Aktien-Qualitätscheck

Für eine Handvoll Gold!

Marius Müllerhoff ist als freier Redakteur beschäftigt. Artikel von freien Redakteuren stellen deren eigene Meinung dar und müssen mit der von aktien nicht korrespondieren.

Executive Summary


„I believe […] to consider adding gold to one’s portfolio." (Ray Dalio)

Sprich, Ray Dalio empfiehlt Investoren, ihren Portfolios Gold hinzuzufügen.

In seinem Artikel vom 17.07.2019 betrachtet Ray Dalio 10 Jahreszeiträume bzgl. ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und der vorkommenden Phänomena (sog. „Paradigma“), z.B. in den 1930er-Jahren herrschte "Depression", in den 1970er-Jahren herrschte „Stagflation“. Hierbei hat er festgestellt, dass oftmals das neue Paradigma konträr zum vorherigen Paradigma steht.

Wichtig ist es dabei, sich des Überganges von einem Paradigma zum anderen bewusst zu sein. Denn die meisten Marktteilnehmer erleiden signifikante Verluste, da sie noch an das vorherige Paradigma glauben bzw. es in alle Ewigkeit extrapolieren, z.B. stetig steigende Immobilienpreise im Jahr 2008 in den USA.

Das gerade zu Ende gegangene Jahrzehnt (2010-2019) ist gekennzeichnet durch quantitative Lockerung („quantitative easing“), die die Märkte mit Liquidität überschwemmt hat mit der Folge von niedrigen Zinssätzen. Dies entsprach einer künstlichen Stimulierung. Dadurch resultierten u.a. steigende Aktien- und Immobilienmärkte.

Das nächste Jahrzehnt (bzw. Paradigma) wird durch andere Faktoren charakterisiert sein. Gemäß Dalio, gehen erstens der Zentralbank die Stimulierungsinstrumente aus. Zweitens wird es einen Berg an Schulden und Verbindlichkeiten (z. B. Renten und Gesundheitskosten) geben. Diese werden zunehmend fällig und können nicht mit aktuell vorliegenden Vermögenswerten finanziert werden.

Im neuen Jahrzehnt (2020-2029) wird es zu einer Kombination aus Monetarisierung von Staatsschulden (d.h. die Zentralbank kauft die Schuldtitel des Staates direkt vom Staat auf), Währungsabwertung und beträchtlichen Steuererhöhungen kommen, um den Berg an Schulden und Verbindlichkeiten bedienen zu können. Diese Umstände könnten die Konflikte zwischen den wohlhabenden und weniger wohlhabenden Bevölkerungsschichten verschärfen.

Fazit: Dalio ist der Meinung, dass Gold der Vermögenswert der kommenden 10 Jahre ist.

 

Paradigmen und Paradigmawechsel in den letzten 100 Jahren


Der Fokus von Dalios Betrachtung liegt auf der wirtschaftlichen Entwicklung der USA.

Er definiert Paradigmenwechsel wie folgt:

Relativ lange Zeiträume (etwa 10 Jahre), in denen die Märkte und Marktbeziehungen auf eine bestimmte Art und Weise funktionieren (die er als „Paradigma“ bezeichnet). An diese passen sich die meisten Markteilnehmer an und extrapolieren sie letztlich, so dass sie übertrieben werden. Dies führt zu einem Wechsel hin zu einem neuen Paradigma. In diesem funktionieren die Märkte (meistens) konträr zu ihrer Funktionsweise während des vorherigen Paradigmas.

Um die große Paradigmenwechsel zu zeigen, hat Dalio die Geschichte - beginnend mit den 1920er Jahren - in Jahrzehnte unterteilt, weil sie adäquat mit Paradigmenwechseln übereinstimmen.

An dieser Stelle sollen von mir exemplarisch 4 Jahrzehnte vorgestellt.

1930er Jahre = „Depression“

Nach den glorreichen 1920ern, diskontierten die Märkte Ende der 1920er ein schnelles Wachstum. Dies endete ab 1929/1930 mit der bekannten Blase. Das Jahrzehnt der 1930er war größtenteils das Gegenteil der 1920er Jahre. Es begann mit den heftigen Reaktionen auf die hohe Verschuldung bei gleichzeitiger Einpreisung von relativ hohe Wachstumsraten. Diese Schuldenkrise und der Einbruch der Wirtschaftstätigkeit führten zu einer wirtschaftlichen Depression. Dies spiegelt den Paradigmawechsel zwischen den 1920ern und 1930ern wider.

1970er Jahre = „geringes Wachstum und hohe Inflation (Stagflation)“

Nach 15 Jahren des signifikanten Wirtschaftswachstums waren die Markteilnehmer in den 60er Jahren sehr bullisch eingestellt. Jedoch wuchs Ende der 60er / Anfang der 70er der Schuldenberg immer weiter an (u.a. aufgrund des Vietnamkrieges). Geld wurde gedruckt, um die Schuldenlast zu verringern. Folglich nahm die Inflation zu. Dadurch kam es zu einer angespannten Lage beim Goldstandard, der 1971 aufgegeben wurde. Das Wachstum verlangsamte sich („Stagnation“) bei gleichzeitiger Zunahmen der Inflation, auch „Stagflation“ genannt (= Stagnation + Inflation). Dies spiegelte den Paradigmawechsel zu den 1960er dar. Während der Stagnationsphase entwickelten sich Vermögenswerte gut, die gegen Inflation geschützt waren (z.B. Gold). Aktien und Anleihen entwickelten sich schlecht. Folglich diskontierten die Märkte am Ende des Jahrzehnts eine hohe Inflation und ein geringes Wachstum für die 80er Jahre.

1980er Jahre = „hohes Wachstum und sinkende Inflation (Desinflation)“

Das Jahrzehnt war durch eine sinkende Inflation und ein schnelles Wachstum gekennzeichnet (Paradigmawechsel zu den 1970er). Die kontraktive Geldpolitik vom damaligen Fed-Vorsitzenden wurde durch eine expansive Geldpolitik substituiert. Dies kurbelte das Wachstum stark an. Aktien stoßen nach oben.

2010er Jahre = „Reflation“

Das neue Paradigma folgte 2009 mit der Finanz- und Immobilienkrise mittels „Quantitative Easing“. Denn die Zentralbank fing an, quantitative Lockerungen zu betreiben und den Zinssatz signifikant zu senken. Vor diesem Hintergrund kauften Investoren Vermögenswerte auf, was die Preise nach oben trieb. Das Wachstum war langsam und die Inflation blieb niedrig. Aktien legten beständig zu, getrieben von a) anhaltend sinkenden Diskontierungszinsen durch Stimuli der Zentralbank, b) hohen Gewinnmargen der Unternehmen (zum Teil aufgrund der Automatisierung, die das Lohnwachstum niedrig hält) und c) in jüngerer Zeit von Steuersenkungen. Von den stark angestiegenen Vermögenswertpreisen haben vor allem Unternehmen und einkommensstarke Bevölkerungsschichten profitiert. Dies trug somit zu den wachsenden Wohlstands- und Einkommensunterschieden und einer globalen Zunahme des Populismus bei.

Der kommende Paradigmawechsel


Ray Dalio argumentiert, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass in den nächsten Jahren:
  1. den Zentralbanken die Stimulierungsinstrumente ausgehen, um die Märkte und die Wirtschaft anzukurbeln, wenn die Wirtschaft schwach ist;
  2. es eine enorme Menge an Schulden und Verbindlichkeiten (z. B. Renten und Gesundheitskosten) geben wird, die zunehmend fällig werden und nicht mit aktuell vorliegenden Vermögenswerten finanziert werden können. Anders ausgedrückt, dass das Paradigma, in dem wir uns befinden, höchstwahrscheinlich enden wird, wenn
    1. die Realzinsrenditen so niedrig gehalten werden, dass Anleger, die die Schuldtitel halten, sie nicht länger halten möchten. Sie beginnen dann, sich auf Anlagen zu konzentrieren, die sie für attraktiver halten und
    2. der signifikante Geldbedarf zur Finanzierung der Schulden und Verbindlichkeiten zum „großen Engpass“ beitragen wird. Zu diesem Zeitpunkt ist nicht hinreichend Geld vorhanden, um diesen Bedarf zu decken. Somit kann es zu einer Kombination aus Monetarisierung der Staatsschulden, Währungsabwertung und beträchtlichen Steuererhöhungen kommen.
Diese Umstände werden wahrscheinlich die Konflikte zwischen den wohlhabenden und weniger wohlhabenden Bevölkerungsschichten verschärfen. Denn Steuererhöhungen für Wohlhabende und Währungsabwertungen treffen Vermögende hart. Steuererhöhungen machen sich sofort im Geldbeutel bemerkbar; Abwertungenen können übermäßige Inflation zur die Folge haben, welche aufgrund der Geldentwertung Gläubigern zum Verhängnis werden können.

Die große Frage, über die sich jeder Anleger derzeit Gedanken machen sollte, lautet:

Welche Investitionen sind lukrativ in einem reflationären Umfeld (d.h. in einem Umfeld, in dem die Inflation nach 10 Jahren wieder aufkeimt), bei gleichzeitig hohen fälligen Schulden und Verbindlichkeiten sowie erheblichen internen Konfliktpotenzialen zwischen Kapitalisten und Sozialisten?

Vermutlich, so Dalio, sind diejenigen Investitionen am rentabelsten, die gegen eine Geldabwertung sowie nationale und internationale Konflikte gewappnet sind.

Abschließend argumentiert er, dass es sowohl risikoreduzierend als auch renditeverbessernd ist, „für eine Handvoll Gold“ das Portfolio abzusichern.

 

Quelle: https://www.linkedin.com/pulse/paradigm-shifts-ray-dalio

 

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