TUI – Branchenführer ist nach Kurssturz eine Wette auf die Trendwende

Wenn die Nummer 1 in einem Wachstumsmarkt zweimal kurz hintereinander seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung schockt, gibt es nicht so wahnsinnig viele Überlegungen, die man als Anleger anstellen kann. Preisfrage Nummer 1 dürfte lauten: Wie kann es sein, dass der Marktführer in einem Wachstumsmarkt so ein mieses Geschäft hat auf einmal? Bekommt man darauf keine schlüssige Antwort, kann man sich noch Fragen stellen wie „Ist der Marktführer in dieser Branche womöglich nicht mehr lange die Nummer 1?“ Dann bietet sich noch an: Sind die Zeiten des Wachstums in der Branche zu Ende?

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man irgendwie wieder bei Frage Nummer 1 landet und sich damit auseinandersetzen muss, welche außergewöhnlichen Bedingungen dem Marktführer derzeit das Leben schwer machen. Im Fall der TUI Group steht die letzte Gewinnwarnung in direktem Zusammenhang mit dem Flugverbot für die Boeing-Maschinen des Typs 737 MAX. Der Touristikkonzern unterhält in Europa die größte Flotte dieser Flugzeuge. Daher rechne man aufgrund des Flugstopps laut Euro am Sonntag bei TUI mit außerordentlichen Belastungen von mindestens 200 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2019.

Allerdings erwarte TUI für das Gesamtjahr 2019 einen Rückgang beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von mindestens 17 %. Nach einem EBITA in Höhe von 1,2 Mrd. Euro in 2018 werde der Tourismuskonzern wohl „nur“ noch ein Ergebnis von knapp 1 Mrd. Euro realisieren. Ins Jahr gestartet sei TUI jedoch mit einer Prognose, die ein Plus von 10 % gegenüber dem Vorjahr bei der zentralen Finanzkennziffer in Aussicht gestellt habe.

Als wesentlichen Grund für diese Diskrepanz zwischen Prognose und Realität habe TUI-Chef Friedrich Joussen die eingetrübten Aussichten in der gesamten Touristikindustrie ausgemacht. Wobei man im Falle von TUI sicherlich berücksichtigen müsse, dass der Konzern mit 6 Mio. Kunden in Großbritannien unter der schwachen Währung im Königreich leide, dass durch den Brexit unter Druck gekommen sei. Ein weiterer Grund dürfte in der Erholung des Reiseziels Türkei zu finden sein. Denn TUI hatte in den letzten Jahren mit zahlreichen eigenen Hotels in anderen Mittelmeerregionen von der Buchungsschwäche für die Türkei profitiert.

Langfristig dürfe sich der Konzernumbau der letzten Jahre aber für TUI auszahlen. In der Amtszeit von Friedrich Joussen sei TUI vom reinen Urlaubsvermittler mit geringen Margen zu einem Reiseveranstalter mit eigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffen geworden. Die Wertschöpfungskette sei also viel größer als noch vor einigen Jahren. Außerdem unterscheide sich man hierdurch von der Konkurrenz aus dem Internet wie Expedia und Booking. Und das Hotel- und Kreuzfahrtgeschäft sei mit einem Anteil von 70 % des letzten Jahresergebnisses die goldene Kuh im Unternehmen.

In Zukunft wolle TUI dank Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz das Angebot für die Kunden noch viel individueller machen und maßgeschneiderte Zusatzangebote vertreiben. Konzernchef Joussen beziffere das Marktpotenzial dieses Geschäft mit mehr als 100 Mrd. Euro weltweit. Ein weiterer Clou: die hauseigenen touristischen Dienstleistungen dürften künftig auch über Fremdanbieter zu buchen sein. Dadurch erschließe sich TUI neue Kundengruppen. Kürzlich habe TUI bereits einen Großabnehmervertrag mit dem größten Reisevermittler Chinas, Ctrip, abgeschlossen, und wolle sich so einen Anteil am schnell wachsenden Tourismusmarkt im Reich der Mitte sichern.

Nach dem Kurseinbruch der Aktie und einer Kurshalbierung seit dem Hoch im Mai 2018 sei angesichts der weiterhin übergeordnet intakten Wachstumsperspektiven für den Marktführer im Sektor laut Euro am Sonntag für risikobereite Anleger nun der richtige Zeitpunkt für den Aufbau erster Positionen. Das Kursziel lautet 11 Euro (26 % Potenzial).

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Bildherkunft: TUI Group


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