist, glauben wir, dass man in der Lage war, die meisten der bestehenden Gegenwinde zumindest teilweise zu entschärfen", stellt Lekraj fest. Das Unternehmen habe seine Beziehungen zu den Einzelhandelsketten Albertsons und Walmart ausgebaut, eine Umstrukturierung zur weiteren Verbesserung seiner bereits effizienten Beschaffungs- und Vertriebsaktivitäten durchgeführt und die Kostenstruktur durch eine Reorganisation der Mitarbeiterzahl und die Veräußerung seines angeschlagenen IT-Segments im Gesundheitswesen reduziert. Lekraj glaubt, dass diese taktischen Maßnahmen die betriebliche Effizienz erhalten haben und McKesson eine Spitzenposition im gesamten Gesundheitsmarkt innehat.

„Angesichts des aktuellen Aktienkurses des Unternehmens glauben wir, dass McKesson eine Gelegenheit für Investoren bietet, ein qualitativ hochwertiges Vermögen zu einem stark red

uzierten Preis zu kaufen", schließt er seine Fürsprache für den Titel. Bei einem auf 210,00 USD taxierten fairen Wert sei der Titel stark unterbewertet und bei einem aktuellen Kurs von 121,81 USD ergibt sich theoretisch gut 72 % Luft nach oben. Der Analystenkonsens geht von 2017/18 bis 2022/23 von einem Ergebnisanstieg von 12,62 USD auf 18,45 USD aus. Für das Ende des genannten Zeitraums würde sich somit ein geschätztes KGV von 6,6 ergeben.

mckesson

Viertes Lockvogel-Angebot: Wesco International Inc. (ISIN: US95082P1057)

Moat-Rating: Eng

Moat-Trend: Stabil

Unsicherheits-Rating: Mittel

Die Empfehlungsliste an Aktien-Schnäppchen komplettiert als vierter Titel Wesco International. Das heißt, es geht um die Holdinggesellschaft für WESCO Distribution, ein multinationales Elektronik-Vertriebsunternehmen mit Sitz in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Tätig ist der Wesco International Industrievertrieb in den folgenden 4 Endmärkten: Industrie (37 % des Umsatzes), Baugewerbe (33 %), Versorgungsunternehmen (16 %) sowie Handel, Institutionen und Behörden (14 %). Das Unternehmen bietet seinen 70.000 aktiven Kunden mehr als 1 Million Produkte über ein Vertriebsnetz von 500 Niederlassungen und 10 Distributionszentren. Obwohl Wesco 96 % seines Umsatzes in Nordamerika erzielt, ist das Unternehmen global aufgestellt und in 15 weiteren Ländern tätig.

Schwache Endmärkte und ein schlechtes Preisumfeld haben laut Morningstar die Umsätze bei diesem Industrievertriebsunternehmens zuletzt beeinträchtigt. Der zuständige Analyst Brian Bernard glaubt jedoch, dass eine Kombination von Faktoren wie eine normalisierte industrielle Nachfrage und Preisgestaltung, Akquisitionen und der anhaltende Trend, dass Kunden sich bei ihrer Auftragsvergabe auf größere Distributoren fokussieren, Wesco die Möglichkeit geben werden, Marktanteile zu gewinnen und schneller als die Endmärkte zu wachsen.

„Wesco ist in sehr fragmentierten Märkten tätig, aber die eigene Größe, die globale Präsenz, ein umfangreiches Produktportfolio und Lieferantenbasis sowie das Serviceangebot unterscheiden das Unternehmen von kleineren lokalen und regionalen Wettbewerbern", sagt Bernard. Wesco fungiere als Schnittstelle zwischen 26.000 Lieferanten und 70.000 Kunden. Die Kunden betrachteten das Unternehmen als einen One-Stop-Shop für alle ihre Bedürfnisse in der Lieferkette und schätzten das Produktsortiment sowie die Fähigkeit, den Beschaffungsprozess zu rationalisieren. Die Lieferanten fänden dagegen die große Kundenbasis sowie die Vertriebskraft positiv und stuften Wesco als eine Option ein, um Wachstum zu generieren.

Den fairen Wert gibt Morningstar hier mit 87,00 USD an. Bei einem aktuellen Kurs von 52,34 USD errechnet sich somit ein Abschlag zum fairen Wert von gut 42 %. Der Analystenkonsens kalkuliert bei Wesco für 2017 bis 2022 mit einem Gewinnanstieg von 3,93 USD auf 7,47 USD je Aktie. Folglich würde sich auch hier auf unveränderter Kursbasis schon relativ bald ein einstelliges KGV ergeben.

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