Anlegen am Aktienmarkt: Die Lücke zwischen Wissen und Umsetzung

Kommentare Simon Betschinger 1.373 Leser
Liebe Leser,

nirgendwo klafft eine so große Lücke zwischen Wissen und Umsetzung wie an der Börse. Die meisten Anleger, die an der Börse investieren, kennen mittlerweile die Börsengeschichte und die Rendite, die von einer Aktienanlage zu erwarten ist. Die meisten Anleger wissen auch, dass es an den Aktienmärkten regelmäßig zu heftigen Einbrüchen kommt. Das war schon immer so. Wer langfristig in den Aktienmarkt investiert, wird zwangsläufig irgendwann eine 50 %-Korrektur seines Portfolios erleben.

Die Geschichte der Aktienmärkte lässt sich mit folgenden Kennzahlen gut beschreiben.

a) Ein durchschnittlicher Bullenmarkt geht 9,1 Jahre und bringt Kursgewinne von 480 %.

b) Ein durchschnittlicher Bärenmarkt dauert nur 1,4 Jahre und bringt Kursverluste von -41 %.

c) Wer langfristig in den S&P 500 investiert, verdient etwa 10 % pro Jahr.

Bei einer nüchternen Betrachtung dieser Zahlen denkt man sich: Kein Problem, klare Sache. Ich lasse mich auf das Abenteuer Börse ein. Mit der Gelassenheit ist es dann meistens aber schnell vorbei, wenn der erste Bärenmarkt dann wirklich vor der Tür steht. Auf einmal wirkt die Theorie so wirklichkeitsfremd und die Praxis so grausam.

Wenn man aus der Vogelperspektive auf die Börsenentwicklung der letzten 100 Jahre zurückschaut, zeigen alle Trends nach oben und dann vergisst man nur allzu leicht, dass in jeder großen Krise eine  rational greifbare Angst vor dem Zusammenbruch des gesamten Systems dominiert. Der bevorstehende Zusammenbruch ist in Krisen keine abstrakte Szenariorechnung mehr, sondern auf einmal die gefühlte Wirklichkeit.

Während der Finanzkrise 2008 wurden Ängste laut, dass das gesamte Banken- und Geldsystem kollabieren würde. Aktuell im Jahr 2018 wird wieder über einen möglichen Staatsbankrott von Italien spekuliert. Das Risiko besteht, so lauten die Krisenszenarien, dass Italien die 2,2 Billionen Euro Staatsschulden nicht mehr wird zurückzahlen können. Je stärker die Aktienkurse fallen, desto bedrohlicher wird die hohe Staatsverschuldung.

Auf einmal wird aus der grauen Theorie des „Investieren am Aktienmarkt“ eine enorme emotionale Belastung. Zweifel kommen auf, ob es in der Zukunft genau so laufen wird in den letzten 100 Jahren. Warren Buffett sagt dazu, dass Investoren ein unerschütterliches Vertrauen in das Funktionieren der Marktwirtschaft mitbringen müssen. Wer dieses Vertrauen nicht hat, wird in einer Krise entnervt das Handtuch werfen.

Wir bei TraderFox vermitteln als Philosophie, dass sich Börsianer klar entscheiden müssen, ob sie mit einem Depot als Trader oder als Investor agieren. In den TraderFox Trading-Sektionen führen wir 2 Trading-Depots. Dort halten wir hohe Cashbestände. Im aktien-Magazin führen wir ein Realgeld-Investmentdepot, in dem wir in Firmen investieren. Zwischen diesen beiden Hauptdisziplinen der Börse sollte jeder Börsianer klar trennen.

Viele Grüße
Simon Betschinger

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Burggraben ist ein Begriff, der von Warren Buffett geprägt wurde, um damit den Wettbewerbsvorteil eines einzelnen Unternehmens im kapitalistischen Konkurrenzprozess zu beschreiben. Ein Firma mit einem Burggraben ist vor Konkurrenz gut geschützt, ähnlich wie früher eine Burg mit mit tiefem und breitem Burggraben von Angreifern nur schwer zu erobern war.

In dieser Ausgabe des aktien Magazins stellen wir vier interessante Firmen vor, die aus unserer Sicht über deutliche Wettbewerbsvorteile verfügen.

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