Was uns die Finanzkrise lehrt und warum Aktien überlegen sind

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von Tim Schäfer
Korrespondent in New York

Wir leben alle länger, die gesetzliche Rente wird immer spärlicher. Wir wissen, dass wir eigenständig vorsorgen müssen. Wie können wir das Heft in die Hand nehmen? Indem wir regelmäßig in ein gutes Indexpapier investieren und daran festhalten. Oder indem wir solide Dividendenaktien regelmäßig kaufen.

Mit Dividenden können Sie Ihre Rente absichern. Wenn Sie langfristig Wertpapiere einsammeln, werden Sie sich sicherer mit der Zeit fühlen. Sie werden merken, wie nach Dekaden der Schneeball ins Rollen kommt und zur Lawine wird. Es fängt allerdings langsam an. Es ist zugegeben ein hartnäckiger Prozess. Es ist mühsam. Sie werden zwischenzeitlich Angst bekommen, wenn die Börse zu beben beginnt. Das wird passieren. Die Kunst besteht darin, die Nerven zu behalten und nicht aus dem Boot zu springen, wenn die See rau ist.

Dividenden sind Zahlungen, die Unternehmen im Regelfall aus dem Gewinn finanzieren. Clever geführte Firmen sind in der Lage, die Dividende sogar zu steigern - selbst wenn der Gewinn stagniert oder sogar sinkt. Sie haben ausreichend Cash beziehungsweise einen gesunden freien Cashflow. So eine Qualitätsfirma ist zum Beispiel der Hygienepapier-Titan Kimberly-Clark, über den ich in der hiesigen Ausgabe im hinteren Teil ausführlich schreibe.

Wer eine Dividendenperle gefunden hat, sollte an ihr langfristig festhalten. Die meisten Anleger haben nicht die nötige Geduld. Eine Studie von Fidelity zeigt, dass geduldige Dividendenanleger am besten anschneiden: Wer zwischen 1991 und 2015 auf jene 20% der Aktien aus dem S&P-500-Index mit der höchsten Dividendenrendite kombiniert mit dem geringsten Schuldenstand (gemessen am Eigenkapital) setzte, erzielte eine Überrendite von 2 Prozentpunkten. Es ist allerdings wichtig, die Börsenabschwünge auszusitzen. Es sind Nerven wie Drahtseile nötig. Zwischenzeitlich kann es nämlich passieren, dass Sie schlechter als der Markt liegen, erst mit der Zeit können Sie die Früchte ernten.

Als Warren Buffett begann bei IBM einzusteigen, lag er unter seinem Einstandspreis. Es ärgerte ihn bestimmt. Doch kaufte er stetig weitere Aktien hinzu. Das passiert übrigens zahlreichen Value Investoren. Wenn die Profis unter Wasser sind, verbilligen sie einfach ihren Kurs. Kaum jemand kauft eine Position exakt auf dem Tiefpunkt. Wenn es Ihnen gelingen sollte, war es vermutlich reine Glücksache.

Sie werden aber auch Fehler machen. Das ist aber völlig normal. Daher ist eine breite Mischung ratsam. Wenn Warren Buffett Aktien kauft, achtet er auf eine Sicherheitsmarge. Er nennt es „Margin of Safety“. Den Trick mit der Sicherheitsmarge hat er von seinem Professor Benjamin Graham gelernt, der an der New Yorker Columbia Universität gelehrt hat.

Gelegen kommen Buffett vor allem Unternehmenskrisen oder Wirtschaftskrisen. Seine Coca-Cola-Position begann er, während des Börsencrashs 1987 aufzubauen. Es handelte sich schon damals um die führende Getränkemarke. Der Schnäppchenjäger aus Omaha erkannte, dass der innere Wert des Soda-Herstellers damals mehr wert war, als die Börsenwaage anzeigte. Buffetts Investment stieg um den Faktor 16, wenn man die Dividenden berücksichtigt. Seine Methode hat er so formuliert: „Anstatt schlechte Firmen zu einem großartigen Preis zu kaufen, kaufte ich lieber großartige Firmen zu einem guten Preis.“

Das heißt anders ausgedrückt: Es kommt ihm nicht darauf an, einen möglichst geringe Bewertung zu haben, sondern ihm ist es schon wichtig auf Qualität bei der Aktienauswahl zu achten. Er kauft nicht jeden Schrott, nur weil die Bewertung gerade spottbillig ist.

Allerdings meidet das Finanzgenie reinrassige Wachstumsaktien. Diese gibt es derzeit im Internetsektor haufenweise. Diese Growth-Aktien werden meist sehr teuer bewertet. Sie sind unter Anlegern beliebt. Buffett zieht lieber Hausmannskost vor. Eben Aktien aus dem Bereich Lebensmittel, Landmaschinen, Eisenbahn, Bank, Telekommunikation. Buffett sind eine angemessene Dividende, geringe Verschuldung und hohe Cashflüsse wichtig. Darüber hinaus achtet der Börsenaltmeister auf „ehrliche und kompetente“ Manager.

Wer die Strategie von Buffett umsetzt, kann im Grunde ähnliche Renditen wie er einfahren. Nur sind die meisten Menschen dazu nicht in der Lage, weil uns unsere Emotionen einen Strich durch die Rechnung machen: Es ist zum einen die Angst, zum anderen die Gier.

Wer das Einsammeln von Aktien- oder Indexpapieren mit großer Gelassenheit angeht, wird mit den Dekaden die Früchte ernten können.

Wenn Sie zurückblicken, crashte die Börse nach dem Platzen der Hauspreisblase 2008. Ein paar Jahre später eilt die Wall Street schon wieder von Rekord zu Rekord. Wir erleben seit acht Jahre in Folge eine beispiellose Rallye. So schnell kann sich das Blatt wenden. Das zeigt, Geduld zu haben, schützt ihr Aktiendepot. Mehr noch: Es mehrt ihren Wohlstand.

Auf Sicht von 15 Jahren haben Blue Chips in Summe nie Geld verloren. Als Aktionär müssen Sie nur lernen, die Volatilität zu ertragen. Man kann es wirklich nicht oft genug schreiben. Es ist so elementar wichtig. Denken Sie zurück, wie schrecklich und besorgniserregend die Schlagzeilen waren, als die Wirtschaft aufgrund der Hypothekennot und Schuldenkrise zum Stillstand kam. Es war die Zeit zum Einsammeln. Aber wie viele „Experten“ warnten vor dem Chaos, vor der Dauerkrise, vor dem Kollaps? Lassen Sie sich nicht von Schwarzmalern und Marktschreiern beeinflussen. Lassen Sie sich nicht vom „Buy and Hold“ guter Aktien abhalten.

Eines hilft zum generellen Optimismus: An den meisten Tagen steigt die Börse statistisch betrachtet. Es gibt weniger Tage mit Verlust. Aktien sind jeder anderen Anlageklasse langfristig überlegen. Aktien holen immer wieder ihre Verluste auf. Und eilen zu neuen Rekorden.

Es ist immer wieder der gleiche Fehler zu beobachten: Anleger verkaufen am liebsten im Tief (Krisen). Und sie kaufen gerne am Hoch (nach dem Kursboom). Studien zeigen, dass Privatanleger deutlich schlechter als die Börse abschneiden, weil sich eben das falsche Timing samt der hohen Aktivität rächt. Panik ist das größte Gift.

Wie können Sie Ihre Gefühle in den Griff bekommen? Diversifizieren Sie ausreichend. Haben Sie ein Notcashpolster jederzeit verfügbar - das beruhigt Sie. Schauen Sie einfach seltener in Ihr Depot, wenn es zur Krise kommen sollte. Verzögern Sie Ihre Aktivität. Denken Sie eine Woche intensiv nach, bevor Sie tätig werden. Machen Sie Sport, lange Spaziergänge, räumen Sie auf. Lassen Sie sich besser nicht verrückt machen.

Generell ist es ratsam, so viel Sie können zu investieren. Im Idealfall automatisieren Sie das Aktiensparen. Denn die gesetzliche Rente wird kaum reichen, um die goldenen Jahre genießen zu können.

Tipp: Sie wollen Aktien zum Kaufen und Liegenlassen im Depot haben, die solide sind und mit denen Sie langfristig Ihre finanzielle Freiheit planen können? Im aktien Magazin führen wir ein Realgeld-Musterdepot. Das Depot wird mit dem eigenen Geld der TraderFox GmbH geführt. Wir investieren in diesem Depot nur in sichere Qualitäts-Aktien. Optimal zum Nachbilden geeignet. Alle Transaktionen werden mindestens einen Tag vorher bekannt gegeben.

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