Zwei Top-Werte aus der Global Trend Following-Liste USA 1000

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Die US-Berichtssaison für das 4. Quartal 2018 kommt jetzt erst in den beiden nächsten Wochen so richtig in Fahrt. Nach der deutlichen Korrektur am US-Aktienmarkt zum Ende des vergangenen Jahres sind auch die Erwartungen der Analysten deutlich gesunken. Ging der Durchschnitt der Zunft noch zur Mitte des 4. Quartals von einem Gewinnplus der S&P 500 - Unternehmen von rund 15 % aus, so sind es aktuell nur noch 11 %. Das dies zunächst nicht für solche Stars wie Netflix galt, führte zu einer entsprechend verhaltenen Reaktion der Anleger nach der Vorlage der Zahlen des Unternehmens am vergangenen Donnerstag. Nach einem Kursplus von mehr als 50 % in nur drei Wochen ist das allerdings auch nicht verwunderlich. Hingegen durften sich Anleger bei Goldman Sachs über ein Plus von gut 20 % in nur drei Handelstagen nach Vorlage der Zahlen freuen. Spannend dürfte es auch bei den anderen Blue-Chips wie Amazon und Apple werden, denn auch hier sind die Erwartungen mittlerweile deutlich zurückgenommen worden. Sollte sich im US-Haushaltsstreit in dieser Woche eine Lösung abzeichnen, dürfte dies sicher auch unseren beiden Werten aus der Global Trend Following-Liste USA 1000 zugute kommen, deren Trendstärke im Januar auch schon wieder an Fahrt aufgenommen hat.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

PayPal (3-Jahres-Trendstabilität 17,23)

Aktien von klassischen Banken haben das Jahr 2019 in der Regel so begonnen wie sie es 2018 beendet haben, nämlich mit sinkenden Kursen. Ausnahmen boten nur Spezialanbieter wie Goldman Sachs als typischer Investmentbanker oder die neuen Finanzdienstleister wie PayPal, die mit ihren alternativen Zahlungssystemen die Axt an eine der Säulen des klassischen Bankensystems gelegt haben. Das im Dezember 1998 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz im kalifornischen San Jose ist der Betreiber des gleichnamigen Online-Bezahlsystems, das für Zahlungen in über 100 Währungen genutzt wird. Aktuell hat PayPal 254 Mio. aktive Nutzer in 200 Märkten und damit rund 15 % mehr als vor einem Jahr, die Kunden-Wachstumsrate betrug im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre mehr als 10 %. Zudem können die von 18.700 Mitarbeitern betreuten Nutzer Geld in 56 Währungen abheben und ihre PayPal-Konten in 25 verschiedenen Währungen führen. Ursprünglich gehörte der Konzern zum Online-Händler ebay, der sich mit dem Kauf des Zahlungsanbieters 2002 mehr Flexibilität und ein höheres Tempo bei Kundenzahlungen geschaffen hat. PayPal, das seit 2015 an der Nasdaq notiert, hat besonders in den vergangenen 2 Jahren die Anzahl seiner strategischen Partnerschaften mit anderen Finanzdienstleistern und Kreditkartenanbietern wie z.B. der Citibank, Discover oder auch Fidelity stark ausgebaut. Zugleich will man den Kreditkartenanbietern durch eigene Angebote mehr Konkurrenz bieten. Hierzu wurde der schwedische Anbieter iZettle im Mai 2018 für 2,2 Mrd. USD übernommen, der es auch privaten Nutzern ermöglicht, mit einem kleinen mobilen Terminal Kreditkartenanzahlungen anzunehmen und günstig abzuwickeln.

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Nicht immer lässt sich Erfolg am Aktienkurs ablesen, bei PayPal ist dies allerdings unzweifelhaft der Fall. In den vergangenen fünf Jahren wuchs der Umsatz des Unternehmens im Durchschnitt nahezu um 20 %, beim Nettoergebnis waren es immerhin 22,5 %. Die Wachstumsdynamik zeigt sich auch bei dem Zahlen zum 3. Quartal des aktuellen Geschäftsjahres ungebrochen. Das Erlösplus betrug 14 % auf 3,7 Mrd. USD. Starkes Wachstum verzeichnete man im US-Heimatmarkt und in Europa. Es wurden mit 2,5 Mrd. Kunden-Transaktionen 27 % mehr abgewickelt als noch vor einem Jahr. Die operative Marge stieg um 1,5 % auf 21,4 %. Der Nettogewinn schoss um 24 % auf 694 Mio. USD nach oben. Weiteres Wachstum verspricht man sich von neu ausverhandelten strategischen Partnerschaften mit dem Kreditkartenanbieter American Express und der Supermarktkette Walmart. Bis 2022 erwarten Analysten im Durchschnitt ein jährliches Umsatzwachstum zwischen 20 und 23 % und ein jährliches Gewinnwachstum zwischen 21 und 25 %. Mit 2019/20er KGVs von 32 und 26 ist die Aktie natürlich nicht mehr günstig, aber auch noch nicht überzogen bewertet.

 

Arthur J. Gallagher (3-Jahres-Trendstabilität 17,03)

Das Unternehmen wurde 1927 von seinem Namensgeber in Chicago gegründet, hat seinen Firmensitz aber etwas außerhalb der Metropole in Rolling Meadows, Illinois. Die Hauptgeschäftsgebiete sind die Vermittlung eines umfassenden Versicherungsschutzes im Segment Schadens- und Unfallversicherung vor allem für Unternehmen und das Kleingewerbe sowie das Risiko Management. Zudem engagiert man sich mit knapp 30.000 Mitarbeitern stark im Geschäft mit der Gesundheitsversorge, privaten Krankenversicherungen sowie dem Aufbau privater Rentenversicherungen für die Mitarbeiter von Unternehmenskunden. Seit der Jahrtausendwende hat die internationale Expansion an Bedeutung für das Unternehmen gewonnen. So wurden Niederlassungen in Indien und Singapur auf- und ausgebaut, vor allem um das Geschäft mit dem Ankauf und dem Handel gebrauchter Versicherungsverträge anzukurbeln. In Europa startete man mit Beginn dieses Jahrzehnts mit dem Ausbau der Präsenz im angelsächsischen Raum, Großbritannien und Schottland tragen immerhin knapp ein Sechstel (USA: 80% %) zum Konzernumsatz bei. Erst vor rund drei Jahren kaufte sich der Konzern beim einem schwedischen Versicherungsmakler ein. Australien, Neuseeland und Kanada sind ebenfalls erst seit 3 Jahren in den Expansionsfokus der Amerikaner gerückt. International zählt Arthur J. Gallagher zu den Großen in der Branche und rangiert auf Platz 3 der weltweit größten Versicherungsmakler. Die Strategie des Wachstums durch gezielte Zukäufe will das Unternehmen auch in den kommenden Jahren fortsetzen, wobei der Digitalisierungsprozess dabei eine gewichtige Rolle einnehmen wird.


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Mit dem Tempo der internationalen Expansion kann Arthur J. Gallagher in den vergangenen fünf Jahren auf hohe Wachstumsraten zurückblicken. Im Schnitt legte der Umsatz um 19 % zu, der Nettogewinn stieg um 14 %. Im 3. Fiskalquartal 2018 konnte der Umsatz um 10,8 % auf 1,74 Mrd. USD. gesteigert werden, der Nettogewinn sank um 2,1 % auf 127,4 Mio. USD. Zu verdanken war dies vor allem dem regen Brokeragegeschäft, dass alleine 85 % des Umsatzes bei Arthur. J. Gallagher ausmacht. Die Hälfte des Umsatzanstiegs ging alleine auf Zukäufe zurück, denn im vergangenen Quartal hat man 10 kleinere Makler übernommen, insgesamt 29 in den ersten neun Monaten 2018, was auch etwas auf das Gewinnwachstum drückte. Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde aufgrund anhaltender Wachstumsdynamik bei Umsatz und Gewinn leicht angehoben. Die durchschnittliche Schätzung der Analysten erwartet bis 2022 ein jährliches Umsatzplus von 6 bis 7 % und ein Zuwachs beim Ergebnis je Aktie von 14 bis 15 %. Das 2019er KGV von 19 lässt angesichts der hohen Wachstumsfantasie daher durchaus noch Spielraum bei der Aktie nach oben.
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