2 Top-Aktien aus der Global-Trend-Following-Liste Frankreich 300

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Das Frankreich nicht nur im Fußball sondern auch in der Wirtschaft Tempo macht, zeigt der CAC-40 mit steigenden Aktienkursen beeindruckend. Der Index liegt seit Jahresanfang mit über 14 % im Plus und damit deutlich vor dem gemächlichen DAX, der mittlerweile auf fast 10 % Zuwachs kommt. Natürlich spielt bei solchen Entwicklungen immer die nationale Wirtschaftspolitik eine Rolle. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat Präsidenten Macron vor allem die fiskalischen und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen für die Unternehmen in Frankreich seit seinem Amtsantritt verbessert. Das allein kommt den global tätigen Konzernen im CAC-40 zwar sicher zugute, doch diese profitieren zurzeit auch von Einflüssen, die sie nicht verantworten. Während zum Beispiel Deutschland mit seinen Schwerpunkten Automobil- und Chemieindustrie eher mit einem Malus zu kämpfen hat, kommt den Franzosen mit ihren Luxusgüter- und Industriekonzernen die geopolitische Entwicklung eher entgegen. Noch vor wenigen Jahren lief der Trend eher zugunsten der Deutschen. Aktuell steht nicht zu erwarten, dass sich dies allzu schnell wieder ändert. Während Frankreich weiter auf grundsätzliche Veränderungen in Europa und global drängt, ist Deutschland wirtschaftlich mit zahlreichen nationalen Baustellen beschäftigt. Daher wird sich ein regelmäßiger Blick zum westlichen Nachbarn in den kommenden Monaten weiter lohnen. In der Global-Trend-Following-Liste Frankreich 300 haben wir 2 weitere trendstarke Aktien genauer betrachtet.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

Interparfums S.A. (3-Jahres-Trendstabilität 19,49)

Was den Herstellern von Halbleitern nur billig ist, kann den Produzenten von Parfümen nur recht sein. Die Idee, seine eigenen, markenbekannten Produkte von einem Subunternehmen herstellen zu lassen, hatten zwei Franzosen bereits 1982. Weil aber Frankreich, wie Deutschland, zum einen bei der Umsetzung solcher Ideen zuweilen arg bürokratisch agiert und zum anderen auch für sich genommen ein zu kleiner Markt ist, dehnte das Duo seinen Testballon gleich drei Jahre später auf die USA aus. Mit Erfolg, denn man kam schneller an Kapital zur Expansion und stieß auch schneller auf Akzeptanz in Form von Lizenzhersteller-verträgen. In den Neunziger Jahren kamen Unternehmen wie Burberry und S.T Dupont als eine der ersten bekannten Labels hinzu, die sich von Interparfums ihre edlen Duftstoffe produzieren ließen. Weitere bekannte Kunden sind seit Ende des vergangenen Jahrzehnts Paul Smith, Jimmy Choo, Karl Lagerfeld, Montblanc, Boucheron und seit 2015 Rochas. Neben der Produktion übernimmt Interparfums zudem das gesamte Marketing des entsprechenden Labels sowie die logistische Abwicklung und die Öffentlichkeitsarbeit. Hierzu bestehen neben den Vertretungen in den USA und Frankreich noch Dependancen in Singapur, Deutschland, Spanien, Italien und der Schweiz.

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Das der Luxusgütermarkt auch dank der langen, positiven weltweiten Konjunkturentwicklung äußerst lukrativ ist, zeigt sich nicht nur bei den teuren Labels selbst, sondern auch für seine „Subunternehmer“, wie man Interparfums angesichts seines Geschäftsmodells durchaus nennen darf. Seit 2014 wächst das Unternehmen sehr kräftig, der jährliche durchschnittliche Umsatzzuwachs lag bei 10,8 %, die Gewinne kletterten im selben Zeitraum um 21,8 %. 2018 erzielte der Konzern ein Umsatzplus von 8 % auf 455 Mio. €, der Nettogewinn legte um stattliche 18 % auf 47,1Millionen € zu. Für die Aktionäre bedeuteten diese Erfolge ordentliche Dividendenzuwächse von im jährlichen Durchschnitt fast 22 % seit 2014. Im Geschäftsjahr 2019 rechnet der Vorstand konservativ mit einem Umsatzzuwachs von 5,5 %. Der Durchschnitt der Analysten erwartet hingegen eine Fortsetzung des starken Wachstums. Bis 2021 prognostizieren sie im Schnitt ein jährliches Umsatzplus von auf 9,3 %, das Nettoergebnis soll im selben Zeitraum pro Jahr zwischen 12 und 13 % zulegen. Die KGVs für 2019/20 von 46,2 und 39,8 reflektieren sicher keine Schnäppchen-Bewertung mehr, allerdings wird nicht nur in den Drogerien viel Geld für Parfums bezahlt. Auch an der Börse ist der Luxusgütermarkt häufig über Durchschnitt bewertet, im Fokus bleiben dabei sicher die Konjunktur, Wachstumsraten und Konsumlaune der Verbraucher in den großen Märkten China und USA.

Gaztransport et Technigaz (3-Jahres-Trendstabilität 17,34)

Flüssiggas als fossiler Energieträger und somit alternativer Treibstoff zu Öl ist nicht erst seit der Diskussion um den weltweiten Klimawandel ein begehrter Rohstoff. Vor allem Campern und Würstchenbudenbesitzern ist diese Art der Energieerzeugung durch die Propangasflaschen schon lange bekannt. Unternehmen wie Air Liquide, Linde oder Praxair haben in den vergangenen Jahren stark von der steigenden Nachfrage nach dem Rohstoff profitiert. Um sich gegen die starken Franzosen noch besser zu wappnen, haben sich die letzten Beiden im Oktober 2018 (angekündigt im Dez. 2016) zur Linde Plc. zusammengetan. Neben den Produzenten profitieren natürlich auch die Logistiker von dem wachsenden Bedarf an alternativen Treibstoffen. Die französische Gaztransport (GTT) ging 1994 als Ergebnis eines Zusammenschlusses der Wettbewerber Gaztransport und Technigaz hervor, die beide ihre Dienste insbesondere für Air Liquide und Gaz de France verrichteten. Frankreich hat zwar 2016 beschlossen, die Förderung von Öl und Gas zur Klimaschonung deutlich zu verringern, doch insbesondere die Vorkommen vor der Küste Französisch-Guyanas werden zur unabhängigen Energieversorgung der „Grande Nation“ noch weiter benötigt. Hinzu kommt, dass sich die Europäer im Handelsstreit mit den USA verpflichtet haben, mehr Flüssiggas von jenseits des Atlantiks zu importieren. Auch davon dürfte Gaztransport deutlich profitieren, deren Spezialität zum einen der sichere Transport in eigens dafür ausgestatteten Schiffen ist, zum anderen bieten die Franzosen die Lagerung sowohl an Land als auch Offshore an. Das Unternehmen mit 335 Mitarbeitern hat seinen Hauptsitz in Saint-Rémy-lès-Chevreuse.

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Seit 2014 wächst das Unternehmen kontinuierlich bei Umsatz und Gewinn. Während das Umsatzplus seitdem im jährlichen Durchschnitt 2,5 % betrug, waren die Schwankungen beim Gewinn zuletzt stärker. Von 2014 bis 2016 gab es kaum Zuwächse, dafür 2017 einen deutlichen Schub um fast 23 %. Das liegt daran, das GTT fast 88 % seiner Einnahmen aus dem Bau von LNG (Flüssiggas) – Schiffen erzielt, während nur 10 % aus der Lagerung erlöst werden. Im Ergebnis des Gesamtjahres 2018 schlägt sich sehr positiv die erhöhte Abnahmequote von Flüssiggas aus den USA durch die EU nieder. Der Auftragsbestand stieg auf ein neues Rekordniveau. Wurden 2017 nur 21 Schiffe geordert, waren es 2018 derer 50. Seit Januar 2019 sind weitere 11 hinzugekommen. Das Umsatzplus betrug 6,2 % auf 246 Mio. €, der Zuwachs beim Nettogewinn belief sich auf beeindruckende 22,9 % und resultierte bei 142,8 Millionen €. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet GTT einen Umsatz zwischen 255 und 270 Mio. € sowie einen Nettogewinn zwischen 150 und 160 Mio. €. Die durchschnittlichen Analystenschätzungen bis 2023 sehen dies allerdings erst als Auftakt eines starken positiven Trends. Sie erwarten ein jährliches, durchschnittliches Umsatzwachstum von 12 bis 13 % sowie ein Plus beim Nettoergebnis zwischen 7 und 8 %. Daraus ergibt sich ein noch recht attraktives 2019/20er KGV von 22,3 und 16,2.
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