Warum rational agierende Anleger derzeit massiv Aktien kaufen müssten

Die Kluft zwischen der Eigenkapitalrendite auf Unternehmensebene und den kurzfristigen oder den risikofreien langfristigen Zinssätzen ist derzeit sehr groß. In den OECD-Ländern hat sich diese Differenz zuletzt sogar noch weiter vergrößert.

Rational agierende Anleger müssten sich deshalb im Grunde genommen laut Natixis viel stärker für Aktien interessieren als für Anleihen oder Bargeld und regelrecht in Aktienbesitz baden. Dies ist gemäß Patrick Artus, dem Chefvolkswirt bei der Investmentbank der französischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, jedoch nicht der Fall. Das wiederum erkläre, warum die Aktienkurse hinter den Unternehmensgewinnen zurückblieben.

Um seine These zu untermauern, hat sich Artus die OECD-Daten angesehen, wobei er aus Gründen der Vereinfachung nur auf Informationen aus den USA, Großbritannien, der Eurozone und aus Japan zurückgreift. Die beiden nachfolgenden Grafiken zeigen die sehr große und wachsende Kluft zwischen der Eigenkapitalrendite (RoE) und dem risikofreien Zinssatz (Leitzins der Zentralbanken, Zinssatz für 10-jährige Staatsanleihen).

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Quelle: Natixis

Basierend auf diesen Ergebnissen kommt Artus zu dem Schluss, dass Aktien für Investoren derzeit deutlich attraktiver sind als Anleihen oder Bargeld. Das bedeute, dass Anleger aus Anleihen und Bargeld aussteigen müssten und in Scharen zum Kauf von Aktien übergehen sollten.

In der Realität sei es aber so, dass in den genannten Ländern die Investoren ihr Kapital nicht wirklich massiv in Aktien umschichten würden. In den Portfolios der institutionellen Anleger stagniere vielmehr das Gewicht der Aktien gemessen am Stand zur Jahrtausendwende, wie die nächste Grafik belegt.

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Quelle: Natixis

Außerdem würden auch die Aktienkurse nicht mit den Unternehmensgewinnen Schritt halten, wie sich der nächsten Grafik entnehmen lässt.

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Quelle: Natixis

Darüber hinaus sei auch die Risikoprämie auf Aktien zuletzt wieder gestiegen (siehe Grafik).

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Quelle: Natixis

Alles dies deutet laut Artus darauf hin, dass es eine irrational hohe Abneigung gegen die Risiken des Aktienbesitzes geben könnte, Diese Haltung halte die Investoren davon ab, trotz der erheblichen Überrendite auf in Unternehmen investiertes Kapital, in Aktien zu investieren. Für den Natixis-Chef-Volkswirt stellt das ein „irrationales" Verhalten der Anleger dar, was vermutlich auf eine erhöhte Wahrnehmung des mit der Aktienanlage verbundenen Risikos zurückzuführen sein dürfte. Rational sei es angesichts der skizzierten Ausgangslage jedenfalls, massiv Kapital in Aktien zu stecken.
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