Tim-Schäfer-Kolumne: Erfolg an der Börse hängt von deinem Sparverhalten ab

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sparschweinchenDie Leute reden gerne um den heißen Brei. Investmenterfolg hängt vom Sparen ab. Punkt. Schluss. Ohne zu sparen, kannst du kaum ein Vermögen aufbauen. Du brauchst im Idealfall jeden Monat übriges Geld zum Investieren. Es spielt keine Rolle, wie viel Geld du verdienst, sondern nur wie viel Geld du sparst. Dies hängt davon ab, wie gut du im Sparen bist. Ich bin ein Meister im Sparen geworden. Das liegt daran, weil ich ein Minimalist bin. Ich kaufe nur das, was ich unbedingt benötige.

Ich kann nur jedem raten, einen Teil es Einkommens zu schützen und langfristig zu investieren. Denn die Altersrente basierend auf dem traditionellen System funktioniert nicht mehr. Das ist im Grunde jedem klar. Nur machen zu wenige Menschen etwas dagegen.

Leider sind die meisten Deutschen beim Sparen besonders miserabel. Aus einer Umfrage der ING-Diba-Bank geht hervor, dass rund ein Drittel der deutschen Haushalte gar nichts spart. „Der starke Anstieg der Nichtsparer hat uns überrascht“, wundert sich Carsten Brzeski, einer der Autoren der Studie.

Dass die Bürger selbst nach einem Jahrzehnt wirtschaftlicher Expansion, niedriger Arbeitslosigkeit und rekordverdächtiger Aktienmärkte nichts zur Seite legen, verblüfft mich.

Wären diese Menschen gezwungen, unerwartet für eine Autoreparatur oder eine neue Waschmaschine 500 Euro zu bezahlen, müssen sie einen Kredit aufnehmen. So fängt die Misere an.

Auch aus anderen Studien geht hervor, dass die Deutschen nicht genug sparen und nicht clever investieren. Sie sind nicht geschickt genug. Selbst Menschen, von denen man meinen könnte, sie verstehen die Finanzmärkte, handeln unverständlich. So legt Bundesfinanzminister Olaf Scholz sein Geld auf unverzinste Konten.

Was steckt hinter diesem Verhalten? Ich weiß es nicht bei Herrn Scholz. Aber bei vielen Deutschen ist es so, dass sie einen Mangel an Finanzkenntnissen haben.

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie häufig selbst erfolgreiche Menschen grottenschlechte Finanzkenntnisse haben. In New York sprach ich vor einiger Zeit mit einem führenden CDU-Politiker, er gab sofort zu, von Aktienanlagen keinerlei Ahnung zu haben.

Es gibt eine Lücke in den Lehrplänen an den Schulen. Finanzbildung ist wichtiger denn je in einer Konsumgesellschaft. Kredite werden einem überall im Internet, in Bankfilialen, Elektronikmärkten oder Möbelhäusern angeboten. Nicht zu vergessen die Autohäuser. Schnell gerät man in eine Schuldenspirale. Wer nicht aufpasst, hat eine mangelhafte Altersvorsorge. Finanzkompetenz muss an allen Fronten gefördert werden.

Ich bin ein Befürworter des langfristigen Aktien- und ETF-Sparens. Die Grundlagen sind nicht kompliziert. Ich kann jedem raten, sich Ziele zu setzen. Erstelle einen Finanzplan. Fange ein Haushaltsbuch an, wenn du nicht genug zum Investieren am Monatsende übrig hast. Verschaff dir einen Überblick. So kannst du verhindern, dass du aus der Bahn geworfen wirst und in der Altersarmut oder Schuldenfalle enden wirst.

Je früher du mit dem Investieren anfängst, desto besser. Beim Wohnen bin ich für einen bodenständigen Ansatz. So bleiben Miet- oder Hypothekenkosten im Rahmen des Vertretbaren. Wohnnebenkosten, Lebensmittelausgaben, Sprit, Urlaub und andere notwendige Ausgaben sollten moderat bleiben. Wenn du die Kosten nicht decken kannst, nimm keinen Kredit auf, sondern pass deinen Lebensstil an. Eine grundsätzliche Regel: Gib weniger aus, als du einnimmst. Spare mindestens zehn Prozent deines Nettoeinkommens, besser mehr.

Muss es am Nachmittag das teure Café sein? Für unnötig halte ich Lotteriescheine, Rubbellose, Glücksspiel oder Fitnessstudioabos, die nicht genutzt werden. Zur Vorsicht rate ich bei Fast-Fashion oder Plunder, der nur die Schränke füllt, aber nicht gebraucht wird. Systematisch würde ich über einen ETF sparen. Das solltest du monatlich automatisieren. So kann mit den Jahren der Zinseszins wirken. Wenn die Zinsen Zinsen verdienen, wird es ein Fest. Dank des rollenden Schneeballs kommt mit der Zeit immer mehr Kapital aus den Zinsen statt aus den Sparsummen.

Wer 10.000 Euro investiert und sechs Prozent pro Jahr verdient, hat sein Geld nach 20 Jahren mehr als verdreifacht. Nach 40 Jahren sind es rund 100.000 Euro.

Jeder Aktionär muss manchmal durch schwere Zeiten. Die Kunst besteht dann darin, das durchzustehen. Die Börse ist manchmal sehr volatil, sie kann korrigieren. Es kann eine neue Krise kommen. Bislang zahlte es sich aus, in solchen Phasen Geduld zu haben und nicht die Nerven zu verlieren.

Zu Recht sagen Stars wie Warren Buffett, dass Geduld der Schlüssel zum Erfolg ist. Weise Anleger haben keine Angst vor der Börse. Unternehmen zu kaufen, die einen starken Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten haben, ist Buffetts Strategie. Er nennt es die berühmte Burggraben-Strategie.

Es gibt wahrscheinlich keinen erfolgreicheren Investor als Warren Buffett, das Orakel von Omaha. Er ist einer der Reichsten der Welt. Der 88 Jahre alte Value Investor ist zu Recht eine Kultfigur.

Anfang Mai pilgerten wieder rund 40.000 Aktionäre zur Aktionärsversammlung von Berkshire Hathaway. Es ist seine Holding, die er seit 1970 leitet und über das er seine klugen Investitionen abwickelt. Sein Geschäftspartner Charlie Munger, der 95-jährige Vize-Chef von Berkshire, ist mindestens genauso clever wie Buffett. Ich habe ein Berkshire-Aktienpaket in meinem Depot, das ich ab und an aufstocke. Ich fühle mich mit der Aktie pudelwohl. Ich denke nicht ans Verkaufen.

Irgendwann werden die beiden Altmeister das Ruder an Ajit Jain und Greg Abel abgeben. Aber ich mache mir deshalb keine Sorgen. Die Firma ist so oder so in guten Händen.

Die Vorgehensweise, wie Buffett investiert, wird immer so bleiben. Bücher beschäftigen sich damit seit Dekaden. Basis der Buffett-Strategie ist das Value Investing. Das erfand Columbia-Professor Benjamin Graham. Zusammengefasst hat Graham sein Wissen in der Investment-Bibel „The Intelligent Investor“. Warren Buffett war Grahams Student. Er empfiehlt noch heute das Buch seines Professors.

Freilich hat Buffett das Konzept angepasst. Buffett kauft am liebsten großartige Unternehmen mit einem integren Management – selbst wenn es etwas mehr kostet. Zu komplexe Unternehmen, die stark verschuldet sind und unberechenbare Einnahmequellen haben, meidet er.

Berkshire ist vor allem an erfolgreichsten Marken beteiligt. Dazu gehören Apple, American Express, Delta Air Lines, Southwest Airlines, Sirius XM, Johnson & Johnson, Visa, Bank of America, Coca-Cola, Goldman Sachs. Zuletzt ist jedoch der Lebensmittelfabrikant Kraft-Heinz abgestürzt. Vielleicht bietet sich hier eine neue Chance? Buffetts langjährige Abneigung gegen Technologiefirmen gab er auf. Er ist neuerdings Amazon-Aktionär geworden.

Für Anleger, die am Erfolg von Buffett partizipieren möchten, besteht der einfachste Weg darin, Aktien von Berkshire Hathaway zu kaufen. Fertig. So mache ich das.

Ich weiß, dass Simon Betschinger ein aktiverer Anleger ist. Er ist ein erfolgreicher Trader. Die meisten Menschen fallen damit allerdings auf die Nase. Er kann es. Ich kann es nicht. Daher behalte ich meinen geruhsamen Investmentstil bei. Ich investiere für 10, 20, 30, 40 Jahre in Aktien. Ans Verkaufen denke ich nicht.







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