Mit diesem Scoring-Systeme kann die Aktienauswahl signifikant verbessert werden

Hallo liebe Investoren und Trader,

auf der Suche nach qualitativ hochwertigen und aussichtsreichen Aktien gibt es viele Wege und Systeme. Aber nicht immer ist es einfach, sich im Dschungel der vielen fundamentalen und technischen Kennzahlen zurechtzufinden. Eine sehr gute Orientierungshilfe bieten in vielen Fällen sogenannte Scoring-Systeme. Dabei werden alle Aktien eines Universums in Bezug auf bereits vordefinierte Kriterien geprüft. Aufgrund dieser Kriterien werden ihnen dann Qualitätspunkte zugewiesen. Die Aktien mit den meisten Punkten finden sich dann im Ranking ganz oben wieder. Beim Screening hingegen, kann eingestellt werden, wie viele Punkte eine Aktie haben muss, um in der Auswahlliste angezeigt zu werden. Da TraderFox sehr darauf bedacht ist, Anlagestrategien in Form von Algorithmen und mathematischen Regeln messbar zu machen, wurden von uns bisher vier Scoring-Systeme bereitgestellt. Die Grundlage der Scoring-Systeme, die sowohl in dem Tool „Aktien-Rankings“ als auch in dem Tool „Aktien-Screener“ zu finden sind, ist die Datenbank von Morningstar. Über 15.000 in Europa und den USA gelistete Aktien können damit untersucht werden.

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So funktioniert der Piotroski F-Score

Im oberen Ausschnitt sind die vier bereitgestellten Scoring-Systeme zu sehen. Drücken wir auf das „i“ hinter der Bezeichnung des jeweiligen Systems, erhalten wir die Beschreibung dazu. Da für den Piotroski F-Score im Augenblick noch keine Erklärung hinterlegt ist, werde ich ihn euch kurz erklären.

Der Piotroski F-Score wurde im Jahr 2000 von dem Stanford Professor Joseph Piotroski entwickelt. Er wollte mit diesem sehr einfachen Modell (alle Kriterien sind über die Jahresabschlüsse zugänglich) Value-Anlegern zeigen wie es gelingen kann, werthaltige Firmen von schlecht aufgestellten Firmen zu unterscheiden. Seinen Berechnungen liegen Daten von über 14.000 Firmen mit einem niedrigen KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) zu Grunde, die sich auf einen Zeitraum von 20 Jahren (1976 - 1996) beziehen. Da er davon ausging, dass viele Unternehmen mit einem niedrigem KBV in Schwierigkeiten steckten, entwickelte er ein neun Punkte-System, um Aktien mit einem geringen KBV weiter zu filtern. Die Ergebnisse seiner Arbeit konnten überzeugen: Er fand heraus, dass Aktien mit einem hohen F-Score von acht bzw. neun Punkten eine um 7,5 % bessere Rendite als das ihnen zugrundeliegende Aktienuniversum erwirtschafteten. Dagegen war die Wahrscheinlichkeit eines Delistings bzw. einer Insolvenz für Aktien mit niedrigen Werten fünfmal höher als für das zugrundeliegende Universum. Zahlreiche Auswertungen von anderen Forschern und Analysten bestätigen die Annahme, dass mithilfe des Scoring-Systems von Piotroski die Aktienauswahl signifikant verbessert werden kann.
Das Scoring-Modell setzt sich aus neun Kriterien zusammen. Für jedes erfüllte Kriterium vergibt das System einen Punkt. Am Schluß werden alle Kriterien aufsummiert und ergeben den F-Score, wobei neun den maximalen F-Score darstellt, während 0 das Minimum ist. Die Kriterien können in drei Bereiche unterteilt werden:

- Profitabilität
- Verschuldung und Liquidität
- Operative Effizienz

Die Profitabilität setzt sich aus vier Kriterien zusammen. Diese sind:

- Nettogewinn: Wenn der Nettogewinn im letzten Jahr positiv war, gibt es einen Punkt
- Gesamtkapitalrendite (Return on Assets): Es gibt einen Punkt, wenn die
Gesamtkapitalrendite im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist
- Operativer Cashflow: Wenn der operative Cashflow im Vorjahr positiv war, dann gibt es einen Punkt
- Gewinnqualität: Es gibt einen Punkt, wenn der operative Cashflow im Vorjahr über dem Nettogewinn lag

Die Verschuldung und Liquidität setzt sich aus drei Kriterien zusammen. Diese sind:

- Langfristige Verbindlichkeiten (Long Term Debt) versus Gesamtvermögen
(Assets): Es gibt einen Punkt wenn das LTD/Assets-Ratio im Vergleich zum Vorjahr
abgenommen hat
- Liquidität dritten Grades: Wenn die Liquidität dritten Grades im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hat, dann gibt es einen Punkt
- Anzahl umlaufender Aktien (Issuance of Capital Stock): Es gibt einen Punkt, wenn die Anzahl umlaufender Aktien im Vergleich zum Vorjahr nicht zugenommen hat

Die operative Effizienz setzt sich aus drei Kriterien zusammen. Diese sind:

- Bruttomarge (Gross margin): Es gibt einen Punkt, wenn die Bruttomarge im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hat
- Kapitalumschlag (Asset Turnover): Es gibt einen Punkt, wenn das
Umsatzwachstum das Wachstum der Bilanzsumme übersteigt

Wer sich die Arbeit selbst durchlesen will, kann den Artikel auf den Seiten der University of Chicago herunterladen. Hier ist der Link:

https://www.chicagobooth.edu/~/media/FE874EE65F624AAEBD0166B1974FD74D.pdf

Screeninganleitung

Nun zeige ich euch, wie ihr das Scoring-System benutzt. Da ja alles schon voreingestellt ist, wird das nicht lange dauern. Zuerst gehe ich auf www.traderfox.de und dort klicke ich auf das Tool AKTIEN-SCREENER. Dieses Tool ermöglicht es mir, dass ich letztlich nur solche Aktien angezeigt bekomme, die auch meinen festgelegten Kriterien entsprechen.

Zuerst gehe ich auf das Universum und wähle dort die größten 1000 europäischen Werte nach Marktkapitalisierung (mc) aus.

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Als nächstes gehe ich auf den Reiter „Scoring-Systeme“ und wähle den Piotroski F-Score aus. Das ist eigentlich schon alles. Nun gehe ich auf „Scannen.“

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Schon wird mir die List mit den verbleibenden Unternehmen angezeigt.

Von 1000 Unternehmen sind nur noch zwölf übrig. Wenn ich jetzt ein oder mehrere Unternehmen kaufen wollte und nicht wüßte, für welche ich mich entscheiden sollte, könnte ich folgendermaßen vorgehen:

- Ich könnte mir die Charts ansehen und daraufhin entscheiden
- Ich könnte mir die Fundamentaldaten noch etwas genauer ansehen
- Ich könnte noch einen technischen Indikator hinzufügen

Ich finde Compugroup charttechnisch interessant, da es auf einem 52-Wochenhoch notiert. Ich will aber noch ein wenig aussortieren und da die Indizes alle nahe ihres GD 200 notieren, wähle ich beim Reiter „Technisch“ Abstand vom gleitenden Durchschnitt folgendes aus:

- Abstand -5 % bis + 5% auf Sicht von 200 Handelstagen.

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Nun gehe ich noch einmal auf „Scannen“ und erhalte folgende Liste:

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Jetzt sind nur noch drei Unternehmen übrig. Ich schaue mir alle drei Charts an. Da ich charttechnisch nur Shell interessant finde und das Unternehmen sich auf Platz eins befindet, entschiede ich mich für Royal Dutch Shell (RDS). Wie zu sehen, gibt es von dem Unternehmen A und B Aktien. Für welche entscheide ich mich jetzt?

Royal Dutch Shell (RDS): Hier winkt eine satte Dividendenrendite!

Da das Unternehmen 2005 aus der Fusion von dem britischen Unternehmen „The Shell Transport und Trading plc.“ und dem niederländischen Unternehmen „Royal Dutch Petroleum Company“ entstand und nun der Firmensitz in London und die Hauptverwaltung in den Niederlanden liegt, haben wir hier zwei Aktienklassen mit einer unterschiedlichen Quellenbesteuerung. Bei beiden Aktienklassen handelt es sich aber um “ordinary shares” und so sind die Stimmrechte und Dividendenansprüche vollkommen identisch. Der einzige Unterschied, der für Anleger wichtig ist, liegt in der steuerlichen Behandlung der ausgeschütteten Dividende. Während die B-Aktien dem britischen Steuerrecht unterliegen und keinen Quellensteuerabzug auf die Dividende zur Folge haben, wird bei der A-Aktie ein Quellensteuerabzug von 15 % fällig. Weil jedoch die niederländische Quellensteuer gänzlich auf die Kapitalertragsteuerschuld eines deutschen Anlegers anrechenbar ist, sind die steuerlichen Folgen identisch.

Bevor wir uns das Unternehmen ansehen, gehe ich kurz auf den Chart ein, der ja vor allem für kurzfristig orientierte Anleger interessant ist.

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Charttechnisch betrachtet befindet sich die Aktie in einem, seit über einem Jahr andauernden, absteigenden Dreieck. Diese Formation gibt uns zu verstehen, dass die Verkäufer aggressiver als die Käufer auftreten. Somit ist das absteigende Dreieck als bärisch zu werten und wird in der Mehrzahl der Fälle nach unten aufgelöst. Gleichzeit ist zu sagen, dass die Vollendung der Formation erst durch einen eindeutigen Schlusskurs unterhalb der Trendlinie bestätigt wird. Und da es innerhalb der vorliegenden Formation einen Aufwärtstrend gibt, der als Absicherung dient und gleichzeitig ziemlich genau auf den GD 200 trifft, kann hier mit guten CRV auf einen Ausbruch nach oben spekuliert werden. Überlege ich mir bei Shell nicht nur kurzfristig zu agieren, sondern als Investor einzusteigen, dann sollte ich mich weniger auf das Chartbild als vielmehr auf die fundamentale Lage und die Dividendenrendite konzentrieren.

Bei Royal Dutch Shell (Marktkapitalisierung: 254 Mrd. USD) handelt es sich um einen der weltweit größten Energieunternehmen. Dabei ist das Unternehmen inzwischen nicht mehr so stark vom Ölpreis abhängig wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Das macht sich auch im Kurs bemerkbar: Während der Ölpreis im letzten halben Jahr etwa 25 % verloren hat, waren es bei Shell etwa 10 %. Neben der Durchführung von zahlreichen Explorationsprojekten vertreibt das Unternehmen Kraft- und Schmierstoffe, sowie Petrochemikalien für die Industrie. Außerdem ist es im Gasgeschäft sowie im Tankstellengeschäft gut vertreten. Des Weiteren kommt die Energiewende auch bei Shell an: Seit 2016 gibt es den Geschäftsbereich „New Energies.“ Der Fokus liegt dabei auf alternativen Kraftstoffen und dem Ausbau des Stromgeschäftes. Jährlich werden ein bis zwei Milliarden USD in diesen Bereich investiert. Bei einem Konzernumsatz von circa 360 MRd. USD ist dies bisher allerdings als gering einzuschätzen.

Den Großteil der Gewinne will Shell in den nächsten Jahren weiter den Eigentümern zukommen lassen. Laut Konzernangaben sollen zwischen 2021 und 2025 125 Milliarden USD an die Aktionäre in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden ausgezahlt werden. Aufgrund der breiten Unternehmensaufstellung, einer guten Bilanz und einer Dividendenrendite von über 6 % finde ich das Unternehmen als Langfristanlage sehr reizvoll.

Auf dem AKTIEN-TERMINAL von TraderFox.de werfe ich noch einen Blick auf die Geschäftsentwicklung. Hier sind auch die erwarteten Dividendenrenditen zu sehen.

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Und hier können wir uns noch einmal die Auswertung der Aktie anhand des Piotroski F-Scores ansehen:

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In meinem Videobeitrag zeige ich euch noch einmal den Auswahlprozess Schritt für Schritt.



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Ich wünsche euch einen spannenden Handelstag.

Bis bald
Andreas Haslinger

Verwendete Tools:

TraderFox Trading-Desk: https://www.traderfox.de
Aktien-Sreener: https://screener.traderfox.com
Aktien-Terminal: https://aktie.traderfox.com


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