Börse ist auf Rekordhoch - ja und!

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Von Tim Schäfer

Ständig fragen mich Leute, ob es jetzt noch Sinn macht, Aktien zu kaufen. Ich antworte dann, dass das Timing kaum perfekt möglich ist. Ich rate noch immer zum Aktien- bzw. ETF-Kauf - selbst auf dem hohen Niveau.

Ideal wäre es, wenn wir genau wüssten, wann die Spitze erreicht ist und die Korrektur beginnt. Nur ist das nicht möglich. Nobelpreisgewinner Robert Shiller hat das CAPE-Ratio entwickelt. Es soll helfen, zu zeigen, wann die Börse überbewertet ist. Das CAPE signalisiert derzeit, dass Aktien nur 1929 und Ende der 1990er Jahre teurer waren. Diese Phasen mündeten jeweils in einem Crash.

Droht jetzt ein Crash? Das weiß niemand. Es wäre reines Rätselraten. Im Nachhinein sind wir natürlich alle schlauer. Ich investiere langfristig. Extrem langfristig. Ich bleibe 25, 30, 40 Jahre investiert. Eine kräftige Korrektur oder Crash ist im Prinzip gar nicht so dramatisch, wenn sich Anleger in der Ansparphase befinden. Dann kann man weiter munter Aktien oder ETFs zukaufen, wenn die Kurse beben. Es wäre im Prinzip ein Geschenk. Insofern verstehe ich die Angst nicht.

Wo kommen eigentlich steigende Kurse her? Es gibt nur zwei Gründe: Entweder steigende Profite oder höhere Bewertungen. Die Gewinnmargen sind derzeit hoch. Steigende Profite sind nicht ausgeschlossen. Wir haben viele Monopole. Die FAANG-Aktien sind typische Beispiele für Burggraben-Aktien, die so schnell kein Konkurrent einholen kann. FAANG steht für Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google.

Neben der Technologie zeichnen sich in anderen Branchen Monopole ab. Airlines, Chemie, Pharma, Kabelfirmen, Telekoms, Banken, Krankenversicherungen, Internet etc. Es zeichnet sich eine wachsende Konzentration ab. In den Zyklen fallen die Margen nicht zurück. Die Profite bleiben hoch, was gut für die Börsenkurse ist.

Ja, Aktien sind teuer. Aber die Alternativen lohnen sich kaum. Anleihen, Bargeld, Festgeld, Bausparen bringt kaum Zinsen.
Ich glaube, dass stetiges Aktiensparen einfach die beste Lösung ist. Jeden Monat stur und stetig zu sparen ist weise. In guten wie in schlechten Zeiten.

Ansonsten rate ich, vernünftig mit Geld umzugehen. Menschen leben wie Sklaven. Sie kämpfen sich jeden Tag mit Ach und Krach durch den Tag. Sie haben nicht die mentale Stabilität, um Rücklagen zu bilden. Ganz zu schweigen von der finanziellen Freiheit. Es mangelt an der Verantwortung. Es mangelt an Stabilität.

Millionen Menschen denken in erster Linie an neue Kleidung, Urlaub, Möbel, Autos, Umziehen in schönere vier Wände. Das Sparen und Investieren spielt keine Rolle. Manche stapeln tausende EUR Schulden für den Konsum auf. Sie müssen sich wie Sklaven fühlen. Allein der Schuldendienst muss eine ständige mentale Belastung sein.

Warte also nicht mit dem Sparen ab. Schiebe es nicht auf. Fang sofort an. Tilge Schulden. Baue ein komfortables Depotpolster auf. Wenn es sein muss, nimmst Du einen Nebenjob auf. So kannst Du schneller voran kommen. Ebenfalls würde ich Dir raten, auf Deine Gesundheit zu achten. Achte auf ausreichend Bewegung bzw. Sport.

Um die Finanzen in Ordnung zu bringen, finde ich es vertretbar, einen anvisierten Traumurlaub aufzuschieben. Warum? Das Eigenheim schneller zu tilgen, kann die bessere Entscheidung sein. In ein paar Jahren kannst Du dann Deinen Traumurlaub nachholen und fühlst Dich umso besser. Wie können nur Verbraucher auf ein Luxusschiff, wenn sie zur gleichen Zeit enorme Konsumschulden aufgetürmt haben? Es ist unverantwortlich, wie sich Konsumenten verhalten. Grauenhaft. Und es wird sich eines Tages rächen.

Hast Du zwei Autos, brauchst aber nicht beide, verkaufst Du eins. Manches macht sicherlich keinen Spaß auf den ersten Blick: Nebenjob, Traumurlaub aufschieben, Auto verkaufen, ÖPNV nutzen… Aber Du kannst später die Früchte ernten. Es sind eben heute Entbehrungen nötig, um später davon profitieren zu können.

Ich lebe bodenständig. Ich lebte lange Zeit im Studentenwohnheim und in WGs. Ich hab seit einer Dekade kein Auto mehr. Ich hab keinen TV. Ich lebe auf einer kleinen Wohnfläche. Restaurantbesuche spielen keine große Rolle. Ebenso wenig mag ich Bars. Oder anderer teurer Schnickschnack begeistert mich nicht. Ich weiß, ein Buch zu lesen ist wertvoller als ins Kino zu gehen. Etwas zu lernen ist großartig. Auf teure Kleidung lege ich gar keinen Wert.

Extra für Kleidung zu bezahlen ist aus einer Zeit, als die Kleidungshersteller Preise hatten, die deren Qualität reflektierten. Dies ist jetzt nicht mehr so klar. Jedes Unternehmen lagert die Produktion aus. Du zahlst heute für die Marke, nicht für die Qualität.

Als ein Großschneider in Indien kollabierte, nannten Medien alle Firmen, die dort Kleidung hergestellt haben. Einige große Marken und einige Low-Budget-Modehersteller waren darunter. Im Prinzip machten sie die gleiche Kleidung mit unterschiedlichen Logos. Und Preisen. Es ist Augenwischerei. Teure Kleidung ist in meinen Augen oft nur ein Statussymbol. Es dient zuweilen Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl.

Den finanziellen Frieden zu erreichen ist etwas Großartiges. Ich verstehe nicht, warum sich Menschen ständig selbst das Bein stellen. Ein typisches Beispiel ist die Hochzeit, die sich Paare 60.000 EUR kosten lassen. Hinzu kommt der Honeymoon, der mit 15.000 EUR ins Konto schlägt. Wenn es dann darum geht, ein Haus zu kaufen, fehlt das Geld. Anstatt ein rauschendes Fest zu feiern, nehm das Geld doch lieber für eine Immobilien-Anzahlung. Du wirst bestimmt das nicht in 10 oder 20 Jahren bereuen. Es ist einfach eine weise Entscheidung. Es gibt Dir einen guten finanziellen Start in die Ehe.

Wenn Du nicht frühzeitig lernst, wie Du umsichtig mit Geld umgehst, betreibst Du einen Raubbau an Deinem Leben. Deinem späteren Leben. Das heißt nämlich im Umkehrschluss: Du musst lange arbeiten, bis Du Dir den Ruhestand leisten kannst.

Fehler zu machen ist in Ordnung. Es geht darum, wieder aufzustehen und von den Fehlern zu lernen. Je früher Du in Deinem Leben mit dem Investieren anfängst, desto einfacher hast Du es in Deinem Leben. Jugendliche sollten den Umgang mit Geld in der Schule lernen. Es wäre eine Lehre fürs Leben.

Am Ende des Tages geht es darum, Deiner inneren Stimme zu folgen. Mach das, was Dir ans Herz gewachsen ist. Spar. Studier Dein Traumfach. Such Dir einen Job, der Dir Spass macht. Vielleicht ist das Programmieren Deine Passion. Streng Dich an. Schreib ein Buch. Hilf anderen. Bau ein Haus (wenn es Dein Traum ist). Mach das, was Du an den Wochenenden machst, jeden Tag.

Mir war es immer wichtig, finanziell stark zu sein, weil ich arm aufgewachsen bin. Heute bin ich finanziell frei. Es ist gar nicht so schwer, wenn man sich darum kümmert. Je mehr Du Dich mit einem Thema beschäftigst, desto besser wirst Du in dem Themenfeld. Es geht im Prinzip bei der finanziellen Freiheit nur darum, die richtige Einstellung zu haben. Es geht darum, unnötigen Konsum zu vermeiden. Zufrieden und bodenständig zu sein sollte das Oberziel sein.

Kürzlich war in den USA der Schnäppchentag Black Friday. Anstatt in Einkaufszentren zu rennen, um Sonderangeboten nachzujagen, verbrachte sich lieber die Zeit im Grünen mit der Großfamilie.

Viele Grüße
Ihr Tim Schäfer

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