Warum die deutlich verschlechterte Stimmung ein erster echter Hoffnungsschimmer ist

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Für die meisten Weltbörsen war das Jahr 2019 ein gebrauchtes Jahr. Zuletzt war es sogar so, dass keine der großen Asset-Klassen im zu Ende gehenden Jahr in der Lage war, eine Performance über der Inflationsrate zu erzielen. In den vergangenen Monaten ging sogar der Wall Street die Puste aus, die im Bullenmarkt seit März 2009 das große Zugpferd war.

Obwohl der Kurstrend auch am US-Aktienmarkt zuletzt gedreht hat, hat sich das Sentiment speziell unter den US-Anlegern lange erstaunlich gut gehalten. Zumal man bedenken muss, dass es weltweit eine sehr lange Liste mit Problemen gibt, die dazu angetan wäre, vielen Investoren das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Von Panik war im Zuge der jüngst eingefahrenen Kursverluste bei den Marktteilnehmern aber trotzdem bisher wenig zu spüren.

Doch neuerdings scheint sich das in den vergangenen Handelstagen spürbar gewandelt zu haben. Denn wie den nachfolgenden Grafiken zu entnehmen ist, hat die Anlegerstimmung jüngst einen deutlichen Schlag abbekommen. Zumindest wenn man zur Beurteilung der Ausgangslage den AAII Investor Sentiment Survey heranzieht, der sich zu einem weit verbreiteten Maß für die Stimmung der Anleger in den USA entwickelt hat.

Befragt werden dabei wöchentlich Marktstrategen, Autoren von Anlage-Newslettern und anderen Finanzexperten. Der aktuellen Erhebung zufolge ist der Anteil der Optimisten unter den Befragten von zuvor 37,9 % auf 20,9 % gesunken. Der neue Stand entspricht dem tiefsten Niveau seit dem 26. Mai 2016. Zudem handelt es sich um den drittgrößte Rückgang im Wochenvergleich im laufenden Börsenzyklus. Laut Bespoke Investment Research war es außerdem der stärkste Rückschlag seit Mitte November 2010, wobei damals die optimistische Stimmung nur um einen halben Prozentpunkt stärker zurückgegangen ist als aktuell.

Im Gegenzug ist der Anteil der Pessimisten unter den Befragten deutlich gestiegen. Registriert wurde ein Anstieg von 18,4 Prozentpunkten auf 48,9 %. Das wiederum entspricht dem Plus und dem höchsten Stand seit mehr als 5 Jahren (11. April 2013).

Ergebnisse des jüngsten AAII Investor Sentiment Survey

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Quelle: American Association of Individual Investors

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Quellen: Bespoke Investment Group, American Association of Individual Investors

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Quellen: Bespoke Investment Group, American Association of Individual Investors

Mut macht bei alledem nun, dass man eine schlechte Stimmung unter der Anlegerschaft traditionell als ein gutes Omen interpretieren kann. Denn wer richtig pessimistisch ist, hat in der Regel schon seine Aktien verkauft. Das Einzige, was im Grunde genommen noch fehlt, ist ein richtiger Ausverkaufstag, mit extrem hohen Handelsumsätzen, die mit echter Panik unter den Marktteilnehmern einhergehen. Wie das jüngste AAII Investor Sentiment Survey signalisiert, hat sich die Stimmung aber auch so inzwischen schon merklich eingetrübt. Bespoke Investment erinnert in diesem Zusammenhang auch daran, dass es bei einem ähnlich negativen Sentiment Anfang 2016 gelang, ein Tief im Zuge einer Korrektur an den globalen Aktienmärkten auszubilden. Die Hoffnung der vergleichsweise wenigen verbliebenen Bullen dürfte nur lauten, dass es dieses Mal ähnlich ablaufen wird.

Passend dazu sei auch noch auf die Meldung verwiesen, wonach Investoren in der Vorwoche laut Lipper-Daten 46 Mrd. USD aus US-Aktienfonds und US-ETFs abgezogen haben. Auch das entspricht einem Rekordwert. Hinzu kommen Abflüsse von 13 Mrd. USD aus Anleihe-Fonds, was ebenfalls nahe an einem Rekordwert ist. Die als relativ risikoarm geltenden Geldmarktfonds verzeichneten dagegen rekordhohe Zuflüsse von 81 Mrd. USD. Alles Hinweise darauf, dass viele Anleger erstmals wieder richtig kalte Füße bekommen haben. Investoren, die gerne gegen den Strom ziehen, dürften daran die Hoffnung auf eine baldige Kurswende zum Besseren schöpfen.
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