DAX, MDAX und TecDAX im Commerzbank-Charttechnik-Härtetest: Welcher deutsche Auswahlindex der Favorit im zweiten Halbjahr ist

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Die führenden deutschen Aktienindizes haben sich im ersten Halbjahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Sachen Performance geliefert. Am Ende hatte der MDAX mit plus 18,06 % die Nase vorne. Der DAX folgte mit einem Zuwachs von 17,19 % auf dem zweiten Platz und der TecDAX kam auf plus 16,68 %.

Nach der technischen Zwischenbaisse mit zwischenzeitlich mehr als 20,0% Kursrückgang im Jahr 2018 befinden sich DAX, MDAX und TecDAX seit dem Jahreswechsel 2018/2019 laut Commerzbank wieder in technischen Aufwärtsbewegungen. Mit Blick auf das zweite Halbjahr 2019 signalisiert die technische Gesamtlage für die deutschen Auswahlindizes nach Einschätzung des Teams um Charttechnik-Chef Achim Matzke moderat weiter steigende Notierungen, jedoch mit einem deutlich geringeren Aufwärtsmomentum als in den ersten Monaten des Jahres 2019.

In einer aktuellen Studie gehen die Experten zudem der Frage nach, welchen der 3 genannten Indizes angesichts der aktuellen charttechnischen Ausgangslage im zweiten Halbjahr 2019 die beste Performance zuzutrauen ist.

DAX: Die Klettertour geht weiter

Der DAX war in den Jahren 2017/2018 oberhalb des gestaffelten Supports (11.700 bis 11.800 Punkte) in eine Seitwärtspendelbewegung hineingelaufen, welche die Form einer Kopf-Schulter-Verkaufsformation aufwies. Im Oktober 2018 war der Index, der sich bereits unterhalb der leicht fallenden 200-Tage-Linie festgesetzt hatte, dann mit einem Verkaufssignal aus dieser Formation herausgefallen, so Matzke.

Parallel dazu wurde auch der seit dem März 2009 bestehende, zentrale Hausse-Trend verlassen, wie Matzke erklärt, der im aktuellen Thomson Reuters Extel Surveys den 2. Platz unter den besten Analysten des Jahres für deutsche Aktien belegt. Der sich ergebende Baisse-Trend führte den DAX bis auf 10.279 Zähler, so dass sich vor dem Hintergrund der überverkauften Lage direkt an der alten, aus den Jahren 2014 bis 2016 vorliegenden, gestaffelten Support-Zone ab 10.190 Punkten das Zwischenbaisse-Low ergab.

Seit Ende Dezember 2018 ist der DAX nach oben umgeschlagen und hatte nach der Anlayse von Matzke ein Recovery etabliert. Hierbei war das Recovery-Momentum im ersten Quartal 2019 vergleichbar ausgeprägt wie das vorherige Baisse-Momentum im vierten Quartal 2018. Mit dem Sprung über die alte Resistance (11.700 bis 11.800 Punkte) und über die 200-Tage-Linie ergaben sich ein weiteres Kaufsignal und danach neue DAX-Tops um 12.435 Zähler.

Nach einer Aufwärtsbewegung von über 2.200 Punkten seit Ende Dezember 2018 hat sich eine überkaufte Lage ergeben, so dass es laut Matzke nicht überrascht, dass der DAX mit Trading-Take-Profit-Signalen in eine normale, mittelfristige, technische Konsolidierung (Trading-Range: Support-Zone um 11.600 Punkte (im Umfeld der 200-Tage-Linie); Resistance-Zone um 12435 Zähler) hineingelaufen ist.

Diese Konsolidierung hat bisher laut Matzke einen trendbestätigenden Charakter (nach oben). Deshalb sollte es nicht überraschen, wenn sich der DAX im zweiten Halbjahr 2019 nach oben in Richtung des gestaffelten Resistances (12.950 bis 13.200 Zähler) absetzt. Seit März 2018 liegt für Matzke im DAX eine moderate, relative Stärke gegenüber dem MDAX und eine moderate, relative Schwäche gegenüber dem TecDAX vor. Die technische Gesamtlage signalisiert, dass diese im zweiten Halbjahr 2019 jeweils anhält.

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MDAX: Mittelfristige, relative Schwäche im Indexvergleich

Der MDAX war im vierten Quartal 2018 aus dem Bilderbuch-Hausse-Trend (November 2012 bis September 2018; Kursanstieg: 10960 bis 27526) und aus der Trading-Top-Formation (mittelfristiges Aufwärtsdreieck; Resistance um 27526) mit einem übergeordneten Take-Profit-Signal herausgefallen. Wobei sich die Marktbreite, also die isolierte technische Lage der Index-Mitglieder, wie Matzke es formuliert, bereits vorher eingetrübt hatte.

Als technische Konsequenz ergab sich eine Zwischenbaisse mit einem Low bei 21.160 Punkten (Umfeld der Support-Zone aus den Jahren 2015 bis 2017). Hier schlug der Index nach oben um und etablierte einen Recovery-Trend inklusive Sprung über die 200-Tage-Linie. Dieses Recovery ist aktuell laut Matzke in eine Konsolidierung um 25.500 Zähler hineingelaufen, wobei auch diese einen trendbestätigenden Charakter (nach oben) aufweist.

Zwar signalisiert dies für Matzke für die zweite Jahreshälfte 2019 ebenfalls moderat steigende Notierungen, jedoch sorgt unter anderem die Index-Zusammensetzung (im MDAX 60 ist der Bereich Industrials mit rund 25 % und der Bereich Chemie mit rund 11 % vertreten) seit März 2019 für eine relative Schwäche gegenüber DAX und TecDAX. Diese moderate relative Schwäche sollte sich in den kommenden Monaten fortsetzen.

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TecDAX: Auf dem Weg zu den Hausse-Tops

Der TecDAX hat in diesem technischen Hausse-Zyklus seit Anfang 2009 über 580% zugelegt und damit den MDAX (bisher +510%) und den DAX (bisher +227%) deutlich geschlagen. Diese langfristige relative Stärke hat sich jedoch erst seit dem Jahreswechsel 2012/2013 herausgebildet.

Während der technischen Zwischenbaisse besonders im vierten Quartal 2018 war der TecDAX etwas mehr unter Druck und damit in einer moderaten mittelfristigen relativen Schwäche zum DAX und MDAX. Seit März 2019 ist die Lage aber wieder umgeschlagen. Der Recovery-Trend (seit Dezember 2018; Start bei 2375) hatte zuletzt eine etwas höhere Aufwärtsdynamik im Index-Vergleich.

Auch die laufende Konsolidierung (unterhalb des Resistance um 2922) hat für Matzke eine stabile technische Qualität und deutet für das zweite Halbjahr 2019 weiter steigende Notierungen an. Hierbei sollte ein Test des Resistance um 3050 (bisheriges Hausse-Top aus dem September 2018) anstehen. Die technische Gesamtlage deutet an, dass der TecDAX seine zuletzt aufgetretene relative Stärke im innerdeutschen Index-Vergleich im zweiten Halbjahr 2019 durchhalten wird.

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Tip:
Dieser Index war im letzten Monat der Index mit der größten relativen Stärke.
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