Existiert beim Fischfarmer MOWI ein Burggraben? Ich sage: Ja!

Kommentare Simon Betschinger 872 Leser
Liebe Leser,

wir erzielen Überrenditen, wenn wir Firmen identifizieren, die über einen Wettbewerbsvorteil verfügen und diesen ausbauen und wenn die Mehrzahl der Marktteilnehmer diesen gerade entstehenden Burggraben noch nicht wahrgenommen hat.

Ich bin in der MOWI-Aktie (früher Marine Harvest) schon seit etwa 3 Jahren investiert. Ich glaube, dass der Wettbewerbsvorteil dieser Firma unterschätzt wird. Als Investor versuche ich gezielt Burggräben oder Wettbewerbsvorteile aufzuspüren, die von der Mehrheit der Anleger noch nicht als solche erkannt werden. Denn nur dann habe ich die Chance auf eine außergewöhnlich hohe Rendite.

mowi

Das Foto zeigt einen Fjord in Norwegen. Hier hat die Lachszucht ihren Anfang genommen. Norwegen war eine der Pioniernationen bei der Fischzucht und heute steht der Sektor ganz oben auf der nationalen Agenda zur Förderung der zukünftigen Schlüsselindustrien. Die norwegische Regierung sieht hier einen Zukunftsmarkt mit viel Potenzial. Die Weltbevölkerung wird laut Prognosen der UNO bis 2050 auf rund 9 Milliarden Menschen anwachsen. Der „Blaue Acker“ wie die Weltmeere von den Fischzüchtern manchmal genannt werden, wird für die Nahrungsmittelproduktion eine wichtige Rolle spielen. „Fisch aus Norwegen“ soll eine Weltmarke werden. Das Staatlichen Institut für Ernährungs- und Seafood-Forschung (NIFES) kontrolliert die Fischzuchtbestände. Es wird streng geprüft, ob es Rückstände von unerlaubten Arzneimitteln oder anderen Fremdstoffen gibt. Mit „Fisch aus Norwegen“ sollen die Verbraucher weltweit Qualität verbinden.

Meine Burggrabenthese bezüglich MOWI ist folgende:

1. „Fisch aus Norwegen“ ist eine globale Marke. Fragt euch selbst, liebe Alphajäger, kauft ihr lieber Fisch aus Norwegen oder lieber Fisch aus Chile oder China? Konsumenten weltweit bevorzugen den Fisch aus Norwegen. Selbst chinesische Konsumenten importieren lieber Fisch aus Norwegen anstatt den eigenen Produzenten zu vertrauen.

2. „Fisch aus Norwegen“ ist eine Marke, die für ausländische Konkurrenzunternehmen außer Reichweite liegt. Nehmen wir an ich hätte 10 Milliarden Euro auf der Bank rumliegen und ich wollte in die Fischzucht in Norwegen einsteigen, dann müsste ich mich erstmals um die gesetzlichen Genehmigungen kümmern und ich würde bei den Gemeinden anfragen, die für die zahlreiche Fjorde zuständig sind und ich würde mit Sicherheit nur Absagen erhalten. Die gesetzliche Regulierung und die nationale Agenda, die Fischzucht als Schlüsselbranche für Norwegen sieht, schützt die großen und etablierten Fischzüchter wie MOWI.

3. Über Endkonsumenten-Marken wird die Abhängigkeit von den Großhandels-Lachspreisen immer stärker reduziert. MOWI besitzt aktuell 17 Eigenmarken (zumindest sind so viele auf der Website ausgewiesen), die direkt an die Konsumenten in den Supermärkten vertrieben werden. Über diese Eigenmarken kann Mowi erstens stabile Endpreise erzielen und sich zweites einen eigenen Absatzkanal aufbauen. Eigene Vertriebswege, die auf langfristigen Vertragsbeziehungen und Kundenvertrauen beruhen, können ein wichtiger Schutzfaktor vor neuen Konkurrenten sein.

MOWI: Feinster Lachs auf dem Teller

Eine mediterrane Ernährung ist gesund. Frisches Gemüse, dazu Reis oder Nudeln und Fisch. Als Beilage gibt es einen Salat mit Olivenöl - das klingt nicht nur lecker, sondern ist hilfreich, um Durchblutungsstörungen zu vermeiden. Das steigende Interesse an einer gesunden Ernährung wird die Nachfrage nach Fisch erhöhen. Davon wird der weltgrößte Lachsfarm-Betreiber Marine Harvest aus dem norwegischen Bergen profitieren.

Der Kurs kletterte seit der Finanzkrise 2009 von 1 auf nun 23 EUR. Analysten rechnen für 2019 mit einem KGV von aktuell 17.7 (12,80 NOK Gewinnschätzung je Aktie). Das ist moderat. Das KGV hat noch Luft nach oben. Firmen mit starker Wettbewerbsstellung werden eigentlich immer mit KGVs über 20 bewertet. Der Anpassungsprozess zu einem höheren Bewertungsniveau ist offenbar in vollem Gange. Die Dividendenrendite beträgt 5%. Die Aktie hat einen schönen Lauf. In 10 Jahren legte der Kurs, gemessen in EUR, um 385% zu. Ich glaube, dass der Kurs seine Rallye fortsetzen wird.

Verpackte Lebensmittel unbeliebt
Vor allem spricht das Gesundheitsbewusstsein dafür. Giganten wie Nestle, Kraft Heinz, Kellogg’s oder General Mills haben ein Problem: Konsumenten wünschen sich frischere, gesündere, natürlichere Nahrung. Sie können nicht mehr die Menschen über TV-Werbung dazu bringen, ihre verpackten Produkte zu kaufen. Gefragt sind heute gesunde, frische Lebensmittel. Insgesamt nimmt der Trend zur gesunden Ernährung zu.
Fisch gilt als Schatzkiste für Omega-3-Fettsäuren, die vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden können. Sie müssen über die Ernährung aufgenommen werden. Sie sind besonders in Lachs, Markerle oder Leinsamen sowie Walnüssen enthalten. Studien zeigen, dass Fisch das Risiko senkt, an einem Herzinfarkt zu sterben. Die geistigen Fähigkeiten werden besser. Fisch halbiert das Risiko für rheumatoide Arthritis. Es soll weitere Vorteile geben, sagt die Wissenschaft. All das wird das Geschäft ankurbeln.

Experten gehen davon aus, dass der Pro-Kopf-Verbauch von Meerestieren von 15 Kilogramm im Jahr 1980 auf 22 Kilogramm in 2026 steigen wird. Weil der wilde Fang stagniert, sind massive Expansionen der Zuchtanlagen nötig.

Chinesen lieben Lachs

Die Nachfrage nach Fisch zieht weltweit an. Vor allem in China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist der größte Importeur von Meeresfrüchten. Am meisten haben die Chinesen Appetit auf Lachs. Schottland exportierte 2009 nur 5 Tonnen Lachs nach China. 2013 waren es schon 9.709 Tonnen, ein Anstieg um 194.080%. Lachs wird in dem gelben Riesenreich als Luxus angesehen. Hotels und Restaurants müssen den Fisch auf der Speisekarte haben, um anerkannt zu werden. Der Preis für Lachs geht in China durch die Decke. In Schanghai wollen die Norweger eine Fabrik in diesem Jahr errichten, um von dem Boom zu profitieren. Erst 8% des gesamten Umsatzes entfällt auf Asien. Es besteht also noch reichlich Potential. Für norwegischen Fisch greifen die Chinesen tief in die Tasche. Sie zahlen schon 15,86 USD je Kilogramm. Weil die Preise immer teuerer werden, hat Peking illegalen Fischeinfuhren beispielsweise aus Vietnam den Kampf angesagt. Die illegalen Importe umgehen den Zoll. All das kommt den Norwegern zugute, wenn sie China aufrollen werden.
Schlachtvolumen steigt um ein Drittel

Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern sein Lachs-Schlachtvolumen in den schottischen Zuchtanlagen von 45.000 auf 60.000 Tonnen. Die Gesundheit der Fische hat sich verbessert. Was belastet hat, war der um 3,8% reduzierte Verkaufspreis gegenüber 2016. Die Ausgaben für die Fischgesundheit haben sich aber um 10,7% erhöht.

Ein Problem, den Befall mit Läusen angesichts der dichten Zuchtanlagen, bekommt die Branche in den Griff. Durch die Läuse sind die Fische geschwächt. Ihr Immunsystem leidet, der Stress nimmt zu, wenn Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Somit sterben mehr Fische. Einer von fünf Lachsen stirbt, bevor er die Schlachtreife erreicht, mitunter aufgrund der blutsaugenden Parasiten, die sich auf die Außenhaut setzen.
Durch die Verlegung der Farmen aufs offene Meer, spült die Strömung die Läuse von den Fischen. Der Nachteil: In Stürmen können die Anlagen, vor allem die Netze, zerstört werden, so dass die Fische entkommen können. Ein weiteres Problem bekommt die Branche in den Griff: Es sind bakterielle Infektionen an den Kiemen. Alles in allem meistert das Unternehmen die Herausforderungen.

Genetischer Trick

Mit Hilfe einer genetischen Vorauswahl will der Züchter eine bessere Ausbeute erzielen. Er macht hier Fortschritte. So gibt es bestimmte Lachssorten, die besonders resistent gegenüber Läusen ist. Von diesen Sorten will der Konzern die genetische Grundlage lernen. Es könnte den Durchbruch bedeuten. Von Jahr zu Jahr können die Norweger resistentere Fische züchten. „Aber wir können die Lachse nicht zu 100% resistent in einer Generation machen“, gibt das Unternehmen zu. Es handele sich um eine langfristige Strategie. Mehrere Initiativen seien nötig, um wesentliche Fortschritte zu machen. Hinzu kommt, dass in anderen Gebieten Optimierungen möglich sind. Das kann den Gewinn in eine neue Größenordnung bringen. Von Skaleneffekten möchte der Vorstand profitieren, indem es sich international austauscht, Daten vergleicht und Kooperationen schmiedet.

Megatrends helfen

„Seit dem Beginn der Lachszucht-Branche Mitte der 1980er Jahre findet Wandel schnell und ununterbrochen statt“, resümiert Vorstandschef Alf-Helge Aarskog. Er beschreibt es als die „blaue Revolution“. Er möchte die Forschung massiv ausbauen. Ohne Forschung könne niemand die Welt mit Lachs ernähren. Lachs sei beliebt wie nie zuvor. „Es gibt viele Gründe zu glauben, dass der Fischmarkt weiterhin wachen wird. Die Kern-Mega-Trends wie Bevölkerungswachstum, höherer Lebensstandard, Fokussierung auf gesunde Ernährung oder Ressourcen-schonende Lebensmittelproduktion bedeuten eine strahlende Zukunft für Meeresfrüchte im allgemeinen und Fisch aus Zuchtanlagen im Besonderen“, erklärt der CEO. Er möchte langfristige Werte schaffen. Die Margen möchte Aarskog schrittweise hochfahren. Die eigne Futter-Sparte hat das Unternehmen aufgebaut, weil es für die Qualität der Fische eine große Rolle spielt. Auch ist es durch die verlängerte Wertschöpfungskette eher möglich, die Marge zu erhöhen.

Das Futter stellt der Weltmarktführer in der Heimat her. Nun ist eine weitere Fabrik im schottischen Kyleakin geplant, die im laufenden Jahr loslegen soll. Hier sollen 170.000 Tonnen Fisch im Jahr verarbeitet werden. Mit der neuen Fabrik in Schottland können nun in Europa über 500.000 Tonnen Fisch verarbeitet werden pro Jahr. Das Futter wird so hergestellt, dass Qualitätsfische effizient entstehen können. Zum Teil handelt es sich um Bio-Futter.

Züchtung rund um den Globus

Gezüchtet wird der Fisch in Norwegen, Schottland, Kanada, Chile, Irland und auf den Färöer-Inseln. 2017 stieg der Umsatz von 3,5 auf 3,6 Mrd. EUR. Der Überschuss sank allerdings aufgrund von Sonderbelastungen von 539 auf 462 Mio. EUR. Das gilt als Ausrutscher. Zum Teil wurden die Tiere geschlachtet, bevor sie ihr optimales Gewicht erreicht hatten. Geschlachtet wurden 370.000 Tonnen. Zum Vergleich: 2016 waren es noch 380.000 Tonnen. Im laufenden Jahr wird mit einem Volumen- und Gewinnplus gerechnet.

Die 13.200 Mitarbeiter arbeiten in 24 Ländern. Sie sind stets auf der Suche nach neuen Produktionsmöglichkeiten. 2017 begannen sie an der Ostküste Kanadas Lache zu züchten. Ende 2017 kauften sie den Rivalen Northern Harvest dazu. In Dallas und nahe Vancouver eröffneten sie jeweils eine Verarbeitungsanlage. In Polen haben sie ihre Verarbeitungs-Kapazitäten um 10.000 Quadratmeter ausgebaut. Die Norweger haben 39 Fabriken, wo Fisch verarbeitet wird, weltweit. Alles begann 1964.

Übernahme möglich

Für ein vermögendes Konglomerat wie Berkshire Hathaway wäre so ein Konzern ein kleiner Happen. Amerikas Lebensmittelriese Cargill schluckte vor einigen Jahren den norwegischen Lachsfutter-Hersteller Ewos für 1,5 Mrd. USD. Das zeigt, wie begehrt die Branche ist. Cargill begründete den Deal so: „Es ist ein strategisches Investment in unser langfristiges Wachstum und Beleg in unsere Zuversicht für die wachsende Aquakultur.“ Im Visier haben viele Profianleger Marine Harvest.

Die Bilanz ist solide. Es gibt keine Schulden. Der Umsatz erhöht sich seit langer Zeit. Ein Ende des Trends ist nicht absehbar. Das Management achtet auf die Qualität, Regulierung, Effizienz, Innovationen und den Umweltschutz. Nicht nur davon hängt der Erfolg ab. Auch von der Entwicklung des Fischpreises, auf den hat naturgemäß der Vorstand keinen Einfluss. Sinkt der Fischpreis, kann schnell die Rentabilität schrumpfen.

Aber die Nachfrage bleibt stark.

Die Aktie hat reichlich Potential, sollte der Fischpreis stabil bleiben beziehungsweise steigen. Marine Harvest wird moderat an der Börse taxiert. Großaktionär ist der milliardenschwere Schiffsmogul John Fredriksen.

Fazit: MOWI wird seit Jahren in Anlegerkreisen skeptisch betrachtet. Klar, ich verstehe die Argumente. In China kann jeder Konzern mit viel Geld eine eigene Fischzucht aufbauen. Aber, ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass Konsumenten weltweit „Fisch aus Norwegen“ kaufen. Oder Fisch aus Kanada, hier ist MOWI ebenfalls präsent. Das Herkunftsland ist eine starke Marke. Ähnlich wie Scotch. Wer kauft schon japanischen Whiskey? Weil ich an die dauerhafte Kraft dieser Marke glaube und davon ausgehe, dass MOWI hier als Marktführer innerhalb des Sektors schon Größenvorteile hat, bleibe in ich der MOWI-Aktie investiert. Zusätzlich besitze ich übrigens eine Position in der Aktie von Salmar, die ich direkt nach MOWI als zweitstärkstes Unternehmen im Sektor betrachte.

Viele Grüße
Simon Betschinger

(Text von Tim Schäfer und Simon Betschinger)

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