Das KUV ist der König der Value-Faktoren und das KGV ist der König der Täuscher

Kommentare Simon Betschinger 3.257 Leser
Liebe Leser,

O`Shaughnessy bezeichnet das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) als den „König der Value-Faktoren“. In Kombination mit den beiden Faktoren „Umsatzwachstum“ und „relative Stärke“ ist es wie kaum eine andere Kennzahl dazu geeignet, um Aktien mit großen Kurspotenzialen zu identifizieren.

Ganz anders verhält es sich mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Das KGV ist der „König der Täuscher“. Eine Aktie mit einem niedrigen KGV gilt traditionell als gute Investition, aber meist führt dieser Weg zur Aktienauswahl in eine Falle. Unternehmen, deren Aktien mit niedrigen KGVs bewertet werden, haben meist schwerwiegende Probleme.

Als wir Adobe Systems zu einem 25er-KGV ins aktien Realgeld-Depot kauften, schrieb mir ein Leser, dass wir doch lieber Daimler kaufen sollten. Die Aktie wurde nur mit einem 8er-KGV bewertet. Ich antwortete, dass die Aktie von Adobe doch viel günstiger sei, was der Leser wiederum vehement bestritt. Adobe ist in unserem Realgeld-Depot nun mit 137 % im Plus. Mit der Daimler-Aktie hätten wir Geld verloren.

Die Amazon-Aktie wurde im Zeitraum 2000 bis 2015 eigentlich immer als zu teuer bezeichnet. Als ich 2014 in zahlreichen Youtube-Videos, Amazon als günstige Aktie bezeichnete, war der Shit-Storm ähnlich groß wie derzeit unter meinen bullischen Artikeln zur Tesla-Aktie. Amazon wurde lange Zeit trotz der hohen Wachstumsraten mit einem KUV von deutlich unter 2 bewertet. Investoren wollten die Aktie nicht haben, denn Amazon steckt die gesamten Einnahmen sofort in weiteres Wachstum und verzichtete auf Gewinne. Das KGV war deshalb negativ oder astronomisch hoch. Die meisten Börsianer und Experten ließen sich davon täuschen und dachten die Amazon-Aktie sei zu teuer.  Amazon konnte weitgehend ohne externen Kapitalbedarf wachsen. Der Wachstumskurs wurde aus dem Cashflow finanziert. Wachstum, das selbst geschultert werden kann, ist eine Schlüsselkomponente für das Ausfindigmachen neuer Vervielfacher-Aktien.

Viele Aktien-Vervielfacher wie Amazon folgen dem gleichen Schema. Ein Unternehmen wächst schnell und stabil, aber erzielt kaum Gewinne. Die Börse ist skeptisch. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist trotz der hohen Wachstumsraten niedrig. Das ist die große Chance für uns Wachstumswerte-Investoren. Gewinn entsteht aus Umsatz. Ein hohes Umsatzwachstum ist darum oft gleichbedeutend mit einem hohen, zukünftigen Gewinnpotenzial. Amazon hat weltweit eine Kundenzahl im hohen dreistelligen Millionenbereich aufgebaut. Nun kann Amazon diesen Kunden digitale Produkte verkaufen. Ob ein neuer Film, der für 10 USD verkauft wird, nur tausend Mal oder Millionen Mal heruntergeladen wird, ändert den Kostenaufwand für Amazon nur unwesentlich. Das KUV war niedrig, dann auf einmal transformierte Amazon sein Geschäftsmodell und jetzt kommen die Gewinne. Diese Story wird sich immer wieder und wieder so abspielen.

Ich habe ein kurzes Anleitungsvideo dazu erstellt, indem ich zeige wie der Screening-Prozess funktioniert.



Viele Grüße
Simon Betschinger

In dieser Ausgabe des aktien Magazins stellen wir 4 Firmen vor, deren Aktien mit niedrigem KUV bewertet werden, obwohl sie stabil und zügig wachsen.

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aktien-17-2018


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