Zwei Top-Werte aus der Global Trend Following-Liste USA 1000

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Wenn Donald Trump als US-Präsident nicht im Weißen Haus säße, würde die Börsenwelt irgendwie langweiliger aussehen. Gerade erst bejubelte die Börse die US-Mai-Arbeitsmarktdaten, da schüttet der Präsident wieder Wasser in den Wein und droht mit höheren Zöllen im Handelskonflikt mit China. Es scheint so, als habe Trump auf die niedrigen Levels der Volatilitäts-Indizes der Börsen weltweit geschaut und ist zu dem Schluss gekommen, es müsse mal wieder etwas Spannung erzeugt werden. Ganz so schlecht ist das nicht, denn je überhitzter ein Aufwärtstrend zu werden droht, desto heftiger der folgende Absturz. Insbesondere bei den Technologieaktien, die von einem Allzeithoch zum Nächsten eilen, dürfte eine kleine Konsolidierung nicht schaden. Solange der Nasdaq-100-Index nicht deutlich unter sein ehemaliges Allzeithoch bei 7660 Punkten zurückfällt, dürfte sich die Neubewertung dieses Sektors bis zum Hochsommer fortsetzen. Im Vorfeld eines Präsidentschaftswahljahres in den USA folgt zumeist im Herbst eine gewisse Stagnation an den Börsen. Allerdings bestätigen die Ausnahmen die Regel, die trendstarken Werte werden sicher besser abschneiden als der Durchschnitt. Wir haben aus unserer Global Trend Following-Liste USA 1000 zwei Titel ausgewählt, die schon länger durch ihre besondere Trendstärke positiv auffallen.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

Roper Technologies (3-Jahres-Trendstabilität 19,18)

Industriegüterkonzerne werden ob der unterdurchschnittlichen Performance an der Börse bei so bekannten Namen wie Siemens oder General Electric eher skeptisch bei den Investoren gesehen. Ein Beispiel für eine mehr als auskömmliche Aktienkursentwicklung bietet der US-Konzern Roper Technologies. Das Unternehmen bedient Nischenmärkte in der industriellen Fertigung und hat sich so die Flexibilität erhalten, die den großen Konkurrenten derzeit fehlt. Roper unterteilt sich in vier Geschäftsbereiche. Die Medizinsparte des am Ende des 18. Jahrhunderts gegründeten Konzerns, der in Sarasota, Florida ansässig ist, entwickelt Software für medizinische Anwendungen und digitale Bildgebungsverfahren. Im Netzwerk und Software-Segment werden Hochfrequenz-Identifikation-Lösungen für Maut- und Verkehrssysteme, Kartensysteme sowie Fernüberwachungen hergestellt. Die Prozesstechnologiesparte produziert Pumpen und Messgeräte und das Messgeräte- und Analysesegment fertigt Steuerungssysteme, die u.a Flüssigkeiten analysieren. Um nicht in die Gefahr zu geraten, zu zentralistisch wie die großen Industriekonzerne zu agieren, hat Roper einen großen Teil seiner operativen Geschäfte in derzeit 13 Tochtergesellschaften aufgeteilt. Seit 2001 wurde mehr als die Hälfte des Umsatzes durch Zukäufe erzielt, für die Roper mehr als 4 Mrd. USD investiert hat. Insbesondere im Softwarebereich schaut sich der Konzern aus dem Sunshine-State nach regelmäßig passenden Ergänzungen um. Der jüngste Zukauf erfolgte Mitte März mit dem britischen Hersteller von Visualisierungssoftware, Foundry. Das Unternehmen wurde für 410 Mio. GBP in bar übernommen und seine Produkte sind besonders bei Software-Designern und der Entertainmentindustrie gefragt. Weitere Übernahmen stehen zu erwarten, wobei Roper vor allem seine Cash-Reserven zum Einsatz bringt und weiter auf vielversprechende Nischenprodukte setzen will.


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Wachstum durch Akquisen kann mit der richtigen, konsequent umgesetzten Strategie auch für die Aktionäre sehr lukrativ sein. Seit 2012 weist Roper ein durchschnittliches jährliches Dividendenplus von 19 bis 20 % aus. In der gleichen Zeit kam der Konzern auf ein durchschnittliches jährliches Nettogewinnplus von 13,5 %. Seit 2012 konnte der Umsatz im Durchschnitt um 11,5 % gesteigert werden. Das 2018er Ergebnis fiel mit einem Gewinnplus von 15,8 Prozent besonders stark aus und auch die Tendenz für 2019 deutet auf uneingeschränkte Aufwärtsdynamik hin. Im 1. Fiskalquartal 2019 stieg der Umsatz um 7 % auf ein neues Rekordniveau von 1,29 Mrd. USD. Der Nettogewinn schoss um 43,8 % auf 369,6 Mio. USD nach oben. Insbesondere der Software- und Netzwerkbereich trugen zu den Gewinnanstieg bei. Der Cash-Flow legte um 17 % auf 330 Mio. USD zu, so das man auch 2019 über genügend liquide Mittel verfügt, um gezielte Zukäufe durchzuführen. Die Hauptstrategie bleibt durch den Ausbau der Softwaresparte und der Ergänzung mit verwandten Sektoren weiteres, überdurchschnittliches organisches Wachstum zu erzeugen. Bis 2022 gehen die Schätzungen der Analysten von einem jährlichen, durchschnittlichen Gewinnwachstum von 9 % aus, der Nettogewinn soll im Durchschnitt bei 11 % liegen. Mit 2019/20er KGVs von 28,2 und 27,7 ist die Aktie derzeit fair bewertet.

VMware (3-Jahres-Trendstabilität 18,87)

Mit Software hat auch der 1998 in Kalifornien gegründete IT-Spezialist VMware zu tun. Das in Palo Alto ansässige Unternehmen bietet seinen mehr als 500.000 Kunden Lösungen in den Bereichen der Virtualisierung, der Cloud-Infrastruktur und dazugehörigen Dienstleistungen. Hauptumsatzträger der Kalifornier, die rund 24.400 Mitarbeiter beschäftigen, ist die VMware Workstation, die Desktop-Umgebungen mit anderen Betriebssystemen (Gastsysteme) bereitstellt, ohne dass das System neu gestartet werden muss. Ende 2016 fusionierte der Mutterkonzern EMC mit dem Computerhersteller Dell. Unter dem Dach der neuen Muttergesellschaft Dell Technologies baut VMware seine Angebotspalette weiter aus. Vor allem Oracle und Microsoft bemühen sich den Kaliforniern mit eignen Produkten Paroli zu bieten, so dass der Konzern sich zunehmend auch im Auf- und Ausbau von Cloud-Lösungen engagiert hat. Mit Vsphere und VMware Enterprise PKS bietet man den Unternehmenskunden die Möglichkeit, Datencenter und Cloud-Infrastruktur individuell auf eigene Bedürfnisse abzustimmen. Darüber hinaus baut man auch die Angebote in den Bereichen Netzwerkverwaltung und Netzwerksicherheit aus und fördert über eine Cloud Management-Platform den interaktiven Austausch, um eigene technologische Entwicklungen weiter zu beschleunigen. Aufgrund steigender Datenmengen bietet die Virtualisierung für viele Unternehmen eine perfekte, kostengünstige Lösung zur Verwaltung, da man die Ressourcen eines größeren Cloud-Servers auf mehrere Kunden verteilen kann.

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VMware kann man getrost als Edelstein für Dell Technologies bezeichnen. Auch wenn das Unternehmen durch die EMC-Übernahme erst seit 3 Jahren zu Dell gehört, ist die Wachstumsstory beeindruckend. Das durchschnittliche jährliche Umsatzwachstum betrug seit 2012 rund 12,5 %, das Gewinnplus auf gleicher Basis lag bei 16,5 %. Auch im (nach eigener Rechnung) Geschäftsjahr 2019 setzte sich der Aufwärtstrend weiter fort. Das Umsatzplus betrug 14 % auf 8,98 Mrd. USD, der Nettogewinn stieg um 267 % auf 2,42 Mrd. USD, was einem Sonderertrag an einer Beteiligung geschuldet war. Das operative Gewinnplus betrug 20 %. Das Management geht für 2019 unverändert von einer weiter steigenden Nachfrage für seine Produkte, vor allem im Bereich Cloudinfrastruktur und zugehörige Dienstleistungen, aus. Zudem rechnet man mit deutlich höheren Einnahmen bei den Lizenzgebühren. Der Durchschnitt der Analystenschätzungen teilt diesen Optimismus, denn die Prognosen bis 2024 rechnen bei den Umsätzen mit einem jährlichen, durchschnittlichen Plus von 8 bis 9 %, der Nettogewinn soll im selben Zeitraum um rund 10 % zulegen. Gemessen an der Entwicklung der vergangenen sieben Jahre sind diese Schätzungen eher konservativ. Die KGVs für 2019/20 liegen bei 27,3 und 24, was im Allgemeinen eine anspruchsvolle Bewertung darstellt. Für einen Technologiewert dieser Güte ist dies allerdings eine eher noch günstige Bewertung.
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