Diesen 3 US-Aktien ist der Aufstieg in den Wide-Moat-Club gelungen

Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz sind für Unternehmen äußerst wertvoll. Denn unter anderem tragen sie dazu bei, Renditen zu erwirtschaften, die über den Kapitalkosten liegen. Außerdem sind sie natürlich grundsätzlich von Belang, wenn es darum geht, die Chancen für den langfristigen Fortbestand einer Gesellschaft zu erhöhen.

Als Folge dieser Erkenntnisse achten auch wir bei der Aktienauswahl darauf, ob wirtschaftliche Schutzgräben gegenüber den Mitbewerbern vorhanden sind oder nicht. In den USA ist in diesem Zusammenhang von so genannten Moats die Rede. Beim US-Finanzdienstleister sind Moats ein sehr wichtiger Teilaspekt bei der Aktienanalyse. Die dortigen Analysten unterscheiden dabei zwischen „narrow Moats“ und „wide Moats“, also zwischen engen und breiten wirtschaftlichen Schutzgräben.

Monatlicher Moat-Service mit Abonnement-Boxen vergleichbar

In einem aktuellen Beitrag widmet sich Morningstar-Produkt-Managerin Susan Dziubinski wieder einmal diesem Thema. Darin verweist sie eingangs zunächst darauf, dass so genannte Abonnement-Boxen, bei denen eine wiederkehrende Lieferung von Nischenprodukten im Rahmen einer Marketingstrategie und eine Methode des Produktvertriebs zu den Konsumenten nach Hause geschickt wird, sich im US-Alltagsleben zuletzt immer mehr durchgesetzt haben. Während diese Angebote früher als Luxus eingestuft worden seien, sagten viele Kunden heutzutage, dass diese automatisierten Lieferungen an die eigene Haustür zu wertvoller Zeitersparnis in ihren geschäftigen Leben beitragen.

So könne sich beispielsweise ein Anhänger der Kaufhaus- und Versandhauskette Nordstrom ein halbes Dutzend Kleidungsstücke und Accessoires nach eigenen Wünschen und passend zum eigenen Budget nach Hause schicken lassen und so zu einer modernen Garderobe kommen, ohne auch nur jemals einen Fuß in ein Geschäft setzen zu müssen. Liefern lassen könne man sich natürlich auch von anderswo Dinge wie Rasiermesser, Schönheitsprodukte und Düfte sowie Fertiggerichte, Snacks, heiße Soßen, Bagels oder Biere.

Ihre eigene Kolumne betrachtet Dziubinski ebenfalls als eine Art Abonnement-Box für Premium-Mitglieder. Denn am ersten Wochenende eines jeden Monats stellt sie Aktienideen basierend auf den Änderungen vor, welche die hauseigenen Analysten bei den Morningstar Economic Moat Ratings oder den Schätzungen zum fairen Wert der Unternehmen vorgenommen haben. Als Premium-Mitglied könne man natürlich auch selbst nach diesen Änderungen suchen, doch wer habe schon die Zeit dafür?

JPMorgan Chase und Bank of America neuerdings mit breiten Schutzgräben

In der aktuellen Ausgabe ihres Berichtes gibt es 5 Änderungen bei der Bewertung der wirtschaftlichen Schutzgräben von Unternehmen. 2 Gesellschaften schafften es dabei einen engen Moat zu ergattern und 3 weitere Gesellschaften verbesserten ihren Status von einem bisher engen Moat auf einen weiten Moat.

Im März überprüfte Morningstar die Wettbewerbsposition der vier großen US-Geschäftsbanken. Als Folge des dabei ermittelten Ergebnisses erhöhten die Analysten die Schutzgrabenbewertungen von JPMorgan Chase (ISIN: US46625H1005, 111,21 USD) und von der Bank of America (ISIN: US0605051046, 30,17 USD) von eng auf weit.


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Analyst Eric Compton sagte zu diesem Schritt folgendes: „Wir halten es für angebracht, einige der Schutzgräben der größten US-Banken hoch zu stufen. Dies basiert auf einem stärkeren, stabileren US-Bankensystem sowie der zunehmenden Bedeutung von Größe und Umfang der Bankgeschäfte."

Compton weist darauf hin, dass die vorhandene Kapitalausstattung im heutigen System höher ist als vor 10 Jahren, und Regulierungen die Möglichkeiten zur Ausführung einiger der riskanteren Bankgeschäfte für Geschäftsbanken beschnitten hat. Darüber hinaus sollte die Technologie es den Großbanken ermöglichen, effizienter und profitabler zu werden.

„Der Übergang vom Verteidigungs- in einen Offensiv-Modus sollte es den größten Banken ermöglichen, sich endlich auf die Maximierung des Wertes ihrer eigenen Franchise-Systeme zu konzentrieren, was weitgehend auf Skalen- und Economies-of-Scope-Vorteilen basiert", fügt Compton hinzu. Sowohl JPMorgan Chase als auch die Bank of America seien gut positioniert, um Cross-Selling zu betreiben, günstige Preiskonditionen anzubieten und in der Lage, die Kosten für die Kundenakquise auf verschiedene Ertragsquellen zu verteilen.

Die Aktien der Bank of America stuft Morningstar derzeit mit 3 von 5 möglichen Sternen ein, der faire Wert beträgt 33,00 USD. Der Titel gilt somit hausintern als unterbewertet. Die Anteilsscheine von JPMorgan Chase seien inzwischen ebenfalls neutral bewertet angesichts eines auf 111 USD bezifferten fairen Wertes, wie auch ein 3-Sterne-Ratung bestätigt.

Auch UnitedHealth verfügt nunmehr über einen weiten „Moat“

Erneut einer Überprüfung in Sachen Schutzgräben unterzog Morningstar auch die Aktien aus der Managed-Care-Branche. Als Resultat gelang dabei der UnitedHealth Group (ISIN: US91324P1021, 223,22 USD) und damit dem größten privaten US-Krankenversicherer der Aufstieg in die Wide-Moat-Liga. Gleichzeitig erhöhte Morningstar auch die Trendbewertung vom Schutzgraben auf stabil und die Schätzung für den fairen Wert von 218 USD auf 300 USD pro Aktie.

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„Wir sind der Meinung, dass UnitedHealth eine breite Grabenbewertung verdient. Ein Urteil, das von den bestehenden Kostenvorteilen und den vorhandenen Netzwerkeffekten der größten bundesweiten privaten Krankenkasse getragen wird", argumentiert Analyst Jake Strole. „Eine konkurrenzlose Größenordnung ermöglicht es dem Unternehmen, sein Versicherungsprodukte zu den niedrigsten Kosten pro Versicherten unter den von uns abgedeckten Unternehmen anzubieten. Das führte in den vergangenen 5 Jahren zu einem so stark Ausbau der Mitglieder wie es sonst keinem Branchenvertreter gelungen ist." Morningstar stuft UnitedHealth mit 4 Sternen und somit als unterbewertet ein.

Cigna und Palo Alto erobern sich ein enges „Moat“-Rating

Die Neubewertung des Managed-Care-Sektors führte auch zu einer Erhöhung der Schutzgrabenbewertung für Cigna (ISIN: US1255231003, 160,60 USD). Während dieser Krankenversicherer bisher keinen Moat aufzuweisen hatte, kommt er jetzt mit einem engen Schutzgraben daher. Auch die Trendeinstufung zum Schutzgraben erhöhte Morningstar auf positiv und mit der Schätzung des fairen Wertes ging es von 160 USD auf 231 USD nach oben. Zurückzuführen sind diese Veränderungen vor allem auf die Wettbewerbsvorteile, welche die Analysten durch die Integration des vollzogenen Kaufs von Express Scripts, einem Anbieter pharmazeutischer Produkte, erwarten.

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„Während wir die Kombination aus medizinischem und pharmazeutischem Produkten für strategisch solide halten und dies auch unsere positive Trendbewertung untermauert, wird eine erfolgreiche Umsetzung bei der Aufgabe, Express Scripts zu integrieren, künftig entscheidend sein bei der Frage, ob die Aktie eine Outperformance erzielen kann", sagt Strole. Die Anteilsscheine von Cigna hat Morningstar derzeit mit 4 Sternen versehen.

Die fünfte und letzte beschlossene Anpassung der Schutzgrabenbewertung erfolgte bei dem führenden Cyber-Security-Dienstleister Palo Alto Networks (ISIN: US6974351057, 244,66 USD). Während das Unternehmen bisher noch keinen Schutzgraben zugebilligt bekommen hatte, ist neuerdings von einem engen Moat die Rede. Die Trendeinschätzung zum Schutzgraben bleibt zudem positiv und mit dem fairen Wert ging es von 217 USD auf 305 USD nach oben.

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„Durch den Weg an die Spitze des Firewall-Marktes ist es bei Palo Alto Networks so, dass es Wechsel des Anbieters durch die Kunden erhebliche Kosten verursacht ", erklärt Analyst Mark Cash. „Wir sind der Meinung, dass Palo Alto dabei ist, seine Abonnements zu erweitern, um auch Sicherheitsbedenken rund um die Hybrid-Cloud mit Themen wie Analytik, automatisierten Risikohinweisen und maschinellem Lernen abzudecken. Dabei handelt es sich um Wachstumskatalysatoren, die das starke Firewall-Angebot ergänzen. Wir gehen davon aus, dass damit im Laufe des kommenden Jahrzehnts ein erheblicher operativer Leverage erzielt werden kann, da wiederkehrende Abonnement- und Support-Einnahmen aus dem umfangreichen Kundenstamm resultieren dürften." Bei einem 4-Sterne-Rating hält Morningstar Palo Alto Networks für unterbewertet.
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