Zwei der trendstabilsten Aktien aus der Global-Following-Liste Großbritannien 500

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Das Hin und Her um das Thema Brexit wird am 15. Januar durch die Abstimmung über den Austrittsvertrag mit der EU um ein weiteres Kapitel ergänzt werden. Aller Erwartung nach dürfte sich die Unsicherheit an den europäischen Aktienmärkten dann weiter erhöhen, denn die bisherigen Aussichten auf eine Zustimmung der britischen Parlamentarier sind eher gering. Allerdings scheint dies die kontinentaleuropäischen Aktienmärkte eher zu berühren als den Britischen. Zumindest scheinen die Investoren beim FTSE 100 der Meinung zu sein, das negative Nachrichten bereits in den Kursen enthalten sind, denn Druck kam bisher nicht auf. Dies könnte auch damit zusammenhängen, das zum einen die britische Notenbank ihren Zinserhöhungskurs durchaus rasch wieder umkehren könnte (ähnlich wie die Nachbarn in den USA), wenn es nötig erscheint. Zum anderen könnte eine dadurch ausgelöste Abwertung des britischen Pfunds sogar für eine kleinen Nachfrageschub am heimischen Aktienmarkt sorgen, insbesondere bei jenen Unternehmen, die stark exportabhängig sind und deren Produkte dadurch für das Ausland billiger würden. Ein Blick auf die Global-Following-Liste Großbritannien 500 offenbart, das Anleger neben speziellen Technologiewerten auch wieder Rohstoffwerte stärker ins Visier neben. Beide Branchen dürften von einem Brexit, wie auch immer er praktisch umgesetzt wird, profitieren.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

Experian (3-Jahres-Trendstabilität 13,05)

Daten sind heute der Rohstoff, mit dem jedes Unternehmen in der Welt heute in irgendeiner Weise Handel betreibt. Richtig zu Bewusstsein ist das vielen Kunden allerdings erst mit dem Internetzeitalter und insbesondere mit den sozialen Netzwerken geworden. Ob Suchmaschinen wie Google (Alphabet), Großhändler wie Amazon oder Spediteure wie Paketdienste oder die Postunternehmen: Alle sammeln Daten, um diese an kleinere Unternehmen oder Kunden weiter zu verkaufen. Datengesetze haben diesen Handel in jüngster Zeit schon etwas reguliert, doch die Begehrlichkeiten bleiben. Das 125 Jahre alte, britische Unternehmen Experian mit Sitz im irischen Dublin hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Unternehmen durch Daten- und Analysetools den Umgang mit seinen bestehenden und künftigen Kunden zu optimieren. Das beginnt bei Marketingmaßnahmen, die mit Hilfe von Experian und seiner 16.500 Mitarbeiter in 39 Ländern gezielter gesetzt werden sollen, läuft über Sicherheitsmaßnahmen vor Betrug und wird auch durch die Installation eines Bonitätssystems zur Kreditbeurteilung des eigenen Kundenstammes ergänzt. Experian ist global auf allen Kontinenten in mehr als 90 Ländern tätig, wobei die wichtigsten Absatzmärkte die USA, Europa und Asien sind. Im Herbst 2015 wurde man selber Opfer eines Hackerangriffs, der mehr als 15 Mio. Kunden betraf.

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Kaum eine Branche ist in den vergangenen 10 Jahren stärker gefragt gewesen, als jene die sich umfassend mit Datenanalyse und -sicherheit beschäftigt hat. Experian gehört neben Equifax und Transunion zu den großen drei der Branche. Da es im Rennen um die Besetzung der Märkte aber auch um eine gewisse, kritische Größe geht, gehört es zur Strategie der Briten auch verstärkt durch Zukäufe zu wachsen. Daher kommen zwischen stärkeren Gewinnwachstumsjahren auch immer wieder einige mit Verlusten dazwischen. Beim Umsatz hingegen ging es im Schnitt der vergangenen 7 Jahre um 5 % nach oben. Auch im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2018/19 (endete am 30.9.2018) lief es für Experian sehr gut, der Umsatz konnte um 9 % auf 2,4 Mrd. USD gesteigert werden, der Nettogewinn kletterte auch durch Zukäufe um 6 % auf 580 Mio. USD. Für 2019 geht das Management wegen des Starts neuer Online-Plattformen im B2B-Bereich von einer Zunahme der Wachstumsdynamik vor allem in den USA aus, die rund 60 % des Gesamtumsatzes tragen. Der Durchschnitt der Analysten rechnet bis 2021 mit einem Umsatzwachstum von 7,5 % und einem Gewinnplus von 12 %. Die KGV für 2019/20 von 24 und 21,5 liegen noch im Rahmen einer fairen Bewertung.

Anglo American (3-Jahres-Trendstabilität 10,93)

Auch wenn die Rohstoffpreise momentan keine einheitliche Bewegungsrichtung kennen: Für die Minenbetreiber lohnt sich das Geschäft fast immer. Insbesondere jene Konzerne, die breiter aufgestellt sind, finden sich in unsicheren Börsenzeiten, in denen zudem meist Gold und Silber profitieren, auf den Zetteln der Investoren. Der 1917 gegründete und in London und Johannesburg ansässige britische Konzern Anglo American ist mit der Erschließung von Gold-, Platin- und Kupferminen in Afrika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts groß geworden. Hinzu kam der Diamantenhandel auf dem schwarzen Kontinent, der dem Unternehmen große Gewinne bescherte. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs der Konzern dann zusätzlich mit Rohstoffen im verarbeitenden Gewerbe wie Kohle, Eisenerz, Nickel und Mangan sowie der Gründung des Papier- und Verpackungsherstellers Mondi. Mit dem deutlichen Fall der Rohstoffpreise und sinkender Nachfrage baute der Konzern Mitte dieses Jahrzehnts zwei Drittel seines Personals ab und trennte sich von einigen Platin- und Kupferbergwerken. Aktuell konzentriert sich das Unternehmen darauf, seine Profitabilität durch die Straffung der Organisation und die Konzentration auf große Absatzmärkte in Nordamerika, Asien, Afrika, Südamerika und Australien zu erhöhen. Nach den Krisen- und Umbaujahren 2014/15 scheint dies trotz schwächerer Wirtschaftsentwicklung in China ganz gut zu gelingen.

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Wie bereits erwähnt hat der Absturz der Rohstoffpreise nach der Hausse zum Ende des vergangenen Jahrzehnts auch die Briten nicht unberührt gelassen. Nach den starken Einschnitten 2015/16 folgten den deutlichen Verlusten und Umsatzrückgängen in den vergangenen zwei Jahren wieder starke Zuwächse auf fast allen Ebenen. Allerdings ist ein Großteil der Gewinne auch auf starke Kosteneinsparungen zurückzuführen. Im ersten Halbjahr 2018 konnte der Konzern den positiven Trend der Jahre 2016/17 in jedem Fall fortsetzen. Zwar fiel der Umsatz wegen einiger Verkäufe erwartungsgemäß um 2,2 % auf 13,7 Mrd. USD, der Nettogewinn legte dafür aber um 11 % auf 4,6 Mrd. zu. Die Nettoverschuldung wurde um 11 % auf 4 Mrd. USD verringert, der Cash-Flow stieg um 23 % auf 1,6 Mrd. USD. Die EBITDA-Marge, die in den vergangenen 6 Jahren um 11 % auf 41 % verbessert wurde, soll bis 2022 um weitere 5 bis 10 % steigen. Insbesondere Investitionen bei der Automation in der Minenbewirtschaftung und in der Erschließung von Kupfer- und Diamantenvorkommen sollen dazu beitragen. Der Durchschnitt der Analysten erwartet bis 2022 ein Umsatzwachstum von 1,5 % und kaum Gewinnzuwächse. Attraktiv dürfte alleine die Dividendenrendite von im Schnitt 4,5 % sein. Die KGV für 2019/20 von 9,2 und 10,4 sind entsprechend niedrig.
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