Das sind die Top 2 Werte aus der Global Trend Following-Liste Schweiz 100

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Immer wenn es in der Weltkonjunktur einigermaßen rund läuft, profitieren auch unsere alpinen Nachbarn aus der Schweiz ein gehöriges Stück von dem Zuwachs. So soll das Plus beim BIP in diesem Jahr laut der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich 2,3 % betragen. 2019 geht man immerhin noch von einem Zuwachs von 1,8 % aus. Zu Beginn dieses Jahres sah es sogar noch besser aus, bevor die Abwertung des Schweizer Franken gebremst wurde und dessen Wiedererstarkung für neue Belastungen bei den Exportwerten sorgte. Dieser Umstand war auch dafür verantwortlich, dass der einheimische SMI Index nach einem kleinen Spurt auf Jahressicht wieder deutlich ins Minus rutschte. Vor allem die Industriewerte trübten dabei das Gesamtbild, während Pharmawerte, wie weltweit, noch zu den Zugwerten zählten. Und auch die Bankbranche entwickelte sich besser als die Konkurrenz z.B. in Deutschland. Dies hat im Wesentlichen damit zu tun, dass es in der Fintech-Branche bereits mehr erfolgreiche Unternehmen gibt als beim großen Nachbarn. Zudem stellt die Schweiz im regulatorischen Umfeld diesbezüglich nicht ganz so hohe Hürden auf. In der Global Trend Following-Liste Schweiz 100 finden sich ganz vorne zwei Werte aus der Finanzdienstleisterbranche, die wir uns daher näher angeschaut haben.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

Temenos Gruppe (3-Jahres-Trendstabilität 28,31)


Das in Genf ansässige Unternehmen wurde 1993 gegründet und entwickelt mit mehr als 4600 Mitarbeitern Bankensoftware. 41 der 50 weltweit größten Banken und insgesamt 1000 Banken in über 145 Ländern nutzen die Produkte des Konzerns für mehr als 500 Mio. Kunden. Temenos ist zugleich der viertgrößte Hersteller von Bankensoftware in Europa und weltweiter Marktführer in seiner Branche. Mit der entwickelten Software, die das Unternehmen auch für Dritte auf einer eigenen Plattform zum Testen und weiter entwickeln frei gegeben hat, werden neben Banken auch Finanzdienstleister versorgt. Zum breiten Angebot der Schweizer gehört neben Produkten für das Kernbankengeschäft wie Front Office, Analyse, Risk Management, Accounting und Vermögensverwaltung auch Angebote über Verwaltung von Dokumentationen und Geldwäsche-/Betrugsbekämpfung.

Wer sich den Umsatz- und Gewinntrend bei den Bankensoftware-entwicklern in den vergangenen 6 bis 7 Jahren anschaut, kann nur zu dem Schluss kommen, dass es sich um eine boomenden Branche handelt. Nicht nur Temenos sondern auch Wettbewerber wie Wirecard strotzen nur so vor Kraft, was viel mit der starken Regulierung und der Verlagerung des Geschäfts ins Internet zu tun hat. Zum Teil mutieren die Softwareentwickler wie Wirecard selbst zu Banken und verdrängen dabei die „alten Banken“ wie die Commerzbank aus dem DAX. Auch im 2. Quartal 2018 konnten die Schweizer mit überragenden Zahlen überzeugen. So stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17 % auf 205 Mio. €, der Gewinn je Aktie legte deutlich um 23 % auf 0,64 € zu. Neben den genannten Trends zur Digitalisierung und höheren Aufwendungen aufgrund von staatlichen Regulierungen trieben vor allem der stärkere Wettbewerb bei den Zahlungssystemen das Geschäft. Dieser Trend dürfte sich nach Ansicht von Analysten noch weiter verstärken, so dass für 2019 wird daher ein ähnlicher Umsatz- und Gewinnschub erwartet wird. Allerdings deutet die Bewertung im sehr hohen KGV von 55 an, dass es, wie zuletzt, zu heftigeren Korrekturen im Aufwärtstrend kommen könnte.

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Swissquote Holding (3-Jahres-Trendstabilität 24,54)


Der Schweizer Finanzdienstleister Swissquote wurde 1999 in Gland gegründet und hat dort auch noch heute seinen Hauptsitz neben weiteren Schweizer Filialen in Bern und Zürich. Zu Beginn konzentrierte sich das Unternehmen darauf, Finanznachrichten, Analysen zu Unternehmen und Aktien sowie Börsenkurse seinen Nutzern anzubieten. Im Zuge der fortschreitenden Verlagerung von Brokergeschäften in das Internet bemühte sich das Unternehmen Anfang des Jahrtausends um eine Bankenlizenz, die man dann von der Schweizer Bankenkommission erhielt. Seitdem hat man den Wandel zum Online-Broker vollzogen, der etablierten Banken das Geschäft streitig macht. Im Kerngeschäft bietet man den Online-Handel mit Aktien, Anleihen, Fonds, Derivaten wie Optionen und Futures an. Nebenbei werden auch normale Girokonten offeriert. Aus den Anfängen der Geschäftstätigkeit ist der Bereich Analysen geblieben, da sich viele Banken aus diesem Geschäft zurückgezogen haben. Anziehungspunkt für viele Neukunden bleibt die frei einsehbare Kursstellung für die Werte der Schweizer Börse. Weitere Geschäftsstellen haben die Schweizer in London, Dubai, Honkong und Malta. Insgesamt beschäftigt der Broker 593 Mitarbeiter.

Bis 2017 verlief die Umsatzkurve von Swissquote relativ stabil. Abhängig von der Volatilität der Schweizer Börse kam es so zu kleineren Ausschlägen nach oben und unten, insgesamt hielt sich das Wachstum aber in Grenzen, was auch an der stärkeren Regulierung der Finanzmärkte seit 2009 lag. Deshalb begann das Unternehmen bereits 2013 mit kleineren Zukäufen wie einem Forexbroker mit internationalem Geschäft. In diesem Jahr kaufte man den luxemburgischen Onlinebroker Internaxx Bank, der nicht nur Zugang zu allen europäischen Märkten, sondern auch zum US-Markt hat. Dies dürfte in den kommenden Jahren für weiteres Wachstum bei den Schweizern sorgen. Im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2017/2018 konnte der Broker bereits einen Umsatzanstieg von 26,6 % auf 112,76 Mio. CHF verzeichnen, der Nettogewinn kletterte um 43,6 % auf 30,6 Mio. CHF. Von der Übernahem des Luxemburger Brokers erhoffen sich auch die Analysten einen weiteren Gewinnschub, der 2019 mit 25 % am stärksten ausfallen soll. 2020 soll der Zuwachs noch 8% betragen. Da Swissquote über eine starke Kapitalausstattung verfügt, dürfte eine weitere Expansion sowie der Ausbau der Produktpalette weiter auf der Agenda stehen. Das 2019er KGV von 17,3 erscheint lässt daher durchaus noch weiteren Spielraum nach oben.

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