Der erste Growth-Investor – Philip Fisher

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Fisher stand unglaubliche 68 Jahre lang an der Spitze seiner Vermögensverwaltung und beeinflusste mit seinen Büchern Tausende von Investoren – und zwar vom Laien bis zum vermeintlich größten Investor aller Zeiten. Dabei verwendete Fisher ganz eigene Methoden wie den Scuttlebutt-Ansatz oder seine 15 Fragen, um ein herausragendes Unternehmen zu identifizieren.

philip-fisherPhilip Arthur Fisher wurde am 08. September 1907 in San Francisco geboren und verbrachte auch seine Kindheit und Jugend in der kalifornischen Metropole. Erste spezifische Spuren seiner Vita datieren auf das Jahr 1928. Zu dieser Zeit schmiss Fisher sein Studium an der Elite-Uni Stanford, um eine Tätigkeit als Aktienanalyst bei der Anglo-London Bank in San Francisco aufzunehmen. Nach seiner Ausbildungszeit wechselte Fisher Anfang der 1930er Jahre an einen Börsenplatz an der Westküste und arbeitete für einige Monate als Wertpapierhändler.

Fisher & Co.

1931, also gerade mal mit 24 Jahren, gründete Philip Fisher dann seine eigene Vermögensverwaltung, die Fisher & Co. und blieb bis 1999 an ihrer Spitze, ehe er sich zur Ruhe setzte. Dem Investieren blieb Fisher allerdings bis zu seinem Tod am 11. März 2004 treu. Sein Investitionsansatz lebt jedoch weiter und wird u.a. von seinem Sohn Ken Fisher in abgewandelter Form praktiziert, der mit seiner eigenen Vermögensverwaltung derzeit ca. $ 90 Mrd. managt und in dieser Reihe bereits porträtiert wurde.
Ken Fisher ist allerdings bei Weitem nicht der einzige, auf den Philip Fisher einen großen Einfluss ausübte. Fisher hat nämlich 3 Bücher geschrieben, von denen sein erstes ‚Common Stocks and Uncommon Profits‘ aus 1958 zum absoluten Bestseller avancierte. Es gehört zu den meistverkauften Büchern im Bereich der privaten Geldanlage.
Besondere Wertschätzung erfährt das literarische Werk von Philip Fisher übrigens durch Warren Buffett und Charlie Munger. Beide Investoren haben Fishers Ansatz fest in ihrem Anlagestil implementiert. Es heißt, dass Buffett die quantitativen Aspekte der Geldanlage von Ben Graham gelernt hat, aber die qualitativen Aspekte von Fisher übernahm.

Investmentansatz

Philip Fisher bildete salopp formuliert die Gegenposition zu Ben Graham. Fisher sagte, dass man für ausgezeichnete Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten nicht zwangsläufig einen Spottpreis bezahlen muss, um ein lohnenswertes Investment zu erhalten, sondern ein fairer Preis gut genug ist. Er stellte also die Qualität über den Preis.
Fisher war stets auf der Suche nach innovativen und technologie-fokussierten Unternehmen. Damit zählt er zu den ersten Investoren in Wachstumsaktien der Geschichte und wird noch heute als Pionier auf diesem Gebiet gefeiert. Sein Haltehorizont war langfristig ausgerichtet bzw. verkaufte Fisher nach Möglichkeit nie.
Fisher betrieb vor einem Kauf eine sehr tiefgreifende Analyse. Um Informationen über ein Unternehmen einzuholen, erfand er eine eigene Strategie namens ‚Scuttlebutt-Method‘. Grob übersetzt ins Deutsche ‚Gerüchte-Methode‘. Dabei sprach Fisher mit allen erdenklichen Stakeholdern einer Firma, angefangen bei Angestellten über Konkurrenten und Kunden, bis hin zu Zulieferern und erhielt so am Ende ein vollumfängliches Bild eines potenziellen Kaufkandidaten. Diese Informationen nutzte er natürlich ergänzend zu den Veröffentlichungen wie Jahresabschlüsse etc.
Sein Ansatz sieht auch eine Fokussierung des Portfolios vor, da er eine zu große Diversifikation als nachteilig erachtete. Die Anzahl seiner Beteiligungen überschritt nie die 30.

15 Punkte für erfolgreiches Investieren

In seinen Büchern führt Fisher 15 Punkte bzw. Fragen auf, die er dem Leser mit an die Hand gibt, um hervorragende Anlageentscheidungen zu treffen. Diese 15 Fragen möchte Ihnen natürlich nicht vorenthalten.

1. Hat das Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen, die ausreichendes Potenzial haben, um ordentliches Umsatzwachstum für die nächsten Jahre zu garantieren?
2. Hat das Management die Entschlossenheit, weiterhin Produkte und Prozesse zu entwickeln, die das Umsatzpotenzial erhöhen?
3. Wie effektiv ist das R&D des Unternehmens in Relation zu seiner Größe?
4. Hat die Firma einen überdurchschnittlichen Vertriebsapparat?
5. Hat das Unternehmen eine ausreichend große Gewinnmarge?
6. Was tut das Unternehmen, um die Gewinnmarge zu halten oder auszubauen?
7. Pflegt die Firma herausragende Beziehungen zum Personal bzw. zu den Arbeitnehmern?
8. Hat das Unternehmen hervorragendes Führungspersonal?
9. Hat das Management eine ausreichende Tiefe, um Aufgaben delegieren zu können?
10. Wie gut sind die Kostenanalyse und das Accounting?
11. Welche Aspekte heben das Unternehmen von seinen Wettbewerbern ab?
12. Hat das Unternehmen eine eher kurzfristige oder langfriste Gewinnorientierung?
13. Benötigt die Firma zum Wachstum eine Kapitalaufstockung?
14. Ist das Management auch in schwierigen Zeiten ehrlich?
15. Verfügt das Unternehmen über ein Management zweifelsfreier Integrität?

Übrigens kehrte Philip Fisher im Laufe seines Lebens an die Stanford University zurück, allerdings als Dozent. Er brachte den Studenten bei, wie sie nach seinen Kriterien aussichtsreiche Firmen identifizieren. Sein Buch ist noch heute fest im Lehrplan verankert.

Zitate

- „Der erfolgreiche Investor ist normalerweise ein Individuum, welches von Natur aus an Geschäftsproblemen interessiert ist.“
- „Das zu tun, was jeder Andere im Moment tut, und für was du einen nahezu unwiderstehlichen Drang verspürst, ist oftmals genau das Falsche.“
- „Erfahrene Investoren erkennen, dass das Problem darin besteht, genügend herausragende Investitionen zu finden, anstatt aus zu vielen wählen zu müssen.“
- „Eine lange Aktienliste ist normalerweise kein Merkmal eines brillanten Investors, sondern eher eines Investors, der sich seiner Sache unsicher ist.“
- „Am Aktienmarkt gibt es Modeerscheinungen und Stile, genau wie bei Frauenkleidung.“
- „Konservative Investoren schlafen gut.“
- „Wenn man die Arbeit beim Aktienkauf richtig erledigt hat, ist die richtige Zeit zum verkaufen – niemals.“
- „Wenn du etwas nicht besser kannst als andere, dann lass es gleich sein.“
- „Es gibt einen komplizierten Faktor, der das Handling von Investitionsfehlern massiv erschwert. Und zwar unser aller Ego.“
- „Niemand von uns gibt gern zu, dass er falsch gelegen hat.“
- „Ich glaube, dass die größten Investmenterfolge niemals mit Investitionen in schlechte Unternehmen erreicht wurden.“
- „Investoren sollten am besten einen Bogen um geringe Gewinnmargen und schlechte Unternehmen machen.“
- „Wenn man die richtigen Aktien kauft und lange genug hält, werden sie immer einen Profit erwirtschaften. Wenn man allerdings den Profit maximieren will, muss man das Timing beachten.“
- „Wenn jemand am absoluten Tiefpunkt kauft, ist das eher eine Frage des Glücks als alles andere.“
- „Übertreibe es nicht mit der Diversifikation.“
- „Gehe sicher, dass du nicht die Meisten besitzt, sondern die Besten.“
- „Eine der besten Entscheidungen meiner Karriere war, all meine Anstrengungen auf den langfristigen Vermögensaufbau zu richten.“
- „Ich glaube, dass es schwierig ist, in mehr als 60% der Fälle kurzfristige Aktienbewegungen vorherzusagen; egal wie talentiert man ist. Und diese Schätzung kann auch viel zu optimistisch sein.“
- „Es ist oftmals einfacher vorherzusagen, was mit dem Preis einer Aktie geschieht, als zu bestimmen, wie viel Zeit vergehen wird, bis das eintritt.“
- „Wenn man seine Aktie gut genug kennt, hören sich die meisten Verkaufsargumente ziemlich dämlich an.“
- „Die Finanzgemeinde ist normalerweise langsam darin, eine bedeutende fundamentale Änderung zu erkennen, außer ein großer Name oder ein großes Ereignis ist dafür verantwortlich.“


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