10 spannende Charts, die mehr Aussagekraft haben als 1.000 Worte

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„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!“ Das ist ein Sprichwort, das uns völlig zu Recht daran erinnert, dass Bilder viele Hintergründe und Sachverhalte oft einfacher, schneller und besser vermitteln können als umfangreiche schriftliche oder mündliche Ausführungen. Das trifft häufig ganz bestimmt auch auf die Finanzmärkte zu, zumal die Vorgänge hier ohnehin sehr komplex sind und dadurch nicht immer leicht zu erklären sind.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns einen Report der Bank of America Merrill Lynch (BofAML) näher angesehen, in dem einige der derzeit prägendsten Entwicklungen an den Finanzmärkten und den globalen Volkswirtschaften mit Hilfe von Grafiken sehr gut veranschaulicht werden und es eigentlich keiner zusätzlichen Ausführungen mehr Bedarf, um diese Tendenzen auch im historischen Vergleich einzuordnen. 10 der aus unserer Sicht mit am interessantesten Charts aus der Studie präsentieren wir auszugsweise untenstehend.

1. Die Zinsen bewegten sich phasenweise auf einem 5.000-Jahrestief

Die üppig vorhandene Zentralbankliquidität bezeichnen die Analysten der BofAML als den wichtigsten Treiber der Vermögenspreise im vergangenen Jahrzehnt. Obwohl die Tiefststände hinter uns liegen, bewege sich der Zins als der "Preis des Geldes" im historischen Vergleich nach wie vor auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau. Zu beachten sei in diesem Zusammenhang, dass es global gesehen noch immer 10,7 Billionen Assets mit negativer Verzinsung gebe.

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2. Disruption auf einem 1.000-Jahreshoch

Technologischer Wandel und Weltbevölkerung seit dem Jahr 1.000 nach Christus

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3. US-Staatsschulden in % vom Bruttoinlandsprodukt

Die beiden Grafiken oben helfen beim Verständnis der 3 deflationären "D's": Damit meint BofAML die technologische Disruption, die Überschuldung der Staaten (debt) und die Überalterung der Gesellschaft (Demographics). Diese 3 Faktoren dürften jeweils dazu beitragen, die Zinsen weiter im Zaum zu halten, heißt es.

Die Disruption laufe dem in einem Rekordtempo ab. Als Beweis dafür taugten Schlagwörter wie künstliche Intelligenz, virtuelle Realtität, CRISPR und Elektro-Fahrzeuge. Die größte „Störung“ von allen stelle aber das steigende Angebot an Roboter-Arbeitskraft dar, was dazu beitragen, die Lohnsteigerungen zu begrenzen.

Außerdem nehme die Alterung der globalen Bevölkerung in einem Rekordtempo zu. So werde bis 2025 die Erwerbsbevölkerung Russlands um 9 Mio., in Japan um 6 Mio. und in Südeuropa um 5 Mio. zurückgehen. Hinzu komme zudem, dass sich die globale Verschuldung mit 233 Billionen USD oder umgerechnet 318 % des weltweiten Bruttoinlandsproduktes auf einem Rekordniveau bewege.

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4. Die von Zentralbanken initiierte Blase

Die Zentralbank-Geldmenge der Fed

Die Zentralbanken weltweit senkten laut der BofAML seit der Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008 die Leitzinsen 712 Mal. Gleichzeitig kauften sie Assets im Wert von 12,2 Billionen Dollar, die Zentralbank-Geldmenge in den USA ist dadurch explodiert. Zudem habe alles das die Zinsen wie oben beschrieben auf ein 5.000-Jahrestief getrieben.

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5. Bitcoin als größte Vermögenswert-Blase in der Geschichte 

Der Bitcoin-Preis ist innerhalb von nur 3 Jahren von 300 USD auf 19.600 USD gestiegen. Beim Vergleich mit früheren Blasen zeigt sich laut BofAML, dass es sich dabei um die größte Blase aller Zeiten handelt. Damit sei Bitcoin das perfekte Symbol für die vorhandene überschüssige Liquidität und technologische Disruption in den vergangenen 10 Jahren. Als weiteres Symbol für Exzesse tauge der Kunstmarkt: So sei das Leonardo da Vinci  zugeschriebene Bild Salvator Mundi für 450 Mio. USD verkauft worden und damit für einen Preis, für dessen Bezahlung US-Arbeiter im Schnitt 7.500 Jahre arbeiten müssten.

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6. Performance von US-Unternehmensanleihen gegenüber Rohstoffen auf einem Rekordhoch

Weniger wahrgenommen, aber ebenfalls interessant ist der Umstand, dass sich laut BofAML die Performance von US-Unternehmensanleihen jüngst gegenüber Rohstoffen im historischen Vergleich auf einem Hoch bewegte. Bemerkenswert in diesem Segment ist auch, dass die Rendite europäischer Hochzinsanleihen unter jener von US-Staatsanleihen gefallen ist. Nachdenklich stimmt zudem, dass die Bewertungsmultiplikatoren bei fremdkapitalfinanzierten Übernahmen mit einem mehr als 11-fachen EBITDA ebenfalls rekordhoch ausfallen.

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7. Anstieg der E-Commerce-Aktien in den USA entspricht der drittgrößten Blase der vergangenen 40 Jahre

Auch mit Blick auf den Technologiesektor macht die BofAML Blasensignale aus. So stelle ein Plus von 616 % beim Dow Jones Ecommerce Index, in dem Aktien wie Amzon, Netflix, Google oder Facebook enthalten sind, die drittgrößte Blase der vergangenen 40 Jahre dar. Hervorgehoben wird auch der Umstand, dass die Marktkapitalisierung der US-Tech-Aktien mit rund 6,0 Billionen USD den Börsenwert aller Unternehmen in der Eurozone von 5,0 Billionen USD übersteigt. Zudem komme Facebook mit 25.000 Mitarbeitern auf eine größere Marktkapitalisierung als Indien mit 1,3 Mrd. Menschen.

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8. Deflations-Assets in einem Bullenmarkt – Inflations-Assets in einem Bärenmarkt

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9. Rollierende Zehnjahresrendite von Rohstoffe im Verkauf der Zeit

Wie die beiden Grafiken oben zeigen, wird der Bullenmarkt angeführt von Assets, die von den vorherrschenden deflationären Tendenzen profitieren. Vermögenswerte die von Inflation begünstigt werden, hinken verglichen damit erheblich zurück. Als Deflations-Titel gelten dabei Anleihen, Kredite, Wachstumswerte (+315 %) und sie haben sich seit dem Beginn der quantitativen geldpolitischen Lockerungen massiv besser entwickelt als Inflationswerte, zu denen unter anderem Rohstoffe, Bargeld, Banken und Value-Aktien gehören.

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10. Asset-Allocation der Privatkunden der BofAML

Die starken Gewinne, die der laufende Bullenmarkt seit März 2009 gebracht hat, schlagen sich längst deutlich in den Depots der Privatkunden der BofAML nieder. Denn während sich die Gewichtung von Aktien gemessen an den gesamten verfügbaren Mittel in der Nähe eines Hochs bewegt, befindet sich der Bargeldanteil mit 9,8 % auf einem Tiefpunkt. Das heißt, man ist unter dem Strich ziemlich aggressiv positioniert.

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