6 Gründe warum Tesla die deutsche Autobranche platt machen wird: Es ist wie mit Amazon und dem Einzelhandel.

Kommentare Simon Betschinger 25.295 Leser
Liebe Leser,

die deutsche Autobranche steht dort, wo die deutsche Solarindustrie im Jahr 2007 stand. Der Niedergang ist kaum noch aufzuhalten. Der Traum von der Technologieführerschaft existiert nur noch in den Köpfen von selbstverliebten Ingenieuren und Managern, die sich der Wirklichkeit verweigern. Alle Innovationen im Sektor werden von Vertretern der deutschen Automobilindustrie nur noch mit Beißreflexen beantwortet. Tesla wird wegen eines negativen Cashflows verunglimpft. Die Schuldenbilanzen der eigenen Branchenvertreter werden ignoriert. Ein Beispiel gefällig: Die Schulden von Daimler belaufen sich bereits auf etwa 200 Mrd. Euro. Die großen Investitionen in den Ausbau der Produktionskapazitäten waren nur unter deutlicher Ausweitung der Schulden möglich.
> UPDATE: Es gibt nun auch eine Podcast-Diskussion zum Thema Tesla 

Tesla wird 2019 profitabel sein. Dann wird die Ignoranz der Deutschen vor der Bedrohung, die heranwächst, ein jähes Ende finden, aber dann ist es zu spät. Dann hat ein disruptiver Verdrängungsprozess schon längst begonnen.

Ich traf letzte Woche einen Bosch-Ingenieur und wir redeten über die Pläne von Tesla, dem neuen Tesla Roadster eine Reichweite pro Batterieladung von 1000 Kilometern zu verpassen und mit zehn kleinen Raketentriebwerken auszustatten. Diese Raketentriebwerke sind luftdruckgetrieben. Sie ermöglichen es die Beschleunigung, sowie das Brems- und Kurvenverhalten zu optimieren. Nach dem Motto: Wenn ich drohe aus der Kurve zu fliegen, werden die Raketentriebwerke aktiviert und rücken mich wieder rein. Der Bosch-Ingenieur antwortete nur: „Das braucht doch niemand“, und damit beschreibt er in perfekter Art und Weise die Kapitulation der deutschen Autobranche vor den neuen Herausforderungen.

Denn die reichen Kunden werden für den Tesla Roadster Schlange stehen. Sie werden sich um dieses coolste aller Premium-Elektrofahrzeuge reißen. Nicht mehr Porsche setzt dann die Trends in der Sportwagen-Premiumklasse, sondern Tesla. Ich sage voraus, dass der Tesla Roadster das weltweit meistverkaufte Fahrzeug in dieser hohen Preisklasse sein wird. Aufgrund der hohen Margen in diesem Segment wird der Tesla-Gewinn durch die Decke gehen.

Für den Niedergang der deutschen Autobranche gibt es 6 Ursache, die ich für relevant erachte:
  1. Die Produktionstechnologie befindet sich komplett in den Händen von Zulieferern. Daimler und Co haben nicht erkannt, dass ein wichtiger langfristiger Wettbewerbsvorteil die komplett automatisierte Produktion ist. Technologieperlen im Sektor wie Kuka befinden sich jetzt unter chinesischer Kontrolle. Tesla verwirklicht die komplett automatisierte Produktion mit Hilfe deutscher Zulieferer. Elon Musk fädelte die Übernahme des Automatisierungsspezialisten Grohmann ein und stellte das Neugeschäft mit deutschen Autobauern wenig später ein. Elon Musk hat erkannt, dass langfristige Wettbewerbsvorteile über Technologieführerschaft entstehen. Die deutsche Autobranche hingegen setzt weiterhin auf die teilautomatisierte Produktion mit vielen Mitarbeitern, die in den Produktionsstraßen einen festen Platz haben. Ein Personalabbau ist aufgrund der Tarifverträge kaum möglich. Tesla wird die überlegenen Produktionsprozesse haben.
  2. Das Geschäftsmodell der deutschen Autobauer setzt auf den Verkauf von Autos über Vertragshändler. Die wollen mitverdienen. Dieses Modell ist gegen das Modell eines Autobauers mit komplettem Online-Vertrieb chancenlos. Tesla verkauft die Autos online. Es müssen keine Händler bezahlt werden. Tesla wird die höheren Gewinnmargen haben.
  3. Daimler, Volkswagen und BMW sind hoch verschuldet. Die Umstellung auf die Massenproduktion von Elektroautos wird ihnen schwerfallen. Das Elektroauto wird schon in wenigen Jahren das bessere Auto sein. Denn es ist weniger reparaturanfällig und die Normreichweiten werden schon ab 2020 / 2021 bei über 600 Kilometern liegen.
  4. Ein großer Wertschöpfungsanteil beim Elektroauto liegt in der Batterieproduktion. Deutsche Autobauer müssen Batterien zu hohen Preisen in Asien einkaufen. Sie bezahlen Firmen wie Samsung SDI die Gewinnmargen. Tesla produziert die Batterien selbst und wird die Margen darauf selbst vereinnahmen können.
  5. Der Game Changer in der Autoindustrie ist künstliche Intelligenz. Das autonom fahrende Auto wird das Auto, das nicht allein fahren kann, komplett dominieren. Die Hardware für das autonom fahrende Auto kommt komplett von US-Firmen (NVIDIA und Intel/Mobileye) und die Software-Plattformen werden auch in den USA entwickelt. Auch bei dieser wichtigen Zukunftstechnologie findet die Wertschöpfung außerhalb der deutschen Autobranche statt. Elon Musk widmet sich, nach einer aktuellen Aussage, den halben Tag dem Thema künstliche Intelligenz. Er hat es zur Chefsache gemacht. Welche Automarke wird wohl zuerst autonom fahren können. Daimler oder Tesla? Ich wette es wird Tesla sein.
  6. Der letzte große verbleibende Wettbewerbsvorteil der deutschen Autohersteller war bis vor kurzem die Marke. Das positive Image, das BMW, Audi und Daimler ausstrahlen, hat Kratzer bekommen. Der Diesel-Skandal fängt an, seine Wirkung zu entfalten.
Der Niedergang der deutschen Autoindustrie wird als Musterbeispiel für komplettes Managementversagen in die Lehrbücher eingehen. Aus Selbstverliebtheit und Arroganz wurden sämtliche wichtigen Entwicklungen in der Branche ignoriert. Ich gebe noch einmal Nachhilfe, falls hier ein Automanager mitlesen sollte. Erstens wird das überlegene Geschäftsmodell in der Branche ein reiner Online-Vertrieb ohne Vertragshändler sein. Zweitens wird der überlegene Produktionsprozess in der Branche die komplett automatisierte Produktion sein. Drittens ist das Elektroauto dem Verbrennungsmotor-Auto spätestens ab 2022 überlegen. Viertens muss man bestrebt sein, neue Technologien wie autonom fahrende Autos oder Kurvenstabilisierung mit Raketentriebwerken als erster am Start zu haben. Denn es sind keine Spielerein, es sind Wettbewerbsvorteile. Und fünftens darf man nicht jede wichtige Produktionstechnologie außer Haus an Zulieferer abgeben, so dass jeder andere Autobauer weltweit auch darauf zurückgreifen kann.

Fazit: Finger weg von deutschen Autoaktien. Ich bin wieder long in Tesla! Ich rechne im Jahr 2020 mit Tesla-Aktienkursen von über 500 USD. Der Gewinn je Tesla-Aktie dürfte im Jahr 2020 bereits 10 USD erreichen. Im Jahr 2021 könnte der Gewinn je Tesla-Aktie schon fast bei 20 USD landen. Ich bin hier übrigens nur leicht optimistischer als der Analysten-Konsens.

Tipp: Simon Betschinger hat in der Tesla-Aktie erstmalig im Jahr 2013 bei Kursen von 32 USD eine Position eröffnet. Seit 2016 vertrat er gegenüber Tesla eine abwartende Haltung. Seit Juni 2018 ist Simon Betschinger wieder bullisch für die Tesla-Aktie. Wenn Sie von den Trading- und Anlage-Ideen von Simon Betschinger bestmöglich profiteren wollen, bietet sich das TraderFox Kombi-Abo an, mit dem Sie Zugriff auf die TraderFox Live-Trading-Sektionen und auf alle Inhalte des aktien Magazins erhalten.
-> Hier über die TraderFox Kombi-Abos informieren


Ebenfalls interessant