Warum ich Varta genau jetzt gekauft habe?

Michael Seibold ist als freier Redakteur beschäftigt. Artikel von freien Redakteuren stellen deren eigene Meinung dar und müssen mit der von aktien nicht korrespondieren.

Die Aktie vom Traditionskonzern Varta (WKN: A0TGJ5) aus Ellwangen konnte 2019 über 380 Prozent zulegen und notiert nun rund 35 Prozent unter ihrem Hoch. Der deutsche Batteriekonzern hat in diesem Jahr in der Spitze über zwei Milliarden Euro an Börsenwert verloren, nachdem ein Leerverkäufer auf mutmaßliche Probleme bei Varta hingewiesen und vor einem Kursrückgang der Varta-Aktie um 50 bis 65 Prozent gewarnt hat. Unter dem Pseudonym “Black Mamba“ hat ein anonymer Händler im israelischen Investment-Blog “Seeking Alpha“ für Aufsehen gesorgt. Die schwarze Mamba habe festgestellt, dass größere Varta Kunden wie Samsung, Sony und Jabra auch Batterien anderer Hersteller in bestimmten Geräten wie Premiumkopfhörer einsetzen, die zuvor aus dem Hause von Varta stammen. Bei den neueren Konkurrenten, die die Technik von Varta kopieren, handelt es ich um chinesische Hersteller wie Mic Power oder Eve. Varta geht gegen mutmaßliche Patentverletzungen der chinesischen Rivalen in mehreren Fällen vor. Mambas Schlussfolgerung war logisch: Der Burggraben vom deutschen Akkumulator- und Batterieproduzenten ist in Gefahr. Die Schlussfolgerung war aber nicht zu Ende gedacht. Führender Hersteller von sogenannten AirPods ist Apple und bekannterweise ist Apple auch Varta-Kunde. Laut einer Studie von Counterpoint Research drückt der Erfolg der Bluetooth-Kopfhörer auch deren Marktanteil aus. Apples AirPods hatten demnach im vierten Quartal 2018 einen Marktanteil von 60 Prozent weltweit auf dem Markt der komplett kabellosen In-Ear-Kopfhörer. Die anderen drei Hersteller kommen nur auf einen Marktanteil von 11 Prozent.

wireless-hearables

https://www.counterpointresearch.com/global-true-wireless-hearables-market-reaches-12-5-million-units-q4-2018/

Fakt ist, dass Varta derzeit seine extrem hohe Nachfrage nicht bedienen kann. Deshalb steigert der Konzern auch seine Produktionskapazitäten stärker als gedacht. Zuerst wurden die Planungen bereits auf mehr als 150 Millionen Zellen jährlich ab 2022 angeboten. Aufgrund der extremen Nachfrage sollen die jährlichen Produktionskapazitäten bis Ende 2021 sogar auf 200 Millionen Zellen ausgebaut werden. Da wären viele Unternehmen doch froh, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt. Dies sind die besten Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum und die Börse eilt den Aussichten voraus.


Analystenstudie der Commerzbank belastet


Aus Sorge vor steigendem Konkurrenzdruck hat Analyst Stephan Klepp die Aktien von Varta binnen weniger Tage bereits zum zweiten Mal abgestuft. Zu Beginn hat er das Kursziel noch bei 132 Euro belassen und die Aktie von “Buy“ auf “Hold“ gesenkt. Am 22.01.2020 gab er seine Halteempfehlung auf und stufte die Aktien weiter ab auf “Reduce“ mit einem Kursziel von 82 Euro. Die Monopolstellung des Batteriekonzerns bei Micro-Hochleistungsbatterien zum Beispiel bei Wireless-Kopfhörer sei vorbei, begründete der Experte. Außerdem befürchtet der Experte eine Kapitalerhöhung ab 2021, um die Investitionen zu bewerkstelligen. Jetzt kommt der spannende Teil des Analysten. Die Commerzbank gehe von einem guten vierten Quartal 2019 aus und halte es auch für wahrscheinlich, dass das Unternehmen die für 2022 angepeilten Kapazitätsziele bereits zwei Jahre früher erreicht.

An der Ausgangslage und den fundamentalen Fakten hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: Die Zukunftsaussichten sind so rosig wie noch nie. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein gesenktes Kursziel einen Trend brechen wird. Meistens haben solche Kursziele nur kurzfristige Auswirkungen auf den Kurs einer Aktie. Wie aber kann es sein, wenn alle Experten sich die Lage und Perspektive eines Unternehmens ansehen, dass es trotzdem immens unterschiedliche Kursziele und Einstufungen gibt? Eben weil auch diese Einschätzungen rein subjektiv sind, teilweise unterschiedlich alt und auf unterschiedlichen Daten beruhen. Zukünftige Schätzungen für die nächsten Jahre sprechen Bände.

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Auch beim Piotroski F-Score erreicht Varta einen guten Wert mit 7 von 9 Punkten. Bei dem “F-Score“ geht es um eine Kennzahl aus 9 Werten, um die finanzielle Kraft von Firmen zu bewerten. Der F-Score ist eine Art Qualitäts-Kennziffer. Im Screener von aktienRankings steht das Scoring-System als Template zur Verfügung.

piotroski-varta

Fazit


Varta wird es trotz der erneuten und beschleunigten Produktionserweiterung kaum schaffen, alle seine Kunden mit Batteriezellen zu beliefern. Auf diesem Markt ist Platz für mehrere Wettbewerber. Argumente der “Black Mamba“ sind zu kurz gedacht. Eine Korrektur war dennoch überfällig. In diesem Tempo konnte der Anstieg nicht weitergehen. Rein charttechnisch hat der Kurs bis zur EMA 200 Tage Linie korrigiert. Bisher hält die Marke. Und wer Innovationsführer im Bereich Mikrobatterien ist und die Marktführerschaft auch für Lithium-Ionen-Batterien im Bereich Wearables und Hearables anstrebt, kann in Zukunft auch ein Wörtchen bei Lithium-Ionen Energiespeichersystemen in der Automobilindustrie mitsprechen. Ähnlich wie bei Wirecard ist Varta Opfer einer Shortattacke geworden. Im aktuellen Kurs des MDax-Konzerns ist bereits viel Negatives eingepreist. Die Hamburger Privatbank Berenberg glaubt an die Erholung und bleibt mit seinen Prognosen bei 110 Euro. Wer noch keine Anteile an Varta besitzt, kann diese Korrektur als Chance zum Einstieg nutzen. Ich gehe zunächst von einer volatilen Seitwärtsphase aus. Anschließend rechne ich mit einem Ansteuern der 100 Euro-Marke. Im weiteren Verlauf gehe ich von deutlich dreistelligen Kursen aus.

chart-varta

Liebe Anleger,


ich wünsche Ihnen noch viele erfolgreiche Investments!

Bis zur nächsten spannenden Story,

Michael Seibold

Bildherkunft: https://www.pressebox.com/newsroom/varta-microbattery-gmbh/media

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