Regelbasiert die Märkte schlagen

Michael Seibold ist als freier Redakteur beschäftigt. Artikel von freien Redakteuren stellen deren eigene Meinung dar und müssen mit der von aktien nicht korrespondieren.

Um an der Börse langfristig erfolgreich zu sein, müssen wir zuerst verstehen, was in unserem Gehirn vor sich geht, wenn wir Entscheidungen treffen. Der Schlüssel zur Fehlervermeidung sind dabei unsere Emotionen. Oft lassen wir es zu, dass Gefühle Macht über unsere Entscheidungsfindung haben. Menschen sind darauf programmiert, dass sie sich auf kurzfristige Zeiträume konzentrieren. In kurzer Zeit Gewinne zu erwirtschaften erscheint für viele attraktiv. Die Hirnrinde kontrolliert dabei unsere Emotionen. Anleger werden oft aufgrund des sogenannten Herdenverhaltens in die Finanzmärkte gedrängt. Je mehr Menschen von ihren Erfolgen an der Börse erzählen, desto größer empfinden sie den Druck, der Masse zu folgen. Die Angst, etwas zu verpassen und die Gier auf Gewinne sind dabei groß. Die Macht der Masse ist eines der mächtigsten Instrumente im Bereich der Verhaltenspsychologie. Außerdem hängt der Einfluss der Gefühle auch von der Intensität der Erfahrungen ab. Konträre Strategien für den Anleger bedeuten, sich sozialem Schmerz auszusetzen. Sir John Templeton sagte dazu passend: “Zu kaufen, wenn andere verzweifelt verkaufen, und zu verkaufen, wenn andere gierig kaufen, erfordert größte innere Stärke und macht sich am meisten bezahlt.“

Auch wenn wir uns schlechte Denkgewohnheiten angeeignet haben, ist unser Gehirn fähig, Pfade neu anzulegen. Aufgrund der Plastizität des Gehirns können wir lernen, aber es ist wahrlich nicht einfach. Wir sind dabei vielen Voreingenommenheiten ausgesetzt. Mehr Informationen sind nicht gleichbedeutend bessere Informationen. Ebenfalls tendieren wir dazu, nur das zu sehen, was wir sehen wollen. Haben wir uns dann eine Meinung gebildet, verbringen wir den restlichen Tag damit, all die Informationen zu suchen, die uns anscheinend Recht behalten lassen. Eine der wichtigsten Mechanismen zum Schutz unseres Selbstbilds ist die Neigung, gute Ergebnisse unserem Können und schlechte Ergebnisse schierem Pech zuzuschreiben. Das ist eine der wichtigsten Beschränkungen des Lernvermögens, auf die der Anleger trifft. Dadurch wird es schwierig, sich Fehler einzugestehen und verhindert auch oft, dass wir aus Fehlern der Vergangenheit lernen. Psychologen haben schon seit Langem festgestellt, dass sich Menschen über Gewinne und Verluste sorgen, nicht aber über deren Höhe. Man fand heraus, dass Menschen Verluste weit stärker negativ als Gewinne positiv empfinden. Im Allgemeinen scheinen Menschen Verluste 2 bis 2,5 Mal negativer als sie Gewinne positiv empfinden. Andrea Frazzini (2004) hat herausgefunden, dass selbst so erfahrene Profis wie Investmentfonds-Manager an der sogenannten Verlustaversion zu leiden scheinen. Fonds mit der schlechtesten Wertentwicklung hatten den niedrigsten Prozentsatz der realisierten Verluste. Anleger wären gut beraten, sich diesen Urteilsfehler bewusst zu machen.

Regeln, um mentale Fallen zu meistern


1. Versuchen Sie sich auf die Fakten zu konzentrieren, nicht auf die          Geschichten.

2. Suchen Sie auch nach Informationen, die nicht ihre Meinung bestätigen.


3. Sie wissen oft weniger, als Sie zu wissen glauben.


4. Ihre Fehlschläge berufen sich nicht allein nur auf Pech. Nur wenn Sie ihre Fehler überprüfen und sich diese eingestehen, verbessern Sie ihre Performance.


5. Mehr Informationen sind nicht gleichbedeutend mit besseren Informationen.


6. Beurteilen Sie Dinge danach, wie statistisch wahrscheinlich sie sind, nicht wie sie Ihnen erscheinen.


7. Schenken Sie ihren persönlichen Meinungen nicht zu viel Aufmerksamkeit.


8. Aktuelle im Gedächtnis behaltene Ereignisse sind weniger wahrscheinlich, als Sie glauben.


9. Bewerten Sie etwas nicht einfach deshalb höher, weil Sie es besitzen.

10. Verkaufen Sie ihre Verlustbringer und behalten Sie länger ihre Gewinnbringer.

Überdenken Sie ihre mentalen Verhaltensweisen. Treten Sie einen Schritt vom täglichen Trubel der Marktturbulenzen zurück und verstehen zu begreifen, wie Sie Untersuchungen der Psychologie auf ihr eigenes Verhalten ummünzen können.


Regelbasiertes System ohne Bewertung


Kennen Sie das Gesetz der kleinen Zahlen? Dies geht auf den mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichneten Psychologen Daniel Kahneman zurück. Anleger glauben bereits nach wenigen aufeinanderfolgenden Gewinnen an der Börse, dass ihr Modell repräsentativ sei und neigen zur Überschätzung. Läuft es vorübergehend in die richtige Richtung, tritt der sogenannte “Confirmation Bias“ auf. Anleger fühlen sich bestätigt und werden leichtsinnig. Sie kaufen nach und verlieren die Entwicklung aus den Augen. Empirische Beobachtungen helfen dem Anleger, sein Verhalten zu hinterfragen.


Der Portfolio-Builder von TraderFox ist eine Software, die es ermöglicht regelbasierte Portfoliosysteme zu bauen und zu testen. Nach Eingabe der Regeln wird die Entwicklung vergangener Jahre berechnet und es werden alle Transaktionen angezeigt, die gemäß dem Regelwerk berechnet wurden.
Nach ausreichender Testung möchte ich Ihnen mein regelbasiertes System vorstellen. Bei diesem System spielen meine Entscheidungen keine Rolle mehr. Es geht ausschließlich um softwaregestütztes Handeln.

Ich habe die Strategie an verschiedenen Aktienuniversen getestet. Dabei schnitt der amerikanische Markt vor dem europäischen und deutschen Markt am besten ab. Deshalb habe ich als Aktienuniversum die nach der Marktkapitalisierung größten 1.000 amerikanischen Unternehmen ausgewählt. Folgende Kriterien bei der Auswahl waren mir wichtig:


1) Eine hohe Eigenkapitalrendite (Durchschnitt aus den letzten 3 Perioden)
2) Ein hohes Earnings-Per-Share Wachstum der letzten 3 Jahre
3) Verschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital so gering wie möglich
4) Ein Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis am besten unter 1 (spricht für Unterbewertung)
5) Ein hohes Umsatzwachstum der letzten 3 Jahre

ranking-kriterien

Getestet habe ich die Strategie von 1990 bis jetzt, also 30 Jahre zurück. Dabei wurden immer die 10 Aktien ausgewählt mit dem höchsten Gesamtscore. Umgeschichtet wird quartalsweise. Das Depot wird immer mit den top platzierten Aktien der Rangliste aufgefüllt und Aktien verkauft mit einem Ranglistenplatz von unter 95. Der jährliche Turnover lag bei 43,85 Prozent. Dies ist der Anteil im Depot, der jährlich im Durchschnitt ausgetauscht wurde. Das Startkapital beträgt 20.000 Euro.

transaktionsregeln

Das Ergebnis war beeindruckend. Über einen Zeitraum von 30 Jahren hat diese Strategie eine jährliche Performance von über 23 Prozent geliefert (Steuern wurden noch nicht berücksichtigt). Zum Vergleich: Der S&P 500 hat knapp 8 Prozent jährlich hinzugewonnen.

backtest

Fazit


Aufgrund der Ergebnisse habe ich beschlossen, diese Strategie mit einem Echtgelddepot nachzubilden. Mein Startkapital beträgt 20.000 Euro. Meine ersten Käufe betragen 2.000 Euro je Aktie. Das System hat mir folgende Aktien vorgeschlagen:

unternehmen

Diese habe ich am 30.01.2020 gekauft. Quartalsweise werde ich bei Bedarf umschichten. Ich bin gespannt auf die zukünftige Performance. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

Liebe Anleger,


ich wünsche Ihnen weiterhin erfolgreiche Investments!

Bis zur nächsten spannenden Story,

Michael Seibold

Bildherkunft: https://unsplash.com/photos/WnLtg4dsq-w

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