Der Value-Crack – Walther Schloss

Zitate Nick Thomas 778 Leser
Veteran, Multi-Millionär, Eigenbrötler – Walther Schloss ließ sich von niemandem etwas vormachen. Er lernte sein Handwerk von der Pike auf bei Ben Graham und teilte sich ein Büro mit Warren Buffett. Ab 1955 forderte er sein Glück im Alleingang heraus. Lesen Sie hier, was Walther Schloss daraus gemacht hat.

walther-schlossWalther Jerome Schloss wurde am 28. August 1916 in New York geboren. Er wuchs in einer jüdischen Kaufmannsfamilie auf. Seine Kindheit war wohlbehütet. Allerdings verlor die Familie im Börsenkrach von 1929 ihr gesamtes Vermögen, weshalb der junge Walther nie eine Universität besuchen konnte. Stattdessen begann Schloss 1934 als ungelernter Laufbursche für die Investmentfirma Carl M. Loeb & Co. zu arbeiten. Später wollte er Analyst für diese Firma werden, wurde allerdings abgelehnt. Ein Arbeitskollege verwies ihn auf das damals neuerschienene Buch Security Analysis von Benjamin Graham. Schloss las das Buch und besuchte anschließend Kurse von Graham am New York Stock Exchange Institute (auch Graham wurde vom Crash 1929 finanziell hart getroffen und war daher gezwungen Unterricht zu geben).

Graham-Newman & Co.

Bevor sich Schloss vollends den Finanzmärkten hingab, diente der junge Mann ab 1940 für die U.S. Army Signal Corps im 2. Weltkrieg. In den Seminaren bei Graham muss Schloss einen guten Eindruck hinterlassen haben, denn nach seiner Rückkehr aus dem Krieg konnte er eine Stelle bei Graham-Newman & Co. ergattern. Dort lernte Schloss neben dem Grahamschen Handwerkszeug für Value Investoren auch eine Person kennen, die jedem ein Begriff ist: Warren Buffett. Zeitweise teilten sich beide Graham-Schützlinge gar ein Büro. Buffett spricht stets in den höchsten Tönen von Walther Schloss und widmete ihm sogar ein Kapitel in seinem Essay The Superinvestors of Graham-and-Doddsville.

Walther J. Schloss Associates

Schloss war mit seiner Anstellung bei Graham sehr zufrieden. Allerdings plante letzterer bereits seinen Eintritt in die wohlverdiente Rente und teilte dies auch seinen Arbeitnehmern mit. Daraufhin war Walther Schloss zum Handeln gezwungen. Er entschied sich für den Sprung in die Selbständigkeit und gründete 1955 das Unternehmen Walther J. Schloss Associates. Schloss betrieb diese Firma die ersten zwei Dekaden des Bestehens komplett allein. Sein „Büro“ war für die ersten Jahre eine Rumpelkammer. Erst 1973 trat sein Sohn als erster und einziger Mitarbeiter mit ins Geschäft ein. Neben seiner Sparsamkeit zeichnete sich Schloss auch durch seine Fairness aus. So erhob der Value Investor per se keine Gebühren und nahm sich lediglich 25% der erzielten Renditen. Somit mussten seine Kunden also nichts zahlen, wenn Schloss mies performte. Allerdings war das in keinem Jahr der Fall. In den mehr als 40 Jahren des Bestehens des Fonds (2001 geschlossen) erwirtschaftete er eine jährliche Durchschnittsrendite von 16%, während der S&P500 als Benchmark nur eine Performance von jährlich 10% aufweisen konnte. Ein simples Rechenbeispiel verdeutlicht hier die Outperformance: hätte man 1955 USD 100.000,00 in den S&P500 investiert, wäre man 2001 USD 9,3 Mio. schwer. Bereits ein stattliches Sümmchen. Hätte man dieses Geld allerdings Schloss gegeben, würden USD 78 Mio. zu Buche stehen.

Investmentstil

Schloss war ein Musterschüler von Graham und blieb dessen Handelsansatz immer treu. So suchte er permanent nach unterbewerteten Papieren, deren Marktpreis unterhalb des Buchwertes notierte. Im Gegensatz zu Buffett, der sich auch von anderen Personen wie Charlie Munger beeinflussen ließ, seinen Ansatz weiterentwickelte und fokussiert in relativ wenigen Aktien investiert ist, streute Schloss stets das Risiko und hielt zeitweise mehr als 100 verschiedene Aktien gleichzeitig. Schloss begründete diese Vorgehensweise damit, dass er sich eingestand, die Geschäftsmodelle und das Management nicht so gut einschätzen zu können wie bspw. Buffett.

Hier die Kriterien, die für Schloss ausschlaggebend waren:
- Keine Schulden oder geringe Schuldenquote
- 20% oder mehr unter Buchwert gehandelt
- Hohe und stabile Dividendenrendite
- Eigentümergeführte Unternehmen / Management mit hohem Aktienanteil
- Britische oder US-amerikanische Unternehmen, da er mit Kultur und/oder Rechtssystem anderer Länder nicht vertraut war

Zusammenfassend könnte man sagen, dass Schloss das sogenannte „Zigarrenstummel auflesen“ betrieben hat und immer sicherstellte, dass eine ausreichend große Margin of Safety besteht; sprich die Differenz zwischen Börsenwert und Buchwert des Unternehmens größer als 20% sein sollte. Die durchschnittliche Haltedauer für Schloss‘ Engagements war 4 Jahre.

Schloss war 2x verheiratet und hatte 2 Kinder aus erster Ehe. Er starb am 19. Februar 2012 an Leukämie. Er wurde 95 Jahre alt.

Zitate

- „Verkaufen ist hart. Es ist das Schlimmste, es ist das Schwierigste von allem.“
- „Du triffst niemals das Hoch und niemals das Tief.“
- „Wir mögen es Aktien zu kaufen, von denen wir denken, dass sie unterbewertet sind. Und dann müssen wir auch den Mumm haben, mehr davon zu kaufen, wenn sie fallen.“
- „Du musst so investieren, wie es zu dir passt.“
- „Ich habe keinen Kursticker in meinem Büro.“
- „Versuche Vermögenswerte zu einem Rabattpreis zu kaufen anstatt kurzfristige Gewinne.“
- „Einer der Tricks in diesem Geschäft ist: halte deine Verluste klein.“
- „Erinnere dich daran, dass eine Aktie einen Teil eines Unternehmens repräsentiert und nicht nur ein Stück Papier ist.“
- „Versuche die Schwächen in deinem Gedankengang zu identifizieren.“
- „Entwickle eine einfache Strategie, damit du in der Nacht schlafen kannst.“
- „Die größte Herausforderung des Lebens besteht darin zu wissen, was als nächstes kommt.“
- „Mein Vater hat während der Großen Depression seine Lektion gelernt und sagte zu mir: ‚All das Schreckliche, dass dir nicht passiert, ist ein Profit!‘. Ich nahm mir diesen Ratschlag zu Herzen. Als ich zur Wall Street kam, war mein Ziel kein Geld zu verlieren.“

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