Erfolgsformel: Stehe früh auf, arbeite hart, finde Öl

Zitate Nick Thomas 1.287 Leser
Den heutigen Text möchte ich jemanden widmen, der nicht zu 100% den Finanzmärkten zuzuordnen ist, aber dennoch ein paar sehr geist- und lehrreiche Sprüche auf Lager hatte. Das Wort „Lager“ bekommt in diesem Zusammenhang übrigens Flügel, denn wie bereits der Titel andeutet, ist die Rede von einem US-amerikanischen Öl-Tycoon des letzten Jahrhunderts – Jean Paul Getty.

Heute kennt man den Familiennamen wahrscheinlich nur noch vom Bilderarchiv Getty Images. Tatsächlich ist dieser Service auf einen Enkel von Jean Paul zurückzuführen, nämlich Mark Getty. Mit dem Ölgeschäft hat die Familie schon seit Mitte der 1980er Jahre nichts mehr am Hut. Dennoch gehört der Getty-Clan nach wie vor zu den reichsten Familien in den Vereinigten Staaten (und zu den skandalreichsten). Im Folgenden möchte ich Ihnen näherbringen, wie Jean Paul Getty es schaffte, ein Ölimperium aufzubauen, dass ihn zum reichsten Mann der Welt machte. Und was Sie daraus lernen können.

jean-paul-gettyGetty wurde 1892 in Minneapolis, Minnesota, geboren. Bereits sein Vater, George Getty, war ein recht erfolgreicher Ölunternehmer. Jean Paul Getty studierte Politikwissenschaften und Ökonomie und arbeite während der Semesterferien auf den Ölfeldern seines Vaters. Seinen Abschluss erhielt er 1914, seine erste Million verdiente er 1916; natürlich im Ölgeschäft. Mit dem neu gewonnenen Reichtum setzte sich der damals 23-Jährige erstmal zur Ruhe und genoss sein Junggesellen-Leben in Los Angeles. Erst 1919, drei Jahre später, zog es ihn zurück ins Business mit dem schwarzen Gold. In den 1920er Jahren vermehrten Getty und sein Vater ihre Vermögen, allerdings unabhängig voneinander. Beide betätigten sich neben dem Ölgeschäft auch in der Vermietung und Verpachtung.

Sein größter Clou

1930 starb dann George Getty und vermachte seinem Sohn das Unternehmen. Jean Paul traf daraufhin eine der wohl klügsten Entscheidungen seines Lebens: er beschloss, das Imperium vertikal zu diversifizieren und neben der reinen Förderung weitere Ebenen entlang der Ölwertschöpfungskette zu erschließen. So gehörten nach kurzer Zeit auch die Erdölraffination, der Transport und Verkauf der Produkte zum Portfolio der Getty Oil Company. Des Weiteren tätigte Getty einige Zukäufe und integrierte Pacific Western Oil, Tidewater Oil und Skelly Oil in die Getty Oil Company.

Gettys größter Clou bestand jedoch in einer wilden Spekulation in Saudi Arabien 1949. Nach den Wirren des 2. Weltkrieges brauchte die Welt mehr und mehr Öl. Getty suchte nach Möglichkeiten und kaufte dem saudischen König Ibn Saud für USD 9,5 Mio in Bar sowie USD 1 Mio pro Jahr die Rechte an einem Landstrich nahe der Grenze zu Kuwait ab, und zwar über 60 Jahre. Auf diesem Gebiet wurde zuvor noch kein Öl entdeckt und auch in den vier Jahren nach dem Geschäft war dort nichts zu finden. Erst 1953, nachdem schon USD 30 Mio. in die Erschließung geflossen sind, ging die Wette auf. Das Feld lieferte 16 Mio. Barrel Öl im Jahr und trug einen erheblichen Beitrag zum Vermögenswachstum von Getty bei. Im Anschluss an diesen Erfolg lernte Getty Arabisch und baute sein Engagement im Mittleren Osten massiv aus. Auf seinem Höhepunkt verfügte er über ein geschätztes Vermögen von USD 4 Mrd., was einem Gegenwert von über USD 80 Mrd. im Jahr 2013 gleichkommt. Das machte ihn damals zum reichsten Mann der Welt.

Wildes Privatleben

Abseits der Geschäftswelt lief es für Getty weniger rosig. Er heiratete fünf Mal und ließ sich fünf Mal wieder scheiden. Aus den Ehen gingen insgesamt fünf Söhne hervor. 1950 zog Getty nach England und lebte fortan auf einem großen Landsitz in Tudor und leitete von dort seine Geschäfte. 1953 gründete der leidenschaftliche Kunstsammler das J. Paul Getty Museum in Pacific Palisades, welches 1997 ins neugebaute Getty Center nach Brentwood, L.A. umzog. Getty starb 1976 auf seinem Landsitz an Herzversagen. Er vermachte ungefähr ein Viertel seines riesigen Vermögens der Getty Foundation, die sich seither der Kunstförderung widmet.

1984 wurde Getty Oil übrigens an Texaco verkauft und findet sich heute als Teil von Chevron wieder.

Zitate

Was hatte der Playboy, Geschäftsmann, Philanthrop und ehemals reichste Mann der Welt zu sagen? Lesen Sie im Folgenden seine besten Zitate.
  • "Es ist möglich Geld - und zwar beträchtliche Summen - an der Börse zu verdienen. Aber nicht durch Käufe und Verkäufe, die man aufs Geratewohl startet. Die mächtigen Gewinne gehen dem intelligenten, sorgfältigen und geduldigen Investor zu. Kaufen Sie, wenn die Aktienpreise tief sind, und geben Sie die Papiere nicht aus der Hand. Eine große Schar von Menschen scheint diesen einfachen Grundsatz nicht zu erfassen. Sie fürchten sich vor Gelegenheitskäufen. Sie kaufen erst, wenn sie meinen, jedes Risiko vermieden zu haben. Meistens kaufen sie zu spät."
  • "Probleme lassen sich immer am besten mit anderer Leute Geld regeln."
  • "Reich ist man erst dann, wenn man sich in seiner Bilanz um einige Millionen Dollar irren kann, ohne daß es auffällt."
  • "Uneigennützige Freundschaft gibt es nur unter Leuten gleicher Einkommensklasse."
  • "Wenn man kein Geld hat, denkt man immer an Geld. Wenn mal viel Geld hat, denkt man nur noch an Geld."
  • „Wenn du dein Geld zählen kannst, hast du keine Milliarde Dollar.“
  • „In Zeiten großen Wandels kann Erfahrung dein größter Feind sein.“
  • „Erfolgsformel: Stehe früh auf, arbeite hart, finde Öl.“
  • „Wenn du der Bank USD 100 schuldest, ist das dein Problem. Wenn du der Bank USD 100 Mio. schuldest, ist es das Problem der Bank.“
  • „Der Konformist wird nicht geboren. Er wird gemacht. Ich glaube, dass der Gehirnwäsche-Prozess bereits in den Schulen und Universitäten beginnt.“
  • „Ohne das Element der Unsicherheit wäre selbst der größte Geschäftserfolg langweilig, routiniert und unbefriedigend.“
  • „Die Mehrheit ist keinesfalls allwissend, nur weil sie die Mehrheit ist. Tatsächlich habe ich festgestellt, dass die Grenze zwischen Mehrheitsmeinung und Massenhysterie oftmals so dünn ist, dass sie schon unsichtbar erscheint.“
  • „Dem Mann, der mit einer Möglichkeit daherkommt etwas einfacher, schneller oder ökonomischer zu tun oder zu produzieren, dem liegt die Zukunft und ein Vermögen zu Füßen.“
  • „100 Menschen, die nach Sicherheit streben, stehen einer tüchtigen Person gegenüber, welche gewillt ist, sein Schicksal herauszufordern.“

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