Dieser Mann hat viele Trader zu Millionären gemacht. Wir erklären die CANSLIM-Strategie von William O`Neil!

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Liebe Leser,

die Aktie von Cisco Systems stieg von 1990 bis 2000 um etwa 75.000 %. Es wäre doch interessant zu wissen welche Aktien heute das gleiche Wachstumsprofil haben wie damals Cisco im Jahr 1990 vor dem starken Kursanstieg. Das war die Idee von William O`Neil. Er hat die gemeinsamen Eigenschaften der Top-Kursgewinner-Aktien untersucht und ein Regelwerk entwickelt, um solche Aktien aufzuspüren. Untenstehend finden Sie, liebe Leser, einen Erklärungstext zur CANSLIM-Strategie. Schauen Sie sich auch bitte folgendes 10-minütige Video dazu an.



William O´Neil ist ein Freund von Zahlen und Fakten. Während seiner Karriere studierte der erfolgreiche Investor zahlreiche performancestarke Aktien, um deren Gemeinsamkeiten zu bestimmen, die sich vor ihrem immensen Anstieg zeigten. Auf deren Basis sollten zukünftige vielversprechende Investmentchancen identifiziert werden können. O´Neil beobachtete dabei eine Reihe an Merkmalen die er in seiner Gesamtstrategie CAN SLIM zusammenfasste. Der Ansatz funktionierte so gut, dass er sich damit zum damals erfolgreichsten Makler von Hayden, Stone & Company entwickelte. Das Besondere an der Strategie ist die Kombination von Fundamentaler Analyse und der Bestimmung von exakten Ein- und Ausstiegspunkten anhand technischer Chartmerkmale.

Die AAII – die American Association of Individual Investors – prüfte O´Neils Ansatz auf Basis von Realtime-Daten nach und bestätigte eine ansehnliche Performance: Mit durchschnittlich 35.3% jährlichem Return (akkumuliert 2.763%) vs. 3.3% des S&P 500 im selben Vergleichszeitraum wurde CAN SLIM als die beste Investmentstrategie Amerikas gekürt . Mit CAN SLIM zeigt uns O´Neil, wie wir die besten Wachstumsaktien finden können.

Die CAN SLIM-Strategie

Anhand eines siebenstufigen Auswahlprozesses identifiziert William O´Neil potentielle Gewinneraktien. Hinter jedem der CAN SLIM-Buchstaben verbirgt sich ein elementarer Bestandteil der Strategie.

C – Current Big or Accelerating Quarterly Earnings and Sales per Share

Enorme Kursanstiege korrelierten in der Börsengeschichte Amerikas sehr häufig mit deutlichen Steigerungen der Gewinne und der Verkaufszahlen. So zeigten die Studien von O`Neil, dass drei von vier der 600-Bestperformenden Unternehmen bereits eine Gewinnsteigerung von mehr als 70% aufwiesen, bevor ihr enormer Kursanstieg begann.
Daher achtet O´Neil auf beträchtliche Anstiege der Quartalsgewinne pro Aktie (bereinigt um Sondereffekte) im Vergleich zum Vorjahr von mindestens 18-20 % und idealerweise auch auf dynamische Anstiege zwischen den einzelnen Quartalen. Während eines Bullenmarktes erwartet er sogar mindestens 40% Zuwachs, gerne auch über zwei oder mehr Quartale. Die Gewinnanstiege sollten durch entsprechende Entwicklungen der Verkaufszahlen begründet sein. Hilfreich kann auch der Forecast des kommenden Quartals anhand der Gewinndaten aus dem letzten Jahr des selben Quartals sowie der Gewinnprognosen von Analysten sein. Er kann einen Hinweis darauf geben, ob ein starkes oder eher schwächeres nächstes Quartal erwartet werden kann.

A – Annual Earnings Increases
Um sicherzugehen, tatsächlich ein qualitativ hochwertiges Unternehmen gefunden zu haben, das nicht nur kurzzeitig hohe Gewinne ausweist, erwartet O´Neil weitere Belege und unterstützende Daten: Ansteigende Gewinne über drei Jahre mit einer Wachstumsrate von zumindest 25-50%. Die Kontinuität der Gewinnentwicklung der letzten Jahre kann grafisch leicht anhand der geplotteten Daten erfolgen, die eine gleichmäßige Trendlinie ergeben sollten. Zudem achtet er auf zwei weitere Kennzahlen als Indiz für Wachstum und Profitabilität: den ROE, der idealerweise > 17% liegt und den jährliche Cash-Flow pro Aktie.

N – Newer Companies, New Products, New Management, New Highs Off Properly Formed Chart Bases
Oft bedarf es etwas Neuem oder Außergewöhnlichem, um große Kursbewegungen hervorzurufen. Neue Produkte, die am Markt einschlagen, können die erzielten Gewinne um ein Vielfaches steigern und den Gewinnanstieg beschleunigen. Zudem können verschiedene Umstände und Events ebenso als Katalysator für den Aktienkurs und die Gewinnentwicklung wirken, wie zum Beispiel neue Produkte/Management, geänderte Rahmenbedingungen im Sektor, neue technologische Standards. Der größte Fehler, den man begehen kann, ist Aktien zu kaufen, deren Kurs an historischen Tiefs notiert. Dafür gibt es meist einen guten Grund. Die Formel „Buy low and sell high.“ funktioniert nicht in diesem Sinne. Oft zeigt sich, dass Kurse, die ein neues 52-Wochen-Hoch markieren und dort im ersten Moment recht teuer erscheinen, sich oft im Nachhinein als günstig herausstellten.

S - Supply and Demand: Big Volume Demand at Key Points
Ein hohes Handelsvolumen bei steigenden Kursen ist ein positives Signal. Dabei betrachtet man täglich das Volumen einer Aktie im Vergleich zum Durchschnitt. Bei leichten Preisrückgängen sollte sich ein Volumenrückgang als Indiz für den sinkenden Verkaufsdruck aufzeigen; steigt jedoch der Kurs enorm an bzw. bricht die Aktie aus einer Konsolidierung aus, sollte dies durch einen deutlichen Volumenanstieg von wenigstens 40-50 % unterstützt sein, der institutionelles Interesse aufzeigt.

L – Leader or Laggard
Aktionäre sollten Werte kaufen, die ihre Industry-Group dominieren und sich dabei auf die Top-2 oder -3 Marktführer beschränken. Sie weisen i.d.R. eine deutlich bessere Performance als die Nachzügler (Laggard) auf. Mit Marktführer meint O´Neil diejenigen Firmen mit der besten Gewinnentwicklung, hohen ROE und Gewinnmargen und der dynamischsten Preisentwicklung. Nachzügler hängen sich oft an führenden Aktien an, aber erreichen meist nicht deren Performance. Wie unterscheidet man Leader von Laggards? Anhand der Relativen Stärke, die die Preisperformance einer Aktie im Vergleich zu allen anderen anzeigt. Sie sollte mindestens 70 betragen.

I – Institutional Sponsorship
Es bedarf einer deutlichen Nachfrage, um Aktienkurse in die Höhe zu treiben. Eine treibende Kraft sind Institutionelle Investoren, die mit der Power eines hohen Investitionsvolumens Preisentwicklungen unterstützen können. Analystenempfehlungen können zwar ebenfalls einen kurzfristigen positiven Effekt auf die Kursentwicklung haben, werden jedoch für längere Aufwärtstrends nicht ausreichen und daher nicht als Institutionelle Förderung betrachtet. Gründliche Aktionäre prüfen diesen Faktor aus diesem Grund näher, indem sie nicht nur die Anzahl der Institutionellen Investoren prüfen, sondern auch, ob in letzter Zeit verstärktes Interesse und Neuzugänge zu verzeichnen sind und ob sich darunter Performancestarke Vertreter befinden. Aber Achtung: Ein deutlich zu hoher Anteil an Institutionellen Anlegern kann schnell zu einer Angebots-/Nachfrage-Dysbalance führen.

M – Market Direction
Der letzte Buchstabe des Akronyms steht für einen der wichtigsten Faktoren der Formel. Alle Fundamentaldaten einer Aktien mögen noch so überzeugend sein; entwickelt sich der Gesamtmarkt aktuell gegenläufig, so stehen die Chancen hoch, dass auch die besten Aktien nach unten gezogen werden. Aus diesem Grund bestimmt O´Neil stets u.a. anhand von Tagescharts (Preis-/Volumencharts) der großen Indizes den Markttrend bevor er ein Investment eingeht. Zum Schutz vor Verlusten empfiehlt es sich, mit Positonssicherungen und eventuellen Gewinnmitnahmen zu beginnen, wenn sich eine Marktspitze anbahnt.

Kaufkriterien

Es genügt nicht, eine Aktie allein aufgrund starker Fundamentaldaten nach den CAN SLIM-Daten zu kaufen, sondern ein Einstieg muss immer zum richtigen Zeitpunkt erfolgen, um starke zwischenzeitliche Kursverluste zu vermeiden. O´Neil arbeitet mit einer Reihe von recht zuverlässigen Chartformationen, um günstige Einstiegssignale zu lokalisieren. Neben dem Klassiker „Tasse-mit-Henkel“ - einer der häufigen Formationen, die sich durch eine Preiskorrektur von zwölf bis 33 % über ca. sieben bis 65 Wochen (jedoch meist 3-6 Monate) nach bereits erfolgtem Anstieg von mindestens 30%, herausbildet – führt er unter anderem diese Formationen an:

„Double-Bottom“ - dessen Chartverlauf ein W zeigt, wobei der zweite Boden des W etwas tiefer hängt, als der erste, wodurch schwächere Investoren abgeschüttelt werden. Länge und Tiefe der Formation sind ähnlich zur „Tasse mit Henkel“. Der Pivotpunkt (Kaufpunkt) liegt auf Höhe des mittleren Hochs innerhalb des W auf dem letzten Aufwärtsarm.

„Flat-Base“ - die nach einem mind. 20% - Anstieg auftritt und wobei sich der Kurs für fünf bis sechs Wochen in einem engen Seitwärtskanal bewegt. Dabei liegt die Korrektur bei weniger als 10-15%. Die „Flat-Base“ bietet oft eine weitere Einstiegsmöglichkeit, wenn man den initialen Einstiegspunkt aus der „Tasse-mit-Henkel“-Formation verpasst hat.

„Square Box“ - diese Formation zeigt sich i.d.R. nach einer „Tasse-mit-Henkel“ oder dem „Double Bottom“, korrigiert 10-15% und bildet ein kastenförmiges Aussehen.

“Base on Top of a Base“ - sofern eine Aktie einen gewissen Anstieg von z.B. 20-30% durchlaufen hat, und sich der Gesamtmarkt negativ entwickelt, stoppt der Run dieser Aktie, wodurch sich eine weitere Konsolidierung, eine „Base on Top of a Base“, ausbildet. Das ist ein guter möglicher Startpunkt für eine weitere Ralley.

Wichtig: All diese Chartformationen funktionieren nur in einem Bullenmarkt zuverlässig. Während der Bärenmärkte sind sie oft zu weitläufig und Fehleranfällig.

Depotmanagement nach William O´Neil

Wer O´Neils Strategie folgt, besitzt in der Regel sehr sorgfältig selektierte Titel und verfügt über ein überschaubares Depot, dessen Einzelwerte problemlos kontrolliert werden kann.

- Zeithorizont: i.d.R. Mittelfristig
- Portfoliogröße: Abhängig von Gesamtdepotgröße. O´Neil rät zu einstelliger bis max.
- niedriger zweistelliger Anzahl an Aktien
- Portfolioüberprüfung: Ständig anhand der aufgestellten Regeln
- Verkaufsregeln: Stopp-Loss und technische Verkaufssignale nach Anstieg

Das ganze Geheimnis des Erfolgs ist laut O´Neil, die Verluste möglichst niedrig zu halten, wenn sich ein Trade nicht so entwickelt, wie erwartet. Zur Festlegung des initialen Stopp-Loss-Levels (SL) nach dem Einstieg folgt er der 3:1 Regel: Bei einem erwarteten Gewinn von 20-25% wird der SL bei 7-8% gesetzt, der gleichzeitig der maximal von ihm akzeptierte Verlustwert ist. Liegt der zu erwartende Gewinn z.B. im schwierigen Marktumfeld nur bei 10-15%, würde der SL auf 3% festgelegt werden. Liegt eine Aktie jedoch bereits im Plus würden 7-8% unter Umständen zu einem zu schnellen ausstoppen führen, weshalb hier eher andere Verkaufssignale genutzt werden sollten. Technische Verkaufssignale weisen auf mögliche Top-Bildung hin und zeigen so mögliche Ausstiegspunkte an. Einige Beispiele dafür sind:

- Größter Preisanstieg: Nachdem eine Aktie über mehrere Monate einen Preisanstieg aus einer soliden Basis heraus verzeichnete, und sie an einem Tag den größten Preiszuwachs seit Beginn des Anstieges verzeichnet, gilt sie als „extended“. Dann befindet sich der Wert meist kurz vor dem Peak. Ebenso kann ein plötzlicher größter Tagesverlust in Kombination mit anderen Indikatoren ein Verkaufssignal andeuten.

- Distribution-Signale: Nach einem langen Anstieg zeigt sich sehr hohes Volumen bei unverändertem Preis. Ebenso indizieren neue Hochs bei sehr schwachem Volumen, dass institutionelle Investoren das Interesse verloren haben.

- Anstieg in der Anzahl der Down-Tage (Preisminderung) im Vergleich zu den Up-Tagen (Preisanstieg).

- Auch die Durchschnitte können helfen, den richtigen Verkaufszeitpunkt zu identifizieren: Dreht der 200-Schnitt nach unten oder fällt die Aktie längere Zeit nach einem Anstieg unter den 10er und hält sich dort, ist Vorsicht geboten.

- Negative Nachrichten hingegen sind mit Vorsicht zu genießen. Ihr Einfluss auf den Kurs kann auch nur von kurzer Dauer sein, so dass ein Verkauf nicht unbedingt nötig ist und der Einzelfall betrachtet werden muss.

O´Neils Tipps

- Bleiben Sie den CAN SLIM-Regeln treu und kaufen Sie nicht nur auf der Basis bestimmter Nachrichten wie Splitannouncements, Gerüchte, Analystenempfehlungen oder der Dividendenrendite, sondern bestimmen Sie rein anhand der Fundamentaldaten qualitativ hochwertige Unternehmen und definieren sie anhand der Charts die korrekten Einstiegspunkte

- Averaging–Down ist ein No-Go, Averaging-Up jedoch schon bei guter Gelegenheit

- Lassen Sie sich nicht durch hohe KGV abschrecken bzw. durch niedrige zu einem Investment führen. Die Gewinne sind weitaus bedeutendere Selektoren. Sehr niedrige P/E haben oft einen guten Grund, der in unterdurchschnittlichen Gewinn und Margen liegen kann

- Unterschätzen Sie den Einfluss der Industry-Gruppe und des Sektors nicht. Sie können auch gute Ausgangspunkte zur Aktienselektion sein. Studien die O´Neil anführt, haben gezeigt, dass 37% einer Aktienkursentwicklung direkt mit der Performance der Industry-Gruppe des Wertes zusammenhängen und weitere 12% mit der Stärke des gesamten Sektors

Weiterführendes:

Schwager, Jack D. (1993). Market Wizards: The Market Wizzards – Conversations with America´s Top Traders. HarperBusiness, 1994

O´Neil, William: 24 Essential Lessons for Investment Success: Learn the Most Important Investment Techniques from the Founder of Investor's Business Daily. McGraw-Hill Companies 2000

O´Neil, William: Business Leaders & Success: 55 Top Business Leaders & How They Achieved Greatness. McGraw-Hill 2003

O´Neil, William: THE SUCCESSFUL INVESTOR: WHAT 80 MILLION PEOPLE NEED TO KNOW TO INVEST PROFITABLY AND AVOID BIG LOSSES. McGraw-Hill Companies 2003

Über William O´Neil (* 1933)
Nach dem Studium (Business Administration) an der Southern Methodist Universtity und dem Militärdienst arbeitete O´Neil zunächst als Börsenmakler bei Hayden, Stone & Company. Dort entwickelte er seine Investment-Strategie CANSLIM. 1963 gründete O´Neil sein eigenes Unternehmen, die William O´Neil & Co. Inc., in der er die erste Computergestützte Wertpapierdatenbank aufbaute. Mit nur 30 Jahren erwarb O´Neil einen „Sitz“ an der New Yorker Börse, als damals jüngste Person. 1983 gründete er die Investors Daily, eine Finanzzeitung (seit 1991 Investor´s Business Daily).

Quellenangaben:
Die Angaben im Text sind – sofern nicht anders angegeben – dem Buch William O´Neil - How to Make Money in Stocks – A Winning System In Good Times Or Bad (McGraw Hill Education 2009) entnommen.

Wie kann man die CANSLIM-Strategie softwaregestützt und systematisch handeln?

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