Megatrend Vegetarismus: Diese börsennotierten Unternehmen tummeln sich neben Beyond Meat in dem Wachstumsmarkt

Die vegetarische Ernährungsweise geht nach Angaben der Webseite https://www.gesundheit.de auf den Philosophen Pythagoras zurück und beinhaltet die Lehre, dass der Mensch ausschließlich oder vorwiegend Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs als Nahrung verwenden sollte. Das heißt, der Vegatarismus ist keine neue Erscheinung, findet seit geraumer Zeit aber wachsenden Zulauf (siehe Grafik).

Anteil Vegetarier/Veganer an der Bevölkerung (in %)

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Quelle: Leonteq Securities AG

Zu unterscheiden sind dabei nach Angaben von gesundheit.de verschiedenen Formen des Vegetarismus, die sich nach Anteil erlaubter tierischer Lebensmittel sowie nach Art und Zubereitung der Pflanzenkost abgrenzen lassen. Demnach essen Ovo-Lacto Vegetarier kein Fleisch/Fisch, aber Eier und Milchprodukte. Lacto Vegetarier essen kein Fleisch, keinen Fisch und keine Eier und Veganer ernähren sich ausschließlich von pflanzlichen Produkten.

Wie es weiter heißt, bedeute es Vegetarier zu sein oder zu werden nicht nur eine besondere Ernährung, sondern in letzter Konsequenz auch eine bestimmte Lebensweise. Dabei bildeten Vegetarier keine einheitliche Gruppe von Menschen, da Gründe, Formen und Ziele ihrer Ernährungsweise recht unterschiedlich seien. Zum einen spielten gesundheitliche Aspekte für Vegetarier eine große Rolle und werden auch als therapeutische Maßnahme bei Zivilisationskrankheiten z. B. Übergewicht eingesetzt. Aus ernährungsphysiologischer Sicht werde durch eine weitgehend fleischfreie Ernährung auch die Fett- und Eiweißaufnahme verringert, was ebenfalls der Gesundheit zu Gute komme. Weitere Gründe für Vegetarismus seien z. B. der Wunsch die Schadstoffaufnahme durch gezielte Nahrungsmittelauswahl zu verringern oder auch ökologische Gründe, natürliche Ressourcen der Natur zu schonen. Weitere Beweggründe für Vegetarismus könnten auch religiöser sowie ethischer Natur (Tiere nicht für die menschliche Existenz töten).

Die von den Teilnehmern einer vom Schweizer Veganer- und Vegetarierverein Swissveg in Auftrag gegebenen Umfrage genannten Gründe für das alternative Ernährungsverhalten dürften nach Einschätzung des strukturierten Anlageprodukte-Spezialisten Leonteq über Landesgrenzen hinaus Gültigkeit haben. Als dominantes Motiv wurde demnach das Tierwohl bezeichnet. Weitere Beweggründe sind die Ethik, der Umweltschutz, die Welternährung sowie das Gesundheitsbewusstsein (siehe Grafik). Allein diese Aufzählung zeigt, dass die Diskussion um die richtige Ernährung zu den großen globalen Zukunftsfragen zählt.

Gründe für den Fleischverzicht in der Schweiz (Anteil der Befragten in %)

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Quelle: Leonteq Securities AG

Eine echte Wachstumsstory

Angesichts von Berichten über desaströse Zustände in der Tierhaltung, Brände im Amazonas-Regenwald, Hungerkatastrophen oder einen fortschreitenden Klimawandel komme das wachsend Bewusstsein nicht überraschend. Prominente und so genannte Influencer gehen mit gutem Beispiel voran. Unter anderem würden sich Hollywood-Star Brad Pitt sowie die US-Sängerin Beyoncé zum Vegetarismus bekennen. In China gebe es sogar eine staatliche Empfehlung zum Verzicht: Peking ruft in der neuen Ernährungsrichtlinie die 1,3 Mrd. Einwohner des Landes dazu auf, ihren Fleischkonsum um die Hälfte zu reduzieren.

Wie Leonteq in einer aktuellen Ausarbeitung zu dem Thema weiter ausführt, hat der verstärkte Trend zu einer gesunden, humanen und pflanzlichen Ernährung auch wirtschaftliche Folgen. Konsumenten fänden längst nicht mehr nur in kleinen Spezialläden vegetarische und vegane Produkte. Die entsprechenden Waren zählten heute zum Angebot eines gut sortierten Detailhändlers. Als Beispiel für diese These verweist man auf Migros: Auf der Internetseite des Schweizer Branchenprimus ist die gezielte Suche nach veganen Artikeln möglich. Bei einer entsprechenden Anfrage spucke migros.ch mehr als 500 Artikel aus.

Acumen Research and Consulting (ARC) habe Mitte des Jahres eine Prognose für den globalen Markt publiziert. 2018 lag demnach dessen Volumen bei 12,8 Mrd. USD. Bis 2026 trauen die US-Forscher dem Geschäft eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 9,1% zu. Behalten sie Recht, würde der Markt am Ende des Prognosezeitraums rund 24,3 Mrd. USD umfassen, so Leonteq.

Aktuell entfalle der Großteil der Umsätze auf Nordamerika. 2018 habe es der Kontinent auf einen Anteil von 31% gebracht. Laut ARC werde Asien-Pazifik Boden gutmachen. Mit 11,5 % sehen die Experten in der Region die größte durchschnittliche jährliche Wachstumsrate. Was die Art der vegetarischen oder veganen Lebensmittel anbelange, dominierten Milchersatzprodukte. Sie stünden 2018 für die Hälfte der weltweit erzielten Umsätze. Rund 65 % der Weltbevölkerung haben eine Laktoseintoleranz, was ein Hauptfaktor für die wachsende Nachfrage nach alternativen Molkereierzeugnissen ist, schreibt ARC.

Markt für Fleischersatzprodukte nach Ländern

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Quelle: Leonteq Securities AG

Vegetarian-Index umfasst 17 Mitglieder

Wenig überraschend riefen solche Perspektiven die Lebensmittelindustrie auf den Plan. Beispielsweise sei der Molkereigigant Danone mit der Übernahme des US-Spezialisten Whitewave in das Wachstumssegment vorgestoßen. Neben den Branchenriesen tummelten sich viele kleinere und spezialisierte Anbieter auf dem Veggie-Markt. Die Leonteq-Experten bringt das zu dem folgenden Fazit: Bei dem skizzierten Wandel sollte es sich um einen im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltigen Trend handeln. Freuen können sich darüber nicht nur gesundheitsbewusste Verbraucher. Angesichts der positiven Aussichten dürften auch vielen Investoren auf den Appetit kommen.

Der derzeit wohl prominenteste börsennotierte Vertreter aus dem Bereich des Vegetarismus heißt Beyond Meat Inc. (ISIN: US08862E1091, 131,31 USD). Die Aktien des US-Nahrungsmittelproduzenten veganer Fleischersatzprodukte wird erst seit dem 02. Mai 2019 gehandelt, gegenüber dem Ausgabepreis von 25 USD je Aktie hat sich der Wert trotz einer scharfen Korrekturbewegung nach unten in den vergangenen Wochen hat sich der Wert aber vervielfacht. Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Kapitalisierung von Beyond Meat rund das 37-Ffache der für 2019 erwarteten Umsätze beträgt.

Welche weiteren börsengelisteten Gesellschaften dem Segment zuzurechnen sind, ist dem Swissquote Vegetarian Index zu entnehmen, dessen aktuelle Zusammensetzung mit Stand vom 07.10.2019 inklusive der Gewichtung der Einzeltitel die untenstehende Tabelle zeigt. Diese neue Benchmark macht sich gezielt auf die Suche nach Aktien, die stark vom globalen Trend hin zu einer pflanzenbasierten Ernährung profitieren.

Um für die Aufnahme in den Index in Frage zu kommen, muss ein Unternehmen nach Angaben von Leonteq mindestens 90 % seiner Einnahmen mit dem Vegetarismus erzielen. „Wir denken nicht, dass die Verbraucher in der nächsten Zukunft Nahrungsmittelhersteller annehmen werden, die neben Chicken Fingers auch Veggie-Burger anbieten“, schreibt dazu der Index Sponsor Swissquote in einer Analyse. Vielmehr müssten sich die Unternehmen irgendwann zwischen einem fleisch- und einem pflanzenbasierten Portfolio entscheiden. Der neue Index setze von Anfang an auf die Spezialisten.

Swissquote Vegetarian Index: Aktuelle Zusammensetzung - Stand 07.10.2019


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