Eine selten gute Brut: 4 günstig bewertete Aktien mit Moat und Momentum

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Trotz der jüngsten Achterbahn-Fahrt der Kurse an der Wall Street sieht die Performance des US-Aktienmarktes auf 12-Monatssicht nach wie vor nicht schlecht aus. Kommt der S&P 500 Index in diesem Zeitraum doch immerhin auf ein Plus von rund 17 %.

Das ist eine durchaus überzeugende Bilanz. Doch viele Einzelaktien sind in dieser Zeit noch viel stärker gestiegen. Anleger-Liebling aus dem Tech-Sektor wie NVIDIA, Netflix oder und Twitter zum Beispiel haben sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Turnaround-Stories wie Guess oder Weight Watchers (WTW) haben ebenfalls prozentual dreistellige Wertzuwächse erzielt.

Aber als Folge davon sind nach Ansicht des US-Finanzdienstleisters Morningstar diese Aktien im Vergleich zu den hauseigenen Ergebnisschätzungen inzwischen bewertungstechnisch eindeutig überteuert.

Hohe Auswahl-Hürden für eine Qualifikation

Allerdings trifft dieses nachteilige Bewertungsurteil längst nicht auf alle Höhenflieger zu, wie Susan Dziubinski, Director of Content bei Morningstar erklärt. Sie hat sich in der hausinternen Datenbank umgesehen und nach Aktien gesucht, die zwar in den vergangenen 12 Monaten bereits gut gelaufen sind, aber noch immer über Luft nach oben beim Aktienkurs verfügen.

Konkreter beschrieben hat sie dabei sogar nach Titeln geforstet, die in den vergangenen 12 Monaten eine mindestens mehr als doppelt so gute Bilanz aufzuweisen haben wie der S&P 500 Index. Zudem müssen die Aktien noch um mindestens 10 % unter dem von Morningstar als fair eingestuften Wert notieren.

Als weiteres Auswahlkriterium mussten diese Werte ein Risikoprofil aufweisen, das von Morningstar entweder als gering oder durchschnittlich eingestuft wird. Eine Erfüllung dieser Vorgabe ist wichtig, weil das Risikorating von Morningstar auch eine Aussage dazu beinhaltet, wie vorhersagbar der zukünftigen Cashflow eines Unternehmens ist. Das wiederum kann auch als Maßstab dafür gewertet werden, wie zuverlässig oder unzuverlässig die Schätzung des fairen Wertes einer Gesellschaft ist. Je geringer die Unsicherheit, desto geringer ist die potenzielle Ergebnis-Bandbreite und umso größer ist dann das Zutrauen die Morningstar in die eigene Schätzung des fairen Wertes hat.

Bestehende Wettbewerbsvorteile ebenfalls eine Vorbedingung

Um als Mitfavorit in Frage zu kommen, hat Dziubinski außerdem auch darauf geachtet, dass ein Unternehmen zusätzlich noch entweder über einen engen oder einen weiten Moat verfügt. Dabei handelt es sich um nachhaltige Wettbewerbsvorteile, mit denen Gesellschaften ihre Marktanteile vor der Konkurrenz schützen können.

Unternehmen, deren Graben voraussichtlich noch 20 Jahre oder länger schützen wird, verfügen laut der Morningstar-Definition einen weiten Moat. Firmen, bei denen das geschätzt noch 10 Jahre der Fall ist, sind demnach mit einem engen Moat ausgestattet.

Nachfolgend eine Übersicht zu jenen 4 Aktien, die als Ergebnis bei der Morningstar-Suche nach Favoriten mit günstiger Bewertung, Moat und Momentum hängen geblieben sind

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Quelle: Morningstar


Favorit Nummer 1: Blackrock – fairer Wert 600 Dollar, aktueller Kurs: 524,42 Dollar

BlackRock hat aus Sicht von Morningstar einen weiten Wirtschaftsgraben um sich herum. Die Größe und die Skalierbarkeit der Geschäftsaktivitäten, die Stärke des Markennamen und die Vielfalt bei den verwalteten Finanzmitteln gemessen an Anlageklassen, Vertriebskanälen und geografischer Reichweite verhelfen demnach zu einem Vorsprung vor der Konkurrenz. BlackRock ist der größte Vermögensverwalter der Welt, mit einem Gesamtvolumen von 6,316 Billionen USD und einem Produktmix, der recht diversifiziert ist: 53 % der verwalteten Vermögen steckten Ende März 2018 in Aktienstrategien, 30 % in Anleihen, 8 % in Multi-Asset-Klassen, 7 % in Geldmarktfonds und 2 % in Alternativen per Ende März 2018.
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Favorit Nummer 2: Guidewire Software – fairer Wert 100 Dollar, aktueller Kurs: 85,72 Dollar

Bei Guidewire, einem Anbieter eine Technologieplattform, die es Versicherern ermöglicht, mit ihren Kunden und Mitarbeitern besser zu interagieren, spricht Morningstar von einem breiten Wirtschaftsgraben. Anbieter von Anwendungssoftware verhelfen sich selbst oft zu Wettbewerbsvorteilen, indem sie Produkte entwickeln, die sich in die Prozesse der Kunden einfügen und so eine enge Beziehung schaffen. Die Anbieter mit den stärksten Wettbewerbsvorteilen sind dabei in der Lage, diese Produkte so zu skalieren, dass sie einen wesentlichen Teil des adressierbaren Marktes erreichen. Nach Einschätzung von Morningstar Guidewire jeden dieser Meilensteine erreicht, indem man über eine vier Mal so große Kundenzahlen verfügt wie die größte Konkurrent und sich zu einem festen Ansprechpartner für die weltweit größten Sachversicherer entwickelt, der Lösungen in über 35 Ländern offeriert.

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Favorit Nummer 3: Salesforce – fairer Wert 145 Dollar, aktueller Kurs: 122,82 Dollar

Auch Salesforce, einem Anbieter von Cloud-Computing-Lösungen für Unternehmen, billigt Morningstar einen breiten wirtschaftlichen Graben zu. Man ist der Meinung, dass die Kombination aus den unternehmenskritischen Anwendungen, die Salesforce anbietet, der Allgegenwart seiner Produkte in Unternehmen und den zunehmend wertvoller werdenden Daten, die durch diese Anwendungen generiert werden, erhebliche Kosten für den Kundenwechsel und einen Netzwerkeffekt mit sich bringt. In wichtigen Bereichen sei Salesforce der dominierende Anbieter und die starke Stellung zusammen mit dem guten Ruf würden für weitere Marktanteilsgewinne sprechen.

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Favorit Nummer 4: Vertex Pharmaceuticals - fairer Wert 180 Dollar, aktueller Kurs: 158,15 Dollar

Bei Vertex Pharmaceuticals, einem globalen Biotech-Unternehmen, das sich der Entdeckung und Entwicklung kleinmolekularer Arzneimittel zur Behandlung von schweren Erkrankungen verschrieben hat, spricht Morningstar davon, dass das Portfolio mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten die Grundlage für einen engen wirtschaftlichen Graben bildet. Das Unternehmen werde durch den lange laufenden Patentschutz und den frühzeitigen Eintritt in den Mukoviszidose-Markt gestützt. Die 2012 und 2015 eingeführten Mittel Kalydeco und Orkambi seien die einzigen krankheitsmodifizierenden Medikamente auf dem Markt und stützen als Rückgrat die Annahme, dass Vertex in diesem Segment der seltenen Krankheiten auf absehbare Zeit der führende Anbieter bleibt.

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