Dividendenjäger aufgepasst: Bei diesen europäischen Aktien sind die Ausschüttungen gefährdet

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Die Renditen, die verzinsliche Papiere abwerfen, sind zuletzt wieder spürbar gesunken. Das gilt auch für die Zahl jener Papiere, die sogar mit einer Negativverzinsung daherkommen. Vor diesem Hintergrund ist natürlich das Wehklagen groß unter den Sparern. Bekommen sie doch oft kaum noch Geld für ihre Ersparnisse.

Doch es gibt eine Asset-Klasse, bei der die Renditen derzeit sogar über dem 30-Jahres-Durchschnitt liegen. Gemeint sind damit europäischen Aktien. Die UBS beziffert die Dividendenrendite für große europäische Standardaktien in einer Studie im Schnitt auf 4,0 %. Das vergleicht sich mit einem 30-Jahresdurchschnitt von 3,2 %. Hinzu kommt, dass sich die Differenz zwischen der Dividendenrendite und den Kernrenditen von Staatsanleihen im Euroraum bei 380 Basispunkten bewegt.

Wissenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Dividenden historisch betrachtet weitaus weniger volatil waren als die Gewinne. Laut Berechnungen der UBS sinken in einer Rezession die Dividenden im Schnitt nur um das rund 0,4-fache des Ergebnisrückgangs, da Unternehmen auch die Ausschüttungsquoten anpassen.

Dividendenkürzung bei Vodafone belegt die Risiken auf Einzelwerteebene

Das klingt verlockend, doch natürlich besteht trotzdem auch immer die Gefahr, dass einzelne Unternehmen ihre Dividendenzahlungen kürzen oder streichen müssen. So hat in diesem Jahr beispielsweise mit dem britischen Telekomkonzern Vodafone schon eine als Dividendenbringer viel beachtete Aktie die Zahlungen bereits kürzen müssen. Dazu muss man wissen, dass dieser Konzern zuvor seit 1998 seine Dividenden kontinuierlich angehoben hat. Passend zu der Ausschüttungs-Hiobsbotschaft ist die Notiz auf den tiefsten Stand seit Mitte 2009 abgerutscht.

Wie dieses Beispiel nahe legt, macht es Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, wie nachhaltig die Ausschüttungen bei einzelnen Gesellschaften sind. Um das zu testen, hat die Schweizer Großbank die erwarteten Dividendenrenditen der Stoxx 50 Index-Unternehmen mit den für 20^9 prognostizierten Ausschüttungsquote gemessen am Gewinn je Aktie und am freien Cashflow gemessen. Die Ergebnisse sind den beiden nachfolgenden Grafiken zu entnehmen, wobei Aktien unterhalb der eingezeichneten Linie höhere Renditen bei relativ geringen Auszahlungsquoten bieten und umgekehrt.

Dividendenrendite 2019e der Stoxx 50 Index-Unternehmen versus Gewinn-Ausschüttungsquote je Aktie 2019e

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Dividendenrendite 2019e der Stoxx 50 Index-Unternehmen versus Cashflow-Ausschüttungsquote 2019e

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Société Générale nennt gefährdete Dividendenzahler aus dem FTSE World Developed Index und dem FTSE 350 Index

Regelmäßig mit diesem Thema beschäftigen sich auch die Analysten der Société Générale. Die französische Großbank basiert ihre Berechnungen auf dem Merton-Modell. Das ist ein Analysemodell zur Beurteilung des Kreditrisikos durch die Verschuldung eines Unternehmens. Genutzt wird dieses Modell, um zu beurteilen, wie fähig ein Unternehmen ist, finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen, seine Schulden zu bedienen und die allgemeine Möglichkeit abzuwägen, dass es in den Kreditausfall gerät.

Die Tabelle unten zeigt Unternehmen mit einer relativ hohen Dividendenrendite (Konsensschätzung für die nächsten 12 Monate) von mehr als 4 % und schwachen Bilanzen (unteres Quintil nach dem Merton-Modell der Société Générale). Das untersuchte Universum sind die FTSE World Developed und FTSE 350 Aktien exklusive aller Finanzunternehmen.

Aktien mit hohen Dividendenrenditen im untersten Merton-Quintil

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Quellen: SG Cross Asset Research\Equity Quant, FTSE, Factset
Bildherkunft: Adobe Stock: 95109713


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