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Aus der Mittelschicht zum Milliardär – Chris Hohn

Chris Hohn gehört zu besten Geldmanagern des Vereinigten Königreichs, verfügt über ein Milliardenvermögen und wurde zum Ritter geschlagen – und dass, obwohl der Mann weder über wohlhabende Eltern, noch über gute Kontakte verfügte. Er kämpfte sich ganz allein an die Spitze. Lesen Sie hier seine Geschichte.

chris-hohn-007Christopher Anthony Hohn erblickte im Oktober 1966 im britischen Addlestone im County Surrey das Licht der Welt. Als Sohn eines eingewanderten jamaikanischen KFZ-Mechanikers und einer Anwaltsgehilfin wuchs der Junge in eher bescheidenen Verhältnissen auf. Allerdings zeigte Chris bereits in der Grundschule seine außergewöhnliche Intelligenz und war Klassenbester. Zum Studium schrieb sich der hochbegabte Hohn an der University of Southampton ein und belegte den Studiengang Accounting und Wirtschaft. Seinen hervorragenden Abschluss erhielt er 1988. Es folgte ein kurzes Intermezzo mit der Arbeitswelt. Hohn nahm nämlich eine Beschäftigung bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Unternehmensberatung Coopers & Lybrands auf und war dort in der Corporate Finance Abteilung tätig. Auf Anraten eines ehemaligen Professors entschied sich Hohn Anfang der 1990er Jahre für einen MBA an der Harvard Business School. Glücklicherweise ergatterte er ein Stipendium, das für die hohen Kosten aufkam. 1993 machte er seinen Abschluss – mit der Auszeichnung als Baker Scholar, was bedeutet, dass er zu den besten 5% seines Jahrgangs gehörte.

Lehrjahre

Direkt nach dem Studium suchte Hohn den erneuten Einstieg in die Arbeitswelt. Erste Station war die Private Equity Firma Apax Partners. Er blieb dort für drei Jahre und wechselte dann an die Wall Street zum Hedge Fund Perry Capital, wo er ab 1998 das komplette Europageschäft von London aus managte. In der Zeit bei Perry bezog Chris Hohn ein fürstliches Gehalt. Bis zu seinem Ausstieg 2003 verdiente er insgesamt ca. € 75 Mio.

TCI

2003 gründete der smarte Brite dann seinen eigenen Hedge Fund. Der Name wirkt für die Branche etwas befremdlich: The Children’s Investment Fund, kurz: TCI. Hinter dem außergewöhnlichen Namen steckt auch ein außergewöhnliches Konzept, denn Hohn spendete jährlich ca. 0,5% der Assets Under Management (AUM) an die ebenfalls von ihm gegründete The Children’s Investment Fund Foundation, die sich um benachteiligte Kinder und Kinder aus Entwicklungsländern kümmert. Sofern der Fonds mehr als 11% Rendite einfuhr, spendete Hohn weitere 0,5% der AUM. 10 Jahre lang überwies Hohn so der Foundation Geld, bis er die Spenden 2013 aussetzte. Die Foundation verfügt noch heute über Geldmittel in Höhe von € 3,5 Mrd., was sie zu einer der finanzkräftigsten gemeinnützigen Organisationen des Vereinigten Königreichs macht.

Seine Frau Jamie lernte Chris Hohn übrigens auf einer Studienparty in Harvard kennen. Er hat mit ihr 4 Kinder, wovon drei Drillinge sind. Jamie übernahm die Leitung der Foundation und ist noch heute an deren Spitze. Beide beantragten 2013 die Scheidung, die mit einer Abfindungssumme von GBP 337 Mio. zu den teuersten Scheidungen der Geschichte Großbritanniens gehört. Es stellt sich die Frage, ob die Einstellung der Spenden unter Umständen durch die Scheidung beeinflusst wurde.
Für Chris Hohn war diese Summe sicherlich schmerzhaft, aber keinesfalls existenzbedrohend. Er verfügt nämlich laut Forbes über ein geschätztes Privatvermögen von $ 3 Mrd. Und für sein philanthropisches Engagement wurde er 2014 sogar zum Ritter geschlagen.

TCI hat heute ca. € 17,5 Mrd. AUM, was auch nicht verwunderlich ist, wenn wir die Performance betrachten. So liegt die durchschnittliche jährliche Performance seit Gründung 2003 bis heute bei bärenstarken 18%. Im letzten Jahr waren es sogar 28,3%. Einziges Verlustjahr des TCI war 2008, wo der Fonds allerdings auch 43% an Wert einbüßte. Der TCI betreut hauptsächlich Geld von amerikanischen Universitäten, Stiftungen und Versicherern. Das Mindestanlagevolumen liegt bei schlappen $ 15 Mio., was Privatpersonen eine Kapitaleinlage wohl massiv erschwert.

Investitionsstil

Chris Hohn ist ein klassischer Stock Picker mit einem Value-Ansatz, der sich auch nicht scheut, als aktivistischer Investor aufzutreten und die Entwicklung eines Unternehmens proaktiv voranzutreiben. Er geht ausschließlich Engagements auf der Longseite ein und konzentriert sein Portfolio auf 10-12 Positionen. Die Haltedauer eines typischen Investments erstreckt sich über mehrere Jahre.

Um herausragende Investitionsobjekte zu identifizieren, verfolgen Hohn und sein Team verschiedene Ansätze, die sie gern auch miteinander kombinieren. Diese lassen sich auf 4 Grundpfeiler herunterbrechen:
1. Die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells verstehen, eine langfristige Perspektive einnehmen und warten, dass hohe Eintrittsbarrieren für eine Wertsteigerung des Unternehmens sorgen. (Das erinnert stark an Buffett und Munger)
2. Fokus liegt auf einigen Sektoren, in denen Hohn und Co. hervorragende Expertise besitzen. Beispiele sind Infrastruktur oder Consumer Goods. Allein durch diesen Wissensvorsprung wird Hohn in die Lage versetzt, attraktive Kaufgelegenheiten zu identifizieren.
3. Lediglich die besten Ideen werden umgesetzt, sodass ein konzentriertes Portfolio entsteht.
4. Aktivistisch sein, wenn es nötig erscheint, um den wahren Wert eines Unternehmens zu heben.

Der Einstieg erfolgt, wenn der Marktpreis weit unter dem inneren Wert des Unternehmens liegt. Investitionen werden außerdem global getätigt. Ein besonderes Faible hat der britische Investor für monopolistische oder oligopolistische Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht. Die Grundannahme dahinter lautet, dass die Profitabilität in solchen Unternehmen dauerhaft gewährleistet ist.

In Deutschland machte sich Chris Hohn einen Namen, als er 2005 die Übernahme der LSE durch die Deutsche Börse verhinderte. Außerdem stieg er nach Bekanntwerden des Abgasskandals groß bei Volkswagen ein.

Zitate

- "Auch wenn Aktivismus disruptiv wirken kann, bedeutet das nicht, dass das etwas Schlechtes für eine Volkswirtschaft sein muss.“
- „Solange wir an unsere Positionen glauben, hat der Markt keinen Einfluss auf unsere Meinung.“
- „Es ist schmerzhaft Geld zu verlieren. Unser Schlüssel zum Erfolg liegt im beibehalten unserer Kernphilosophie des langfristigen Investierens.“
- „Aktivismus hat sich für uns bezahlt gemacht, aber es wird immer schwerer.“
- „Der Wert eines Unternehmens bestimmt sich nicht durch den Cash Flow eines Jahres, sondern durch den Cash Flow von 20 Jahren.“
- „Manager sind keine Eigentümer und wenn die Strategien der beiden Gruppen divergieren, kann es für Investoren sehr teuer werden.“
- „Wir wollen nicht immer auf Konfrontationskurs sein – das ist ermüdend – aber ich habe eine treuhänderische Pflicht gegenüber meinen Investoren.“
- „Aktionäre sind Eigentümer von Unternehmen, und somit haben sie immer eine Wahl. Sie sollten ihre Rechte ausüben.“
- „Ich glaube, dass ist ein wirklich wichtiger Punkt, über den so gut wie nie gesprochen wird. In einer Welt, in der die Banken den Orderflow sehen und in der Lage sind, diese Informationen zu nutzen, um gegen den Auftraggeber zu traden, hat man schlechte Karten. Das ist der Grund, warum Investmentbanken im Trading Milliarden von Dollar Profit erwirtschaften.“
- „Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an guten Ideen dort draußen und auf diese solltest du dich konzentrieren.“
- „Wir glauben, dass viele Investoren alle Unternehmen über einen Kamm scheren, aber einige sind weniger sensitiv gegenüber der allgemeinen Wirtschaftslage als sie auf den ersten Blick scheinen.“
- „Ein langfristiges Thema, das für Investoren sehr wichtig sein wird, ist der Klimawandel; ein für mich gigantisches und schreckliches Problem. Er wird für massive Wasser- und Nahrungsmittelknappheit sorgen sowie für wirtschaftlichen Schaden. Das ist für mich das Thema Nummer eins, welches Investoren noch nicht richtig verstanden haben.“
- „Starke Unternehmen, die in der Lage sind, trotz schlechter Wirtschaftslage ihre Erträge zu steigern, sind extrem wertvoll.“
- „TCI fokussiert sich auf Industrien mit beständigen komparativen Vorteilen und Preissetzungsmacht.“
- „Investmentkriterien: hohe Einstiegsbarrieren, hohe und beständige Kapitalerträge, strukturelle Preissetzungsmacht und Preiserhöhungen, hohe Eigenkapitalquote, defensive Branche mit geringem Beta, Transformationspotenzial, niedrige Bewertung, starke Marken, tätig in schnellwachsenden Emerging Markets.“
- „Regierungen sind die mit Abstand schlechtesten Eigentümer eines Unternehmens.“

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