Das sind zwei der trendstärksten Aktien aus der Global Trend Following-Liste USA 1000

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Steigende Zinsen sind für sich genommen mittelfristig keine gute Medizin für die Aktienmärkte. Das hat der aggressive Zinserhöhungszyklus der FED im vergangenen Jahr gezeigt. Umso erfreuter waren die Anleger an den Aktienbörsen, als Notenbankchef Jeremy Powell den Kurs im Dezember wieder änderte und langsameres Vorgehen bei der Normalisierung der Geldpolitik versprach. Die Rallye vor allem bei den Technologiewerten in den vergangenen 3 Monaten durfte er sich da durchaus auf die Fahnen heften. In der vergangenen Woche nun setzte die FED noch einen drauf und kündigte an, 2019 ganz auf Zinserhöhungen verzichten zu wollen sowie 2020 maximal einen Zinsschritt vorzunehmen. Die Reaktion der Märkte war allerdings nicht ein erneutes Feuerwerk bei den Aktienkursen, sondern eher ein hin und her schaukeln, woraus sich eine gewisse Unsicherheit ableiten lässt. Denn die Notenbanker erwarten mit 2,1 % und 1,9 % in 2020 ein deutlich niedrigeres BIP-Wachstum und eine leicht steigende Arbeitslosigkeit. Und somit wäre ein geringeres Wachstum auch in den künftigen Prognosen der Unternehmen zu sehen sein. Nun wird also mit Spannung der Beginn der nächsten Quartalberichtssaison Mitte April erwartet, um wieder mehr Klarheit über den Zustand der US-Wirtschaft zu bekommen. Zudem dürfte sich dann auch langsam ein Ergebnis beim chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt abzeichnen. Für die Technologieaktien könnte dies nach einer kurzen Atempause einen weiteren Kursschub bedeuten. Die zwei folgenden Werte aus unserer Global Trend Following-Liste USA 1000 sollten dann ihre aktuelle Trendstärke unter Beweis stellen.

(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

Service Now (3-Jahres-Trendstabilität 21,58)

Das kalifornische Unternehmen Service Now gehört zu der Generation von IT-Dienstleistern, die ihren Einstieg in die Branche und das starke Wachstum innerhalb weniger Jahre über das sogenannte „Cloud-Computing“ erreicht haben. Im Kern wird den Kunden dabei die gesamte Auslagerung ihrer gesamten IT- Infrastruktur angeboten, wobei der Fokus, anders als bei SAP oder Oracle, auf die Verwaltung und Sicherung ihrer Datenmengen liegt. Ein Großteil der Gründer dieser Unternehmen entstammt häufig aus den etablierten Playern am Markt. Bei Service Now, das 2004 in San Diego unter dem Namen Glidesoft gegründet wurde, war das nicht so, denn Gründer Fred Luddy arbeitete zuvor eher für ein kleineres Softwarehaus. Der Fokus lag damals auf der Produktion von spezieller Unternehmenssoftware, doch mit dem explosiven Wachstum der Datenmengen konzentrierten sich die anfangs 275 Mitarbeiter auf die Schaffung eines kompletten Serviceprogramms für große und mittlere Unternehmen. Neben der externen Datenspeicherung- und Verwaltung gehörten dazu die technische Managementunterstützung (Asset- und Lizenzmanagement) sowie die Administration für die IT-Abläufe. 2007 verlegte man den Firmensitz auch aus Gründen der Expansion nach Santa Clara, Kalifornien. Heute offeriert Service Now eine intuitive IT-Management-Plattform zur Verwaltung und Automatisierung von Geschäftsprozessen. Bei der Swiss Re ersetzte man beispielsweise 20 Management-Tools durch ein einziges Tool, wodurch die Kosten deutlich reduziert wurden Einen Großteil der mittlerweile mehr als 5400 Kunden betreut der Konzern mit knapp 8800 Mitarbeitern in den USA (Umsatzanteil 66 %), Europa (25 %) und Asien (9 %). Bekannte Namen wie Siemens, NXP Semiconductor, RBS, Astra Zeneca, die NASA, Staples oder auch die Allianz gehören zum Kundenkreis des Konzerns. Darüber hinaus verspricht man sich im Bereich Datenanalyse weitere deutliche Zuwächse über die eigene Plattform.

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Nach dem US-Börsengang 2012 ging es beim Aktienkurs wie bei der Wachstumsbilanz beeindruckend deutlich nach oben. Nicht von ungefähr bezeichnet man sich selber als der am schnellsten wachsende IT-Dienstleister in der Welt. Seit 2014 lag das durchschnittliche Umsatzwachstum bei 39,2 %, die Verluste betrugen dafür im Schnitt pro Jahr aber noch 243,3 Mio. USD. Allerdings zeigt die Tendenz erwartungsgemäß deutlich nach unten und in Richtung Gewinnschwelle. Im Geschäftsjahr 2018 konnte der Verlust auf 26,7 Mio. USD reduziert werden (2017: 116,8 Mio. USD). Der Umsatz legte um 35 % auf einen neuen Rekordwert von 2,6 Mrd. USD zu. Mit 58 % Umsatzanteil dominierte die IT-Sparte die Erlösseite, doch konnte der Beratungs- und Servicebereich seinen Anteil um 5 Prozentpunkte auf 31 % ausweiten. Dies dürfte dazu beitragen, die Gewinnschwelle rascher zu erreichen, weil dieser Sektor für das Unternehmen weniger kostenintensiv, dafür aber umso ertragreicher erscheint. Die Durchschnittsschätzung der Analysten rechnet bis 2023 mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 26 % und einem jährlichen Gewinnwachstum 24 und 25 %. Die 2019/20er KGV von 79,1 und 57,6 sind zwar branchenüblich hoch, aber noch im Rahmen.

MSCI Inc. (3-Jahres-Trendstabilität 21,29)

Bis zum Ende der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war die Welt der Aktienindizes noch recht übersichtlich. Selbst im Eldorado für Kapitalmarkt- und Aktienfans, USA, begnügte man sich mit wenigen Messlatten wie dem Dow Jones, dem Dow Transport-Index oder dem S&P 500, den erst seit 1957 berechnet wurde. Mit dem Siegeszug des Computers nahm aber nicht nur der Aktienhandel in den 70er und 80er Jahren deutlich zu, auch die Einteilung von Aktien verschiedener Branchen in eigene Indizes und der Bedarf an der Schaffung neuer Benchmarks für die wachsende Zahl an Investmentmanagern resultierte daraus. Die Gründung des US-Finanzdienstleister MSCI fiel in diesen Zeitraum, zunächst mit der Veröffentlichung erster globaler Aktienindizes durch die Vorläufergesellschaft Capital International. Die Investmentbank Morgan Stanley veröffentlichte 1986 die ersten CI-Indizes und gründete 1998 zusammen mit CI dann den Finanzdienstleister MSCI. Seit 2007 ist das Unternehmen börsennotiert, 2009 trennte sich Morgan Stanley von seinen Anteilen. Kerngeschäft von MSCI sind ist die Berechnung und Pflege der MSCI-Produktfamilie, über die man Lizenzeinnahmen erzielt. Bekannteste Produkte sind der MSCI World und der MSCI Emerging Markets. Darüber hinaus macht sich das in New York ansässige Unternehmen sind zwei wichtige Trends auf dem Kapitalmarkt zunutze. Einerseits nimmt die Anzahl der großen Assetmanager zu, da diese aufgrund ihrer Größe Produkte für verschiedenste Anlageklassen und Strategien anbieten müssen. Zum zweiten besteht ein Trend hin zu kostengünstigeren und Rendite versprechenden Produkten und die höhere Volatilität erfordert zudem ein Mehraufwand für Risiko- und Portfolioanalysen.

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Bestätigt wird diese Strategie durch die Wachstumszahlen des Finanzdienstleisters über die vergangenen fünf Jahre. Das durchschnittliche, jährliche Umsatzwachstum lag bei 11 %, das Gewinnwachstum im gleichen Zeitraum bei durchschnittlich 28 %. Die operative Marge erreichte einen Wert von 22 %. Im Gesamtjahr 2018 nahm der Aufwärtstrend noch an Dynamik zu. Der Umsatz stieg um 12 % auf 1,43 Mrd. USD, der Nettogewinn legte um 67,5 % auf 507,9 Mio. USD zu. Vor allem der Bereich der ETF-Produkte, die rund einen Drittel der Gesamterträge ausmachen, legten die Einnahmen um 12,6 % auf 9,1 Mio. USD überdurchschnittlich zu. MSCI geht davon aus, dass die Vermögensverwalter auch 2019 die Nachfrage in dieser Produktkategorie weiter nach oben treiben werden. Die durchschnittliche Schätzung der Analysten erwartet bis 2023 ein jährliches Umsatzplus von 8 bis 9 % und ein Zuwachs beim Ergebnis je Aktie von 11,5 %. Das 2019er KGV von 32, das 2020 auf 27,6 sinkt, ist durchaus anspruchsvoll und somit momentan kein Schnäppchen mehr. Mittelfristig bleiben die Aussichten für MSCI aber weiter positiv, vor allem vor dem Hintergrund stärkerer Schwankungen an den Aktienmärkten.
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