2 Top-Werte Global Trend Following-Liste USA 1000

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Die US-Berichtssaison für das 3. Quartal ist nun zur Hälfte rum und damit auch praktisch für das Jahr 2018. Auch wenn es zunächst vom Kursverlauf der Börsen her nicht so aussieht, so konnten doch immerhin 77 % der Unternehmen die Erwartungen der Analysten übertreffen. Damit ist klar, dass die Stimmung weitaus pessimistischer war als die tatsächliche Lage, was sicher einen guten Teil zur Erholung der großen Indices im Laufe des Oktobers beigetragen hat. Die tatsächlichen Gewinne der im S&P 500 notierten Unternehmen haben dabei die Analystenprognosen im Durchschnitt um 6,5 % übertroffen. Enttäuschung gab es vor allem im Technologiesektor, was allerdings weniger mit den Ergebnissen, als mit den Ausblicken für die kommenden Monate zu tun hatte. Gerade bei den „Paradepferden“ der vergangenen Jahre, Amazon und Apple, führte dies zu Gewinnmitnahmen, die sich allerdings in einem normalen Rahmen hielten. Bei anderen Blue Chips, vor allem bei den arg gebeutelten Industriewerten, konnte hingegen ein Teil der Verluste aufgeholt werden. Vor dem zweiten Teil der Berichtssaison steht in dieser Woche mit den US-Parlamentswahlen und der Zinsentscheidung der Fed eine weitere Bewährungsprobe für die Märkte an. Wir haben deshalb bei unserem Blick auf die Global Trend Following-Liste USA 1000 zwei Werte betrachtet, deren Trendstärke nach der Korrektur wieder an Fahrt aufgenommen hat.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

Mastercard (3-Jahres-Trendstabilität 27,57)


Der Finanzdienstleister, der seinen Firmensitz in Purchase (New York) hat, ist hinter den US-Konkurrenten VISA und American Express die drittgrößte Gesellschaft für Kreditkarten sowie Debit- und Guthabenkarten. Der Konzern mit 13.400 Mitarbeitern vergibt weltweit an Kreditinstitute, Finanzdienstleister und andere Vertragspartner Lizenzen für die Herausgabe der eigenen Karten. Weltweit werden die Karten des Konzerns von über 35 Millionen Vertragsunternehmen akzeptiert, alleine in Deutschland kann man auf mehr als eine halbe Million Vertragspartner verweisen. Das 1951 gegründete Unternehmen verfügt zudem weltweit über eine Million Vertragspartner, die eine Auszahlung von Bargeld ermöglichen. Neben der Zahlungsgarantiefunktion werden die Karten von vielen Lizenznehmern auch zum zusätzlichen Verkauf von Versicherungen, wie z.B. Reise-, Kranken-, oder Unfallversicherungen, genutzt. Da Kreditkartenbetrug in den vergangenen zwei Jahrzehnten in den Kriminalstatistiken deutlich zugenommen hat, versucht der Konzern über biometrische Identifizierungen den Sicherheitsaspekt stark zu verbessern. Außerdem soll mit der Ausweitung der Zahlungsoptionen die Attraktivität der Karten für Firmen- und Privatkunden erhöht werden. Hierzu erwarb der Konzern im vergangenen Jahr das Unternehmen VocaLink.

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Auf ein dynamisches Wachstum kann der Konzern seit fast 20 Jahren zurückblicken. Allein seit Anfang des Jahrzehnts konnte der Umsatz um mehr als 125 % gesteigert werden. Auch bei den frischen Zahlen zum 3. Quartal des aktuellen Geschäftsjahres hat sich der Aufwärtstrend bei Umsatz und Gewinn weiter fortgesetzt. Das Erlösplus betrug 17 % auf einen neuen Rekordwert von 3,9 Mrd. USD. Besonders außerhalb des US-Heimatmarktes war das Wachstum überdurchschnittlich. Es wurden mit 18,8 Mrd. 16 % mehr Kunden-Transaktionen abgewickelt als noch vor einem Jahr. Bei den grenzüberschreitenden Transaktionen wurde ein Zuwachs von 17 % erzielt. Die operative Marge fiel um 1,2 % auf 54,3%. Der Gewinn stieg um 36% auf 1,9 Mrd. USD. Es wurden eigene Aktien für 1,2 Mrd. USD zurückgekauft. Vorstandschef Ajay Banga will den Fokus für weiteres Wachstum weiterhin auf die Themen Zahlungssicherheit und Einsatzoptionen der Kreditkarte setzen. Bis 2022 erwarten Analysten ein jährliches Umsatzwachstum zwischen 11 und 15% und jährliches Gewinnwachstum zwischen 17 und 22 %. Mit einem 2019er KGV von 26,1 ist der Wert noch fair bewertet.

Boeing (3-Jahres-Trendstabilität 21,78)


Die Geschichte der Luftfahrt ist ohne Frage mit dem heute weltgrößten Hersteller ziviler und militärischer Flugzeuge, Hubschrauber sowie von Militär- und Weltraumtechnik verbunden. Das Unternehmen aus Seattle, Washington wurde im Juli 1916 zwar noch unter dem Namen Pacific Aero Products gegründet, aber ein Jahr später bereits nach seinem Schöpfer Edward Boeing umbenannt. Mit dem Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg nahm die Bedeutung des Konzerns als Rüstungsunternehmen zu. Die Produktion der zivilen Düsenflugzeugtypen 707 und 747 etablierten Boeing in den sechziger und siebziger Jahren als dominanten Hersteller auf dem Markt für Passagierflugzeuge. Infolge der Terroranschläge von New York 2001 und der Finanzkrise 2008/2009 kam es zu tiefgreifenden Umstrukturierungen. Der Firmensitz wurde auch aus Kostengründen nach Chicago verlegt. Trotzdem hat der Kostendruck in dem Konzern mit 141.000 Mitarbeitern sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich zugenommen, so dass es bei Neuproduktionen vor allem um die Wirtschaftlichkeit von Flugzeugen, Hubschraubern und Schiffen geht. Erfolg hat der Konzern daher nicht mehr so sehr mit großen Flugzeugen wie der 747, sondern mit Mittelstrecken-Modellen wie der 737 MAX oder der 787. Der jüngste Absturz einer 737 MAX lastete auf dem Aktienkurs aber nur kurz, weil die Ursache nicht in der Konstruktion der Maschine lag.

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Die Bedeutung des zivilen Sektors hat für Boeing in den letzten 15 Jahren deutlich zugenommen. Teilte sich das Geschäftsvolumen damals noch je zur Hälfte mit dem militärischen Bereich auf, trägt der zivile Sektor heute fast zwei Drittel zum Umsatz bei. Vor allem die hohe Nachfrage nach Flugzeugen in Asien und speziell China führte zu der Verschiebung des Umsatzschwerpunktes. Boeing hat deshalb auch mit der Eröffnung eines Produktionsstandortes für das Modell 737 in China reagiert, was dem Unternehmen bei dem aktuellen Handelskonflikt der USA mit China nicht zum Nachtteil gereichen dürfte. Der Umsatz stieg im 3. Fiskalquartal 2018 um 4% auf 25,15 Mrd. USD. Der Auftragsbestand legte um 9 Mrd. USD auf 491 Mrd. USD zu, was eine Auslastung der Produktion für die nächsten 5 Jahre bedeutet. Der Nettogewinn legte um 31 % auf 2,4 Mrd. USD zu. Im militärischen Sektor und der Servicesparte verbuchte das Unternehmen Umsatzzuwächse von 13 bzw. 14%, der Ausblick für das Gesamtjahr wurde daher bei Umsatz und Gewinn leicht angehoben. Die durchschnittliche Schätzung der Analysten erwartet bis 2022 ein jährliches Umsatzplus von 6 bis 7 % und ein Zuwachs beim Ergebnis je Aktie von 16 bis 20 %. Das 2019er KGV von 19,6 lässt angesichts der hohen Wachstumsfantasie daher durchaus noch Spielraum bei der Aktie nach oben.
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