Dividendenjäger aufgepasst

Versorger-Aktien galten früher als sichere „Witwen- und Waisen-Papiere“. Da konnte man nichts falsch machen. Strom kommt bekanntlich aus der Steckdose und die Versorger verdienen sich mit dem totsicheren Geschäft eine goldene Nase. Zudem bedachten die Konzerne ihre Anleger mit regelmäßig hohen Ausschüttungen von Dividenden. Dann kam die Natur- und Nuklearkatastrophe von Fukushima – und alles war schlagartig anders, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel quasi über Nacht den Ausstieg aus der Atomenergie beschloss. Außerdem bekamen die Versorger in etwa zur gleichen Zeit in Deutschland etwas ganz Neues – Konkurrenz durch neue Energien.

Und damit begann die Leidenszeit für Versorger-Aktien und ihre Anleger – erst schleichend, weil niemand so richtig glauben konnte, dass das jahrzehntelang sichere Geschäft nicht mehr so sicher war. Ab 2015 war die Talfahrt teils rasant – weil einfach die miesen Zahlen nicht ignoriert werden konnten.

Das ist alles Schnee von gestern seit 2017. RWE zähle laut Der Aktionär wie schon im Vorjahr auch 2018 zu den stärksten Titeln im DAX. Die Serie der Negativschlagzeilen habe aufgehört. RWE habe sich den Herausforderungen des Marktumfeldes gestellt und neu positioniert. Finanziellen Spielraum habe RWE zuletzt durch den Deal mit dem Wettbewerber E.on erhalten. In einem Tauschgeschäft übernehme E.on die Öko-Tochter Innogy mit Netzen und Privatkundengeschäft von RWE. Im Gegenzug erhalte RWE von E.on und Innogy das Geschäftsfeld mit den erneuerbaren Energien sowie eine Beteiligung am Gesamtkonzern in Höhe von 16,7 %. Nun habe RWE insgesamt wieder deutlich bessere Perspektiven.

Für Anleger sei der DAX-Titel aktuell eine Kaufüberlegung wert, weil eine hohe Dividende winke. Neben der regulären Dividende von 0,50 Euro je Aktie werde RWE auch eine Sonderdividende in Höhe von 1,00 Euro je Aktie ausschütten. Das Geld dafür komme aus der Rückzahlung der Brennelementesteuer. Doch um dabei zu sein, ist Eile geboten. Bis zum Handelsschluss des 26. Aprils müssten die Anteile im Depot des Anlegers sein. Die Gutschrift der Dividende erfolge am 2. Mai. Der Aktionär rät mit einem Kursziel von 26 Euro zum Kauf des DAX-Titels (36 % Potenzial)

Das Analysehaus RBC Capital hat das Kursziel nach der Bekanntgabe des E.on-Deals von 23 auf 26 Euro angehoben (19 % Potenzial). Zuvor habe das Geschäft von RWE unter der wenig umweltfreundlichen und kurzlebigen Stromerzeugung gelitten. Mit der Zerschlagung des Ökostrom-Versorgers Innogy und der Aufteilung der Geschäftsbereiche unter E.on und RWE bekomme RWE laut Analyst John Musk nun ein nachhaltiges Geschäftsmodell.

Noch deutlicher nach oben revidierte die Commerzbank nach der Bekanntgabe der bevorstehenden Zerschlagung der Ökostromtochter Innogy das Kursziel für RWE. Von 19,40 Euro wurde es auf 27 Euro angehoben (23 % Potenzial). Laut Analystin Tanja Markloff berücksichtige das neue Kursziel die erwarteten Synergien und den von E.on an RWE gezahlten Aufschlag für die Innogy-Beteiligung.

Das aktuell höchste Kurspotenzial von 26 % sieht die Investmentbank Oddo BHF mit einem Kursziel von 27,50 Euro für den DAX-Titel. Der Innogy-Deal schärfe das Unternehmensprofil des Essener Energiekonzerns, schrieb Analyst Stephan Wulf.

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Bildherkunft: RWE


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