Finanzgenie, Diamantenhändler, Berater des Kaisers – Carl Fürstenberg

Zitate Nick Thomas 469 Leser
Heute möchte ich Ihnen, liebe Leser, einen Mann vorstellen, der mir als Berliner sehr am Herzen liegt. Er hat einen Großteil seines Lebens in der deutschen Hauptstadt verbracht und verewigte sich eindringlich im Stadtbild der Spree-Metropole. Die Rede ist von Carl Fürstenberg, einem der bekanntesten und einflussreichsten deutschen Banker der Geschichte. Neben seinen herausragenden Leistungen für die deutsche Wirtschaft war Fürstenberg auch für seine markanten Sprüche bekannt, die noch heute gern Gebrauch finden. Doch dazu später mehr. Lesen Sie hier die beeindruckende Vita des Multitalents.

carl-furstenbergCarl Fürstenberg wurde am 28. August 1850 in Danzig, Preußen, geboren. Über seine Kindheit und Jugendzeit ist wenig bekannt. Er absolvierte eine Banklehre beim Großkaufmann Richard Damme in seiner Heimatstadt und zog nach einem kurzen Intermezzo in einem Textilunternehmen als 18-Jähriger nach Berlin. Ein Jahr später, 1870, trat er der Disconto Gesellschaft bei, eine der größten deutschen Bankgesellschaften, welche 1929 mit der Deutschen Bank AG fusionierte. Bereits ein weiteres Jahr später wechselte Fürstenberg zum Bankhaus S. Bleichröder, welche vom Aristokraten Gerson von Bleichröder geleitet wurde. Bis 1883 blieb Fürstenberg in der Bank und wurde sogar zum persönlich haftenden, geschäftsführenden Gesellschafter der Bank. In dieser Zeit verbrachte Fürstenberg einige Zeit als Delegierter in Paris beim Bankhaus Rothschild Frères.

Berliner Handels-Gesellschaft

1883 trat Fürstenberg dann dem jüdischen Hilfsverein Gesellschaft der Freunde bei und wechselte zur Berliner Handels-Gesellschaft, einer deutschen Bank im Unternehmensgeschäft. Auch hier bekleidete Carl Fürstenberg den Posten des persönlich haftenden Gesellschafters. Bis zu seinem Übertritt ins Präsidium 1931 sollte Fürstenberg der Bank seinen Stempel aufdrücken und zum Förderer der deutschen Schwerindustrie im Ruhrgebiet sowie der norddeutschen Werften machen. Außerdem hatte Fürstenberg großen Einfluss auf die Wirtschaftsaktivitäten in den deutschen Kolonien in Afrika und leitete die Diamanten-Regie für das Deutsche Reich in Deutsch-Südwestafrika. Hinzu kamen Beratertätigkeiten für Kaiser Wilhelm II. Auch für andere Nationalstaaten war Fürstenberg aktiv. Er wirkte beispielsweise an der Unterbringung von Staatsanleihen von Österreich-Ungarn und Italien mit und reformierte die Finanzen Serbiens. Nach dem ersten Weltkrieg erlangte Fürstenberg vor allem dadurch Popularität, dass er nach dem Vertrag von Rapallo 1922 als erster westlicher Bänker umfangreiche Kreditverbindungen mit der Sowjetunion aufnahm. Des Weiteren beteiligte sich Fürstenberg an der Gründung zahlreicher privater Unternehmungen, wie der Banca Commerciale Italiana in Mailand oder der Elektrobank in Zürich.

Berlin als Privatprojekt

Im Laufe seines Lebens tat Carl Fürstenberg einiges, um Berlins Stadtbild nachhaltig zu verändern und zu prägen. So sorgte er dafür, dass sich die Berliner Handels-Gesellschaft an der Erschließung des Kurfürstendamms und der Villenkolonie Berlin-Grunewald beteiligte. An seinem Wohnhaus in der Grunewalder Koenigsallee 53 hängt noch heute eine Gedenktafel zu Ehren seiner Taten.

Zitate

- „Aktionäre sind dumm und unverschämt. Dumm, weil sie mir ihr Geld überlassen und unverschämt, weil sie auch noch Dividende dafür haben wollen.“
- „Der Charme des Geldes liegt in seiner Menge.“
- „Inflation oder Deflation sind nur zwei Fremdwörter für Pleite.“
- „Als erstes im Bankgeschäft lernt man den Respekt vor den Nullen“
- „Der Reingewinn ist der Teil der Bilanz, den der Vorstand beim besten Willen nicht mehr vor den Aktionären verstecken kann.“
- „Wenn der Staat Pleite macht, geht natürlich nicht der Staat pleite, sondern der Bürger.“
- „Im Unterschied zur Straßenbahn wird an der Börse zum Ein- und Aussteigen nicht geklingelt.“
- „Der Optimist und der Pessimist haben einen gemeinsamen Nenner: Den Mist.“
- „Fusionieren beruht auf gegenseitiger Überschätzung.“
- „Ein gutes Leben hat nur selten einen Menschen ruiniert. Was den Menschen in den Ruin treibt, sind die dummen Geschäfte."
- „Geld ist nicht alles. Das stimmt. Aber für Geld kriegt man alles. Und das stimmt auch.“

Ebenfalls interessant