Die Performancebilanz in 2018 zeigt, wie viel, oder besser gesagt wie wenig, Analysteneinschätzungen oft wert sind

Kommentare aktien Magazin 264 Leser
Wenn Analysten ihre Anlageurteile abgeben, dann finden sie damit nicht nur Gehör bei vielen Anlegern, sondern oft schlagen die Kurse der betroffenen Aktien zumindest kurzfristig betrachtet in jene Richtung aus, die von den Analysten in ihren Bericht vorgegeben ist. Das heißt, bei einer Kaufempfehlung mit einem hohen Kursziel steigt ein Titel in Richtung dieses Kursziels und umgekehrt fällt ein Wert in Richtung des genannten Kursziels bei einer Verkaufsempfehlung.

In der Vergangenheit haben Studien aber oft gezeigt, dass es sich damit nur um einen kurzfristigen Effekt handelt. Denn häufig ist es über einen längeren Zeitraum hinweg gesehen sogar eher so, dass Analysteneinschätzungen eher als eine Art Kontraindikator taugen. In diese Richtung geht auch das Ergebnis einer Untersuchung des US-Finanzdienstleisters Factset zur Performancebilanz der von Analysten Ende 2017 abgegeben Anlageurteile bei Einzelaktien. Denn zum Stichtag 13. Dezember 2018 war es so, dass sich ausgerechnet jene S&P 500 Unternehmen mit dem niedrigsten Anteil an Kaufratings Ende 2017 in diesem Jahr als Top-Performer erwiesen haben.

Konkret war es laut Factset Ende 2017 so, dass es 11.147 Anlageurteile für Aktien aus dem S&P 500 Index gab. Von diesen 11.147 Ratings waren 49,5 % Kauf-Ratings, 45,3 % Halteempfehlungen und 5,2 % Verkaufs-Ratings.

Zur Performance-Analyse hat FactSet die Aktien, die sich am 31. Dezember 2017 im S&P 500 befanden, in fünf gleich große Gruppen (Quintile) unterteilt, basierend auf dem Prozentsatz der Kauf-Ratings zum Stichtag vom 31. Dezember 2017. Die 20 % der S&P 500 Unternehmen mit dem höchsten Anteil an Buy-Ratings wurden der ersten Gruppe (Quintile 1) zugewiesen. Die 20 % der S&P 500 Unternehmen mit dem nächsthöheren Prozentsatz an Buy-Ratings kamen in die zweite Gruppe (Quintile 2). Die 20% der S&P 500 Unternehmen mit dem niedrigsten Prozentsatz an Buy-Ratings wurden in die letzten Gruppe (Quintile 5) aufgenommen. Der durchschnittliche Prozentsatz an Kaufurteilen für eine Aktie im fünften Quintil betrug beispielsweise 16,7 %, während sich der Median-Anteil der Kaufempfehlungen für eine Aktie im fünften Quintil auf 17,6 % belief.

sp1

Quelle: Factset

FactSet betrachtete dann den durchschnittlichen Total Return und den Median Total Return für jede Gruppe vom 31. Dezember 2017 bis zum 13. Dezember 2018, um die Performance zu messen. Für Unternehmen, die am 13. Dezember nicht mehr öffentlich gehandelt wurden, wurde bei der Analyse, sofern vorhanden, der letzte verfügbare Handelspreis herangezogen.

Das Ergebnis sah dann wie folgt aus (siehe auch Grafik unten): Das Quintil mit den 20 % der S&P 500 Aktien mit dem niedrigsten Prozentsatz an Kauf-Ratings (Quintil 5) zu Beginn des Jahres verzeichnete die höchste durchschnittliche Gesamtrendite (+3,6 %) und die beste Median-Performance (+4,3 %) der fünf Quintile. Tatsächlich ist dieses Quintil sogar das einzige Quintil, das in diesem Zeitraum eine positive durchschnittliche Gesamtrendite und eine positive Median-Gesamtrendite aufweisen kann. Die restlichen vier Quintile haben alle seit Jahresbeginn negative Durchschnitts- und Medianrenditen verbucht. Der durchschnittliche Prozentsatz an Kaufurteilen für eine Aktie im fünften Quintil betrug 16,7 %, während sich der Median-Anteil der Kaufempfehlungen für eine Aktie im fünften Quintil auf 17,6 % belief.

sp2

Quelle: Factset

Von den Aktien aus Quintil 5 war TripAdvisor der bisher beste Performer. Kursanstieg und Gesamtrendite beliefen sich hier vom 31. Dezember 2017 bis zum 13. Dezember 2018 auf 78,1 %. Dabei waren am 31. Dezember 2017 nur 2 der 26 Anlageurteile (8 %) zu diesem Wert Kaufempfehlungen. Weitere Top-Performer im Quintil 5 sind Chipotle Mexican Grille, McCormick & Company, Under Armour und Macy's.

Das Quintil mit den 20 % jener S&P 500 Aktien mit dem höchsten Anteil an Buy-Ratings (Quintil 1) zum Ende des Vorjahres verzeichnete interessanterweise die niedrigste durchschnittliche Gesamtrendite (-3,6 %) und die niedrigste Median-Gesamtrendite (-6,0 %) von allen 5 Quintilen. Dabei gab es am 31. Dezember 2017 für die Aktien aus dieser Gruppe im Schnitt 77,3 % Kaufempfehlungen und im Median sogar 75,0 %.

Von den Aktien aus dieser Gruppe weist Mohawk Industries die bisher schlechteste Performance auf. Der Kursanstieg und die Gesamtperformance von Mohawk Industries belief sich vom 31. Dezember 2017 bis zum 13. Dezember 2018 auf -57,2%. Dabei gab es am 31. Dezember 2017 insgesamt 18 Kaufempfehlungen unter 23 Einschätzungen (77%). Schlecht schnitten in diesem Quintil auch Western Digital, Halliburton, Kraft Heinz und Applied Materials ab.

Vor dem Hintergrund dieses Ergebnisses ist es natürlich interessant einen Blick auf die beiden nachfolgenden Tabellen zu werfen. Denn diese zeigen jene 10 Aktien aus dem S&P 500 Index mit den derzeit höchsten Anteilen an Kauf-Ratings sowie jene 10 Werte mit den momentan höchsten Anteilen an Verkaufs-Ratings. Zu beachten ist allerdings, dass es natürlich keine Garantie dafür gibt, dass die Performance in 2019 gemessen an den Quintilen ähnlich aussehen wird wie für 2018.

sp3 sp4

Quelle: Factset
Bildherkunft: Fotolia: #41936195


Ebenfalls interessant