Zwei Top-Aktien aus der Global Trend Following-Liste Europa 500

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US- Präsident Donald Trump polarisiert gerne. Kompromisse sind sein Ding eher nicht und so geht er gerne regelmäßig auf Konfrontationskurs, wenn von ihm gewünschte Lösungen für Konflikte nicht schnell genug sichtbar sind. Das ist bei den hoch gekochten Handelskonflikten mit China und der EU genauso wie bei innenpolitischen Themen wie der Gesundheitsreform Obamas oder der Politik der US-Notenbank. Letztere bedrängt er nicht nur mit einer Zinswende, sondern er bemüht sich auch ihm genehmes Personal in die Entscheidungspositionen zu hieven. Unter normalen Umständen müsste dies den US-Dollar eigentlich schwächen, doch das Gegenteil ist aktuell der Fall. Gegenüber dem Euro bewegt sich der US-Dollar wieder besonders rasch auf die Marke von 1,10 $ und könnte zudem bald die Tiefpunkte von 2016 um 1,06 $ testen. Für die vor sich hin schwächelnde europäische und insbesondere deutsche Wirtschaft ist diese Entwicklung eine Art Konjunkturprogramm. Mit einer schwachen heimischen Währung lassen sich mehr Produkte ins Ausland verkaufen, vor allem die konsumfreudigen US-Bürger werden dann gerne auf europäische Produkte zugreifen. Für die europäischen Aktienbörsen ist diese Entwicklung natürlich höchst willkommen und so erklärt sich auch, warum es gerade im DAX eine so ausgeprägte Rally gibt. In der aktuellen Global Trend Following-Liste Europa 500 finden sich diesbezüglich bereits einige Titel wie Luxusgüterhersteller mit besonderer Trendstärke. Zudem haben wir ein Blick auf einen robusten Titel aus der Sicherheitstechnik geworfen.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

Halma PLC (3-Jahres-Trendstabilität 17,83)

Das Thema Sicherheitstechnik steht in allen Branchen seit der Zunahme von Cyberattacken auf der Tagesordnung. Viele Unternehmen, die sich heute in dieser Branche tummeln, haben ihre Wurzeln zum großen Teil in ganz anderen Bereichen. Der britische Konzern Halma, der 1894 in Indien gegründet wurde, handelte zunächst mit Tee aus Sri Lanka, konzentrierte sich später auf den Handel mit Gummi und veränderte seine Struktur in Richtung Technologiekonzern erst im Laufe der Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Mit zahlreichen Zukäufen in den Bereichen Mechanik und Elektronik wurde die Grundlage für das heutige Unternehmen geschaffen. Der Konzern unterteilt sich in vier Kernsektoren zum Thema Sicherheit: Prozesstechnik, Infrastruktur, Medizin sowie Umwelt und Analyse. Den höchsten Umsatzanteil verzeichnet Halma mit rund einem Viertel im Bereich Gebäudesicherheit, wozu neben Feuerdetektoren und Rauchmeldern auch Tür- und Fahrstuhlsensoren gehören. Wachsende Bedeutung hat für Halma auch der Sektor Medizin- und Wissenschaftstechnik, für den man insbesondere in der Augenmedizin optische Messgeräte produziert. Mit knapp 10 % Umsatzanteil gehört die Umwelttechnik mit Mess-und Kontrollgeräten vor allem in der Wasseraufbereitung- und -verteilung ebenfalls zu einem wichtigen Geschäftsteil. Zur Strategie der Briten gehört neben einer Forcierung des organischen Wachstums auch der Zukauf kleinerer, innovativer Firmen. So wurden seit 2010 insgesamt 20 Unternehmen übernommen, zuletzt vermehrt Hersteller von spezieller Mikroelektronik oder Entwickler von optischen Spezialgeräten. Zumeist behalten die übernommenen Firmen ihren Namen und werden als Tochtergesellschaften weitergeführt. Daher gehören zum Unternehmensimperium mittlerweile auch mehr als 50 Tochterunternehmen mit 6340 Mitarbeitern. Auch für die Zukunft sollen Zukäufe ein fester Bestandteil der Wachstumsstrategie bleiben, allerdings sollen durch die Koordination der Entwicklungsarbeiten vor allem mit eigenen neuen Produkten höhere Zuwächse bei Umsatz und Gewinn geschaffen werden.

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Das verstärkte Tempo der Übernahmen hat bei Halma seit 2015 auch das Umsatzwachstum forciert. Lag es in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts noch zwischen 8 und 9 % im jährlichen Durchschnitt, hat es sich auf 11,6 % in der zweiten Hälfte erhöht. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Gewinn, wobei das Plus in der zweiten Jahrzehnthälfte sogar bei jährlich 14 % im Schnitt lag. Im Geschäftsjahr 2018 konnte der Umsatz um 11,9 % auf 1,08 Mrd. GPB gesteigert werden, während der Nettogewinn um 18,9 % auf 154,2 Mio. GPB zulegte. Stärkste Wachstumsregion für die Briten waren der Heimatmarkt Großbritannien und vor allem die USA. Die größten Wachstumsimpulse kamen aus dem Sektor Medizintechnik. Für die Aktionäre bedeutete das im Ergebnis eine überdurchschnittliche Wertsteigerung ihres Investments, denn sie erhalten seit 39 Jahren eine jährlich steigende Dividende, die immer mindestens 5 % betrug. Bis 2022 rechnet der Durchschnitt der Analysten mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 9 % und einen Gewinnzuwachs von 8 %. Mit 2019/20er KGVs von 35,3 und 32,5 ist die Bewertung sicher nicht mehr günstig, aber noch vertretbar, insbesondere dann, wenn die Wachstumsstory sich weiter so entwickelt wie aktuell.

Hermes International (3-Jahres-Trendstabilität 17,82)

Bei dem Blick auf unsere Trendfolgelisten fällt immer wieder auf, dass sich die Aktien von Luxusgüterherstellern derzeit die Türklinke in die Hand geben. Mit dem Pariser Edellabel Hermes findet sich aktuell wieder ein illustrer Name ganz vorne im Ranking. Das 182 Jahre alte Unternehmen begann mit der Lederverarbeitung hauptsächlich für Reitsättel. Übertragen auf die heutige Zeit war das Unternehmen so etwas wie ein „Automobilzulieferer“, denn die Pferde waren das individuelle Transportmittel der damaligen Zeit. Mit dem Wechsel zum Auto weg vom Pferd als wichtigstes Transportmittel orientierte sich Hermes zur vorletzten Jahrhundertwende um. Man begann verstärkt erfolgreich auf die Produktion von hochwertigen Koffern und Handtaschen zu setzen. Die Produktion eigner Parfüms folgte für die Damen in den Fünfziger und für die Herren in den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, hinzu kam durch die Akquisition einer britischen Schuhherstellers ein Schuhsortiment. Umstrukturierung und Verjüngung des Unternehmens in den Achtziger Jahren gingen einher mit der Erweiterung des Sortiments auf hochwertige Uhren einher. Zahlreiche Accessoires wie Handschuhe, Krawatten, Seidenschals, Porzellan und Schmuck ließen schließlich den Umsatz stark in die Höhe schnellen. Heute gehören die Franzosen zu den großen Luxusgüterkonzernen der Welt. Die Unternehmerfamilie Hermes verfügt über eine Holding über eine Mehrheit von 50,2 % an ihrem Konzern, um feindliche Übernahmen (wie sie sich vor knapp 15 Jahren durch den Wettbewerber LVMH anbahnte) abwehren zu können. Zwar wird das Angebotsportfolio an hochwertigen Luxusgütern unter dem Label Hermes immer mal wieder ergänzt, aber beim Wachstum setzt das Management hauptsächlich auf den Wert der Marke, eigene auffällige Designs und die damit verbundene Preissetzungsmacht. Unterstützt wird das Ganze durch ein weltweit eignes Filialnetzwerk mit über 300 Boutiquen an ausgesuchten Orten, insgesamt arbeiten knapp 14.300 Mitarbeiter für den Konzern.

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Obwohl Hermes ein französisch europäischer Hersteller ist, setzen sich dessen Produkte besonders gut in den Regionen mit vielen Millionären und Milliardären ab, also vor allem in den USA und China, aber auch den Rest Asien. Das Umsatzwachstum betrug im Schnitt der vergangenen fünf Jahre 7,5 %, vernachlässigt man einen positiven Ausrutscher 2015 mit einem Plus von 17,6 %. Gute Zuwächse verzeichnete man auch beim Gewinnanstieg, der im jährlichen Durchschnitt auf ein Plus von 11,5 % kam. Die Ergebnisse des Jahres 2018 lagen im Trend der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre. Beim Umsatz verzeichnete der Konzern ein Plus von 10 % auf 5,97 Mrd. €, der Nettogewinn stieg um 15 % auf 1,4 Mrd. €. Herausragend war der Zuwachs der Umsätze in Asien mit +12 % und +11,5 % in den USA, während Europa einen Zuwachs von 7 % zu verzeichnen hatte. Zudem hat Hermes in China im Oktober 2018 seine eigene chinesische Online-Plattform hochgefahren, 2019 soll Japan folgen. China und Japan zeichnen für die Hälfte der Gesamtumsätze der Franzosen verantwortlich. Beim Ausblick für 2019 kalkuliert das Management mit Zuwächsen in der Größenordnung des Vorjahres. Analysten gehen im Durchschnitt von einem Umsatzzuwachs von 9 % und einem Plus beim Nettoergebnis zwischen 6 und 7 % bis 2021 aus. Mit 2019/20 KGVs von 42,9 und 39,1 ist die Aktie auf einem anspruchsvollen Niveau bewertet, dennoch sind noch positive Überraschungen denkbar.
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