2 Top-Werte der Global Trend Following-Liste Großbritannien 500

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Lange Zeit, genau genommen bis August, sah es in diesem Jahr ganz gut für den britischen Aktienmarkt aus. Bis auf ein Plus von 7 % konnte sich der Markt vorarbeiten, bevor es dann in zügigen Schritten abwärts ging und man sogar jetzt bei einem Minus von über 2 % angekommen ist. Das lag, anders als man vielleicht vermuten würde, weniger an den stockenden Brexit-Verhandlungen als vielmehr an den fallenden Notierungen an den Rohstoffmärkten. An der Londoner Börse sind nämlich relativ viele Öl- und Minenaktien mit stärkeren Indexgewicht notiert, so dass deren Kursverluste den Index ins Minus zogen. Steigende Zinsen haben dann noch für zusätzliche Belastung gesorgt, so dass sich der Blick der Investoren dann eher auf ausländische Aktien im Index richtete. Daran änderte auch die für die britischen Banken positive Nachricht nichts, dass sie wohl auch nach dem Brexit unter bestimmten Voraussetzungen von der Insel aus nach EU-Recht tätig sein können. Bei unserem Blick in Global Trend Following-Liste Großbritannien 500 finden sich auf den vorderen Rängen zwei Werte, die von den Themen Rohstoffe und Immobilien in diesem Jahr stark profitiert haben. Trotz der deutlichen Korrektur im Oktober sind beide auf Jahressicht noch im Plus und daher einen Blick auf ihre Chancen für die kommenden Monate wert.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

ADO Properties (3-Jahres-Trendstabilität 15,17)

Das 2006 in Luxemburg gegründete Immobilienunternehmen ADO Properties hat, wie viele Unternehmen der Branche, die Vorzüge der Aktiennotierung an der Londoner Börse schon längere Zeit für sich entdeckt. Seit 2015 notiert das Papier in Frankfurt, seit Oktober im SDAX. Zudem notiert die Aktie auch in Luxemburg. 38 % der Aktien sind im Besitz der israelischen ADO Group. Auf dem deutschen Immobilienmarkt engagierte Unternehmen sind an der Börse wegen der steigenden Immobilienpreise vor allem in Großstädten in diesem Jahr besonders gefragt. ADO profitiert davon im besonderen Maß, weil das Unternehmen mit kleinen Wohnungseinheiten (Ein- bis Zweizimmerwohnungen) vor allem in Berlin aktiv ist. Mit einem Wohnungsbestand von 24.000 Wohnungen gehört ADO mit 320 Mitarbeitern zu den größten Vermietern in Berlin. Den Wert des eigenen Immobilienportfolios beziffert das Unternehmen zur Mitte 2018 auf 3,8 Mrd. €, ein Plus von 15% im Vergleich zum Ende 2017. Wie andere, vergleichbare Immobiliengesellschaften versucht das Unternehmen über Modernisierungen vor allem bei den Neupreisvermietungen zusätzliche Gewinne einzufahren, was in den vergangenen 3 Jahren besonders gut gelang.

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Welch rasante Entwicklung ADO genommen hat, kann man an der Umsatz- und Gewinnentwicklung der vergangenen fünf Jahre sehen. Während sich der Umsatz nahezu verneunfachte, stiegen die Gewinne um das 20fache. Allerdings brachten die Zukäufe und Investitionen auch eine Versiebenfachung der Verschuldung mit sich. Um sich etwas mehr Spielraum für zukünftige Investitionen zu verschaffen, hat ADO sich über ein Schuldscheindarlehen gerade 74 Mio. € an frischen Mitteln beschafft. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2018 lief es allerdings für die Luxemburger in Berlin sehr gut, das Umsatz konnte um 22,9 % auf 73,4 Mio. € gesteigert werden, der Nettogewinn kletterte vor allem durch Zukäufe um 26 % auf 53,1 Mio. €. Ohne Zukäufe hätte das Plus 7 % betragen. Bis 2030 rechnet der Konzern mit dem Bedarf weiterer 194.000 Wohnungen in Berlin, allein bis 2021 mit 20.000 Wohnungen pro Jahr. Von diesem Wachstum entsprechend zu profitieren erhofft sich nicht nur Konzern, sondern auch der Durchschnitt der Analysten. Sie sehen bis 2021 ein Umsatzplus von insgesamt 50 %, rechnen allerdings mit sinkenden Erträgen wegen höherer Investitionen in den Wohnungsbestand. Allerdings könnte ADO auch für Wettbewerber als Übernahmekandidat in Betracht kommen. Die KGV für 2019/20 liegen bei 8,7 und liegen damit am oberen Rand der fairen Bewertung.

Gazprom (3-Jahres-Trendstabilität 14,19)

Wenn es um das Thema Erdgas in Europa geht, läuft ohne die Russen nichts. Gazprom, das in den Wirren des Übergangs der Sowjetunion vom Kommunismus in die Privatwirtschaft 1989 entstand, ist das weltgrößte Erdgasunternehmen. Der Konzern verfügt weltweit über 17 % der Erdgasvorräte (Russland 72%). Das Unternehmen mit seinen 467.000 Mitarbeitern liefert die Hälfte seiner Erdgasproduktion an rund 30 Länder, während die andere Hälfte für den Binnenmarkt produziert wird. Zudem ist man für 16 % der innerrussischen Stromerzeugung verantwortlich. Darüber hinaus ist Gazprom der viergrößte Ölproduzent Russlands und der größte Produzent von Flüssiggas (LNG). Größter Abnehmer sind außer der Binnenmarkt auch hier viel westeuropäische Staaten. Im Handelskonflikt mit den USA spielt der Wettbewerb um die Vermarktung von LNG eine erhebliche Rolle, da die Amerikaner die EU zur Abnahme größerer Mengen der US-Produktion verpflichten wollen. Gazprom setzt allerdings auf weiteres Wachstum durch langfristige Abnahmeverträge mit den EU-Staaten und den Bau weiterer Pipelines wie Nord Stream II oder der „Power of Sibiria“, die den Zugang zum chinesischen Markt etablieren soll. Zudem planen die Russen nicht nur den Vertrieb an Groß- und Industriekunden, sondern durch eine eigene Vertriebsgesellschaft auch an private Endkunden.

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Gazproms Expansionsstrategie ist überlebenswichtig, will man weiterhin ausländische Investoren für sich einnehmen und überdurchschnittlich wachsen. Nicht von ungefähr notierte die Aktie deshalb auch an der Londoner Börse. Allein die seit mehr als 4 Jahren andauernde Sanktionspolitik gegen Russland erschwert eine schnelle erfolgreiche Expansion gen Westen. So ruhen die Hoffnungen derzeit eher auf steigende Umsätze und Gewinne vor allem mit China. Seit 2014 sind die Umsätze des Konzerns im Schnitt um 6 % jährlich gestiegen, die Gewinne hängen jedoch noch immer sehr an den Öl- und Gaspreisen an den Weltmärkten. 2017 betrug das Umsatzplus 7,1 % auf 6,5 Mio. Rubel (77 Rubel=1 €), der Nettogewinn ging allerdings um 23,4 % auf 714,3 Mio. Rubel zurück. Rund 50 % wurde mit dem Gasverkauf erzielt. Für 2018 gegen die Schätzungen der Analysten wegen der stark gestiegenen Energiepreise von einem Gewinnplus von 82 % aus, während der Umsatz rund 7 % zulegen soll. 2019 hingegen sieht es wegen wieder fallender Ölpreise eher wieder nach niedrigeren Gewinnen aus. Allerdings sollen sowohl NordStream 2 als die „Power of Siberia“ dann in Betrieb gehen. Ein Ende der Sanktionspolitik würde der Aktie sicher auch stärker helfen. Mit Österreichs Ölkonzern OMV hat man vor kurzem zudem eine Erhöhung der jährlichen Gaslieferungen um eine Mrd. Kubikmeter vereinbart. Mit einem 2019er KGV von 2,6 ist die Aktie extrem günstig, allein das politische Risiko wiegt derzeit noch schwer.
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