Unerwartete Auferstehung nach zuversichtlichem Ausblick

Börse kann manchmal für Ausstehende oder Neulinge ganz schön verwirrend sein. Kursbewegungen sind oft nicht nachzuvollziehen. Es sieht nach Zufall bzw. Willkür aus. In dieser Berichtsaison ist z. B. zu beobachten, dass viele Unternehmen gute Quartalszahlen liefern und anschließend die Aktien einen Kursrückgang hinnehmen müssen. Das Gegenbeispiel lieferte in der letzten Handelswoche dann Tesla. Der E-Auto-Pionier tischte den Aktionären – mal wieder – ein neues Rekordminus auf und was macht die Aktie – sie legte einen kräftigen Kursanstieg aufs Parkett. Wie passt denn das zusammen?

Liebe Leute, an der Börse wird halt Zukunft gehandelt! Und Tesla-Chef Elon Musk versprach den Anlegern so viel Besserung, dass die auch gleich in vollen Zügen Aktien nachkauften. Ein ganz ähnliches Kunststück gelang in der letzten Woche auch dem deutschen Handelskonzern Metro. Der Konzern legte Zahlen für das 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2017/2018 vor, die alles andere als berauschend waren. Das MDAX-Unternehmen leidet ein Jahr nach der Aufspaltung der alten Metro in zwei eigenständige Konzerne (Metro und Ceconomy) immer noch unter Problemen beim Russland-Geschäft und bei der Supermarktkette Real.

Entsprechend trostlos fielen die Q3-Zahlen aus. Der Konzernumsatz gab im Jahresvergleich um 4 % auf 9 Mrd. Euro nach. Das operative Ergebnis (EBITDA) brach um 20,4 % auf 302 Mio. Euro ein. Grund dafür sei laut Euro am Sonntag in erster Linie die Kündigung des Tarifvertrags bei Real gewesen.

Dass die Aktie dennoch in der Spitze um 11 % zulegen konnte, lag daran, dass es dem Vorstand gelang, die ersten Anzeichen der Besserung im Russland-Geschäft hervorragend zu vermitteln. Das Engagement in Russland habe von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden. Metro habe sich dort mit seiner Preisstrategie verkalkuliert. Doch nach einem Umsatzrückgang von knapp 9 % im Vorquartal sei das Minus im jüngsten Quartal auf lediglich 3,2 % eingegrenzt worden.

Was den Anlegern gefiel: Konzernchef Olaf Koch sprach von einer kommenden Trendwende in Russland. Und das war Balsam auf die Ohren der Anleger, die im April noch die Kürzung der Jahresprognose hinnehmen mussten. Im Frühjahr hatte der fürs Russland-Geschäft zuständige Manager Pieter Boone seinen Job quittieren müssen. Seitdem habe der Konzern sowohl das Sortiment als auch seine Preispolitik in Russland geändert und ermutigende Zeichen der Trendwende erkennen können.

Keine Probleme habe Metro im Übrigen beim Großhandelsgeschäft der Cash & Carry-Märkte. Der Onlinehandel entwickle sich auch besser als erwartet. Daher habe der Konzern seine Jahresprognose von 0,5 % Umsatzwachstum für das Geschäftsjahr 2017/2018 auch laut Euro am Sonntag bestätigt. Die Börsenexperten raten spekulativen Anlegern mit einem Kursziel von 14 Euro auf die fundamentale Erholung bei Metro zu setzen (18 % Potenzial).

Viele andere Analysten haben nach den Quartalszahlen ihre Einschätzungen aktualisiert und fast alle sehen den Titel mit knapp 12 Euro fair bewertet (Kepler Cheuvreaux, Commerzbank, Deutsche Bank) oder bereits ein wenig überbewertet (Barclays, HSBC, Jefferies, DZ Bank).

Einen Ausreißer nach oben gibt es aber: Die Investmentbank Equinet bestätigte nach den Zahlen für das 3. Quartal sowohl das „Buy-Rating“ als auch das Kursziel von 17 Euro für den MDAX-Titel und sieht damit 43 % Potenzial. Auch Equinet-Analyst Christian Bruns lobte in erster Linie dabei die ermutigenden Signale im Russland-Geschäft des Handelskonzerns.

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