Zwei der trendstabilsten Aktien aus der Global Trend Following-Liste Frankreich 300

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Nach dem Hickhack um die kurzfristige Finanzierung des öffentlichen Lebens in den USA, scheint die Wertschätzung Europas nach dem enttäuschenden Börsenjahr 2018 zumindest zu Jahresbeginn wieder zugelegt zu haben. Zwar sind die wirtschaftlichen und politischen Probleme 2019 die gleichen wie 2018, aber eben auch andere Teile der Welt kämpfen mit diesen und eben nicht nur Europa. Immerhin blickt der DAX seit Jahresbeginn auf ein stolzes Plus von 7 %, der CAC 40 auf +4,1 %, der italienische MIB 30 auf +8,1 %, der EuroStoxx 50 auf +5,4 % und der IBEX 35 auf +7,6 % zurück. Nur der FTSE 100 scheint mit dem Brexit noch kurzfristig am Boden festgebunden zu sein. Zum Vergleich: Der Dow Jones mit +6 % und der Nasdaq mit +7,2 % haben sich, wie Anfang des Jahres erwähnt, nicht stark vom „Shutdown“ beeindrucken lassen. Und obwohl der IWF seine Wachstumsprognosen vergangene Woche, wie kurz zuvor schon die OECD, gesenkt hat, schadete das dem positiven Kurstrend nicht. Spannend wird es nun zum Monatsabschluss, denn eine statistisch zuverlässige Börsenregel besagt, dass so wie der Trend der Börsen im Januar verläuft, auch das Gesamtjahr sich entwickeln wird. Das heißt nun nicht, dass jeder Monat solche eine beeindruckende Performance wie der Januar haben wird, denn die Volatilität an den Märkten wird mit der Brexit-Gefahr wieder anziehen. Aber für überzogenen Pessimismus besteht auch kein Grund, wie z.B. der Blick auf Luxusgüteraktien zeigt. In der aktuellen Global Trend Following-Liste Frankreich 300 finden sich im vorderen Ranking zwei Titel, deren wieder anziehenden Trendstärke auch ein Grund zum Optimismus sein sollte.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

Christian Dior (3-Jahres-Trendstabilität 17,78)

Wenn man einen verlässlicheren Stimmungsindikator für den Stand der Weltwirtschaft sucht, dann ist man bei den sogenannten Luxusgüterherstellern fast immer ganz gut aufgehoben. Richtig schwer erwischt hat es die Unternehmen zum letzten Mal in der Finanzkrise 2008/09. Allerdings gehörten die Konzerne auch zu den ersten, die eine Überwindung der Krise mit steigenden Kursen anzeigten. Zu den festen Größen unter den internationalen Labels gehört Christian Dior. Der Namensgeber gründete das Modeunternehmen 1947 in Paris kurz nach dem 2. Weltkrieg zu Zeiten, als noch kaum jemand an Haute-Couture-Mode in Europa zu denken wagte. Ziel von Dior war es vor allem, den Frauen nach dem diktierten Uniform-Look der Kriegsjahre rasch wieder ein Angebot an eleganter, femininer Mode vorzulegen. Mit seinen Kollektionen in den Fünfziger Jahre konnte er vor allem im großen US-Markt punkten, bevor sich der Erfolg dann später auch im wirtschaftlich erholten Europa einstellte. Das Angebotsportfolio geht heute weit über die Haute-Couture-Mode hinaus und umfasst Schuhe, Handtaschen, Herren- und Babykleidung sowie eine Fülle von Accessoires wie Uhren, Schmuck, Parfüm, Brillen, Kosmetik und Lederwaren. Neben der Kooperation mit Edel-Boutiquen und Premium-Kaufhäusern wie z.B. dem Londoner Harrods, verfügt der Konzern auch über 190 eigene Boutiquen, vorrangig in den Metropolen der Welt und an exquisiten Lifestyle-Urlaubsorten. Die Exklusivität bleibt auch weiterhin der strategische Hauptpunkt, um den sich auch die Höhe des Preisniveaus und damit der sehr auskömmlichem Margen dreht.

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Umsatz- und Gewinnentwicklung des Unternehmens haben sich in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich im hohen einstelligen Plusbereich bewegt. Zudem sorgt die knapp 40prozentige Beteiligung am Luxusgüterkonzern LVMH für eine beruhigende Rückversicherung in schlechten Zeiten. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2018/19 gewann der Aufwärtstrend etwas an Dynamik. Während der Konzernumsatz um 5 % auf 21,8 Mrd. € zulegte, schoss der Nettogewinn um 24 % auf 4,6 Mrd. € nach oben. Vor allem die neue Kollektion der Modemarke Christian Dior, die hohe Nachfrage bei der Uhrenmarke Bulgari und der sehr starke Aufwärtsschub bei der Kosmetikkette Sephora sorgten für das überzeugend gute Ergebnis. Die operative Marge stieg um 3,3 % auf 21,3 %. Bis 2020 rechnet der Durchschnitt der Analysten mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 6-7 % und einen Gewinnzuwachs von 10 %. Die 2019/20er KGVs von 31 und 29 bedeuten eine stolze, aber noch nicht überzogene Bewertung.

Kering (3-Jahres-Trendstabilität 15,13)

Unter dem heute bekannten Namen firmiert das Unternehmen erst seit 2013, 50 Jahre zuvor wurde der Konzern von Francois Pinault noch mit seinen Ursprüngen in der Holz- und Baustoffbranche gegründet. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann zunächst der Wandel hin zu einem Konzern mit Schwerpunkt Einzelhandel und Handel. Mitte der Neunziger Jahre kaufte Pinault die Handelsunternehmen Printemps und La Redoute, ergänzt wenig später um den Einzelhandelskonzern Fnac (die Gruppe wurde später in PPR umbenannt und bekannt). Zu Beginn des Jahrtausends schließlich entdeckte Pinault sein Interesse für Luxusmarken wie Gucci, Yves Saint Laurent und Boucheron, mit denen er höhere Margen erzielen konnte. 2006 begann er dann sein Portfolio endgültig in Richtung eines Luxusgüterkonzerns umzubauen und trennte sich teilweise wieder von den zuvor erworbenen Einzelhändlermarken wie Printemps. Heute umfassen neben den drei genannten Luxusmarken weitere Labels wie Bottega Veneta, Alexander, McQueen oder Brioni das Portfolio des Konzerns. Hinzu kommen lukrative kleinere Beteiligungen wie jene am Sportartikelkonzern Puma. Nach strategischen Gesichtspunkten will sich das Unternehmen aktuell auf die Profitabilität seiner Kernmarken konzentrieren und vor allem den asiatischen Wachstumsmarkt stärker ins Visier nehmen.

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Nach Jahren des Wachstums und der Expansion durch Zukäufe hat Kering mit der Umbenennung des Unternehmens 2013 begonnen sein Portfolio zu straffen und zahlreiche Labels zu verkaufen oder die Mehranteile wie bei Puma auf ein überschaubares Maß reduziert. Das hat zu einem deutlichen Wertzuwachs an der Börse geführt, der Konzern fuhr über die vergangen vier Jahre wieder deutlich steigende Ergebnisse ein. Auch die Umsätze kletterten trotz eines reduzierten Markenangebots im niedrigen, prozentualen zweistelligen Bereich nach oben. Dieser dynamische Trend hielt auch im ersten Halbjahr 2018 an, denn der Umsatz wuchs um 26,8 % auf einen neuen Rekordwert von 6,4 Mrd. €, der Nettogewinn stieg um 53,1 % auf 1,78 Mrd. €. Besonders starke Zuwächse von 45 % und 38 % verzeichneten die Märkte in den USA und Asien, der zweitwichtigste Markt Europa legte immerhin noch um 25 % zu. Für das Gesamtjahr 2018/19 geht das Management von einer Fortsetzung dieses positiven Trends in der Größenordnung des Ergebnisses des ersten Halbjahres aus. Bis 2025 plant man vor allem weiteres, organisches Wachstum durch stärkere Kooperationen und höhere Qualitätsstandards zu erreichen. Die aktuellen durchschnittlichen Schätzungen der Analysten erwarten bis 2022 ein kontinuierlich starkes Wachstum. Der Umsatzzuwachs soll bei 7 bis 8 % liegen, das Plus beim Nettoergebnis zwischen 9 bis 11 %. Mit KGVs für 2019/20 von 19,8 und 17,7 ist die Aktie ein fast noch günstiges Investment.
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