Was die Anlegerstimmung in den nächsten Wochen für die Aktienmärkte verspricht

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In den USA sind erste Aktien-Leitindizes wie der S&P 500 Index auf neue Rekorde vorgerückt. Selbst in Europa gibt es neue Bestmarken zu vermelden. Zumindest dann, wenn man einen kleinen Kunstgriff anwendet und auf Performance-Indizes zurückgreift, die auch Dividendenzahlungen berücksichtigen. Auf dieser Basis bewegen sich auch STOXX Europe 50 Performance-Index und STOXX Europe 600 Performance-Index auf neuen Höchstständen.

Das deutet darauf hin, dass die Stimmung unter den Anlegern nicht mehr so schlecht sein kann wie noch im vierten Quartal 2018. Schenkt man den Daten der japanischen Investmentbank Nomura Glauben. Dann war es zuletzt sogar so, dass die Stimmung unter den Investoren deutlicher über ein vernünftiges Maß hinausgeschossen ist. Wie die erste untenstehende Grafik zeigt, war die globale Anlegerstimmung jüngst so hoch wie nur einmal zuvor seit Anfang 2016.

Der Nomura-Indikator, der die globale Börsenstimmung misst, bewegte sich seit diesem jüngsten Zwischenhoch vom 18. April jüngst aber etwas nach unten. Und der dabei aufgenommene Abwärtstrend folgt laut den Nomura-Analysten einem Weg, der dem durchschnittlichen Muster in früheren Situationen sehr ähnlich ist, als die Stimmung so wie jetzt wieder nach unten drehte, nachdem sie um zwei Standardabweichungen nach oben vom Mittelwert abgewichen war. Nomura geht per Saldo davon aus, dass sich die Marktstimmung in den kommenden Wochen noch etwas weiter vom zuvor erreichten großen Optimismus abschwächen wird.

Entwicklung des globalen Aktienstimmungs-Index seit 2016 – zuletzt hat sich die zuvor sehr gute Stimmung wieder etwas abgeschwächt

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Quellen: Bloomberg, Nomura

Wie Nomura weiter ausführt, scheint die Stimmungsabschwächung auf dem Aktienmarkt des chinesischen Festlandes stärker ausgeprägt zu sein als an anderen Börsenplätzen der Welt. Der im Zusammenhang mit diversen von den chinesischen Behörden beschlossenen Konjunkturankurbelungsmaßnahmen aufgekommene Optimismus könnte sich nun wieder etwas beruhigen, so der Eindruck. Gleichzeitig weisen die Analysten aber darauf hin, dass es natürlich ein schwieriges Unterfangen sei, genau vorherzusagen wie es mit dem chinesischen Aktienmarkt weitergehen wird, da die Politik nach wie vor ein dominanter Faktor bei der Kursfindung sei und dem Markt jederzeit mit weiteren Maßnahmen oder positiven Meldungen wieder neues Leben einhauchen könnte.

Gehe man jedoch davon aus, dass sich bei den chinesischen Festlands-Aktien zunächst eine Abwärtskorrektur einstellt, dann deuten laut Nomura historische Daten darauf hin, dass globale Aktien in den nächsten Handelstagen ebenfalls auf eine Kurskorrektur im Bereich von 3 % zusteuern könnten. Auf der Sicht von 60 Tagen könnten sich dann bei einer Wiederholung der Kursmuster seit 2010 sogar noch etwas größere Verluste einstellen, wie der untenstehenden Grafik zu entnehmen ist. Diese zeigt ausgehend von der rot eingezeichneten Vertikale, wie sich der MSCI All Countries World Index (MSCI ACWI) in den folgenden 60 Handelstagen entwickelt hat, nachdem es zu einer mehr als zweifachen Standardabweichung nach oben vom Mittelwert gekommen ist.

Es wird spannend sein zu beobachten, als wie verlässlich sich dieser Taktgeber dieses Mal erweist. Erinnert sei in diesem Zusammenhang daran, dass es auch an der Börse keine Garantie auf eine Wiederholung der Geschichte gibt, doch die Erfahrung lehrt, dass sich an den Finanzmärkten die Historie durchaus oft reimt.

Durchschnittliche Performance des MSCI-ACWI seit 2010, nachdem es beim globalen Aktien-Sentiment-Index zu einer mehr als zweifachen Standardabweichung nach oben vom Mittelwert gekommen ist

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Quellen: Bloomberg, Nomura
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