Thunder from Down Under – Sir Ron Brierley

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Die meisten großen Investoren sind US-amerikanische Staatsbürger. Heute möchte ich Ihnen eine Ausnahme präsentieren: Sir Ron Brierley. Der Neuseeländer begann als Experte für Pferderennen und machte sich dann als Corporate Raider einen Namen. Noch heute ist er mit über 80 Jahren im Geschäft und denkt gar nicht ans Aufhören. Lesen Sie hier die spannende Geschichte des Mannes aus Wellington.

ron-brierleyRonald Alfred Brierley wurde am 02. August 1937 in Wellington, Neuseeland, in eine Familie der Mittelschicht hineingeboren. Er besuchte das Wellington College und offenbarte dort bereits in jungen Jahren seinen Geschäftssinn. So trat Brierley der New Stamp Dealers Federation bei und startete mit dem Verkauf von Briefmarken an Schüler und Lehrer seine erste Unternehmung. Noch hat Brierley ein Faible für Briefmarken und gehört zu den größten Briefmarkenhändlern der Welt.
Nach dem College startete Brierley mit dem Publizieren einer Wettzeitschrift für Pferderennen (ähnlich einem Börsenbrief, in welchem Rennpferde analysiert wurden). Schnell erkannte Ron Brierley jedoch, dass das Geschäft mit Aktien sicherer und besser zu analysieren war. Dementsprechend vertrieb er ab 1956 einen Börsenbrief mit dem Namen ‚New Zealand Stocks and Shares‘. Sein Steckenpferd war es, unterbewertete Aktien zu finden und zu analysieren. Eine Tätigkeit, die sich wie ein roter Faden durch Brierleys leben ziehen sollte.

BIL

Brierley sah sich allerdings zu höherem berufen als dem bloßen Veröffentlichen einer Anlageempfehlung und sparte, um seine eigene Investmentgesellschaft gründen zu können. Am 30. März 1961 war es so weit: er ließ die Brierley Investments Limited (kurz: BIL) ins Handelsregister in Wellington eintragen. Während Brierley sich anfangs nur auf das ausfindig machen von unterbewerteten Unternehmen konzentrierte, entwickelte er sich zu einem aktivistischen Investor und schließlich zu einem Corporate Raider weiter, der gezielt Unternehmen aufkaufte, um sie anschließend gewinnbringend auszuschlachten. Speziell in der 1970ern und 1980ern war Brierley in den englischsprachigen Ländern unserer Welt berühmt und berüchtigt. BIL war so erfolgreich, dass das Unternehmen Mitte der 1980er Jahre 160.000 Kiwis (Einwohner von Neuseeland) als Aktionäre hatte – und das bei einer Gesamtbevölkerung von damals gerademal 3,3 Mio. Menschen. An der Marktkapitalisierung gemessen war BIL das größte Unternehmen Neuseelands.
Brierleys Erfolgsrezept war es, nach Unternehmen zu suchen, die folgende Kriterien erfüllten: sie mussten in Familienbesitz sein, ineffizient arbeiten, ein selbstgefälliges Management besitzen und einen Überschuss an Vermögenswerten aufweisen, sodass der alle Faktoren kombiniert dazu führten, dass die Firma weit unterhalb ihres Buchwertes notierte. Ron Brierley selbst beschrieb BIL übrigens keineswegs als Heuschrecke, sondern als Monitoringgesellschaft, die die Performance von Unternehmen überwachte und als Katalysator fungierte, wenn etwas geändert werden musste.
Genau auf dem Zenit des Unternehmens wurde es hart vom Börsencrash am 19. Oktober 1987 getroffen, der als Schwarzer Montag in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Brierley wurde im Nachgang des Crashs durch eine Meuterei gegen ihn von seinen Posten bei BIL entbunden und de facto aus seinem eigenen Unternehmen geschmissen. Seitdem ist die Firma im Mittelmaß gefangen und wurde 2007 in GuocoLeisure Ltd. umbenannt.

Neuanfang

Bereits 1990 fand Brierley als Aufsichtsratsvorsitzender bei der Guiness Peat Group (GPG) einen neuen Posten und eine neue Aufgabe. Auch hier wurde die Firma zu einer Beteiligungsgesellschaft umgebaut, welche fortan nach unterbewerteten Unternehmen suchte. Brierley blieb seinem bewährten Muster also treu. Allerdings gab er kürzlich zu, dass es heutzutage schwerer geworden sei, wahre Schnäppchen ausfindig zu machen. Das läge seiner Meinung vor allem an der Fülle an Informationen, die jedem zur Verfügung stehen. Dennoch sieht sich Brierley nach wie vor im Vorteil. Denn gerade diese Masse an Informationen macht Selektion unabdingbar. Und Ron Brierley mit seinen mehr als 60 Jahren Erfahrung kann in diesem Feld punkten.
Den Posten bei der GPG hielt er bis 2015. Wer allerdings glaubt, dass sich der Haudegen aus Down Under mit 80 Jahren zur Ruhe gesetzt hat, liegt falsch. Ronald Brierley ist gerade damit beschäftigt als Vorstandsvorsitzender der Mercantile Investment Company sein drittes Imperium aufzubauen. Seit Amtsantritt von Brierley hat das Unternehmen (WKN: A1JSZP) bereits 25% zulegen können.
Kürzlich sagte Sir Ron, dass er noch solange als Corporate Raider auftreten möchte, bis es nichts mehr gibt, was es Wert wäre, übernommen zu werden.

Privat

Ronald Alfred Brierley wurde 1988 für Verdienste um die Gesellschaft und Geschäftswelt zum Ritter geschlagen. Er ist ein großer Cricket-Fan und war von 1988 bis 1996 Trustee des Sydney Cricket and Sports Grand Trust und 1995 sogar Präsident des Neuseeländischen Cricket Verbands. Sein Vermögen wird auf weit über USD 100 Mio. geschätzt.

Zitate

– "Lasst es langsam angehen, wenn ihr schnelles Geld wollt."
– „Aktien steigen nicht für immer, das haben sie nie und das werden sie nie.“
– „Wenn etwas aus der Mode gekommen ist, ist es vermeintlich günstig oder erscheint zumindest günstig. Deshalb ist dein Kursrisiko begrenzt.“
– Meine Stärke lag immer darin, Unternehmen auf Herz und Nieren zu prüfen und zu dem Schluss zu gelangen, dass der Buchwert über dem Börsenwert liegt. Dann habe ich nach Wegen gesucht, diesen Sachverhalt am effizientesten zu unserem Vorteil auszunutzen.“
– „Ich kann ehrlich sagen, dass ich nie aufgehört habe daran zu glauben, dass es Substanzwerte gibt, die weit über dem Marktpreis liegen.“
– „Umso besser der Ratschlag, desto weniger aufregend und romantisch klingt er.“
– „Es ist die Geschichte der Märkte seit hunderten von Jahren: sie steigen und sie fallen.“
– „Wir investieren in Schiffe, Kohleminen, Werften und Warenhäuser – in etwas, dass man sehen kann, dass man verstehen kann und was solide ist. Unspektakulär.“
– „Ich war immer ein Verfechter davon, dass man jede Situation einzeln und sachlich beurteilt, anstatt einfach eine pauschale und allgemeine Sichtweise an den Tag zu legen.“
– „Ich denke, dass man langfristig einfach mit den Ups and Downs einer Wirtschaft mitgehen muss.“
– „Ich interessiere mich viel mehr für reale Werte als für Marktwerte.“
– „Ein Floh hat immer einen kleineren Floh, der ihn beißen möchte. Und dieser Floh hat es mit noch kleineren Flöhen zu tun, die ihn ins Visier nehmen. Das verläuft ad infinitum.“
– „Wir gehen entweder Pleite oder erobern die Welt.“
– „Manche Leute können einfach etwas voranbringen – und andere eben nicht.“
– „Wir haben gedacht, dass wir die Welt erobern. Alles war Neuland. Wir wussten nicht, was vor uns liegt. Jetzt wurden die Karten gefüllt und wir haben eine Vorstellung vom Endziel.“
– „Manche Firmen waren, um es auf den Punkt zu bringen, tot mehr wert als lebendig. Das war dann der Fall, wenn ihr intrinsischer Wert über dem Marktpreis lag.“
– „Was mein Interesse am Aktienmarkt weckte, war das Verlangen, Geld zu verdienen. Und der Aktienmarkt schien der reinste Weg zu sein, um das zu tun. In den Markt zu investieren mutet romantisch an, war aber genauso interessant.“
– „Umso mehr man lernt, desto tiefer wird man hineingesogen.“
– „Jemand, den ich kannte, investierte am Aktienmarkt und so führte eine Sache zur Nächsten. Es gab viel Klatsch, viele Gerüchte und Tipps, und alles reizte mich. In Bezug auf Glückspiel gab es sehr viele Parallelen zum Pferderennen, aber der Aktienmarkt erschien mir etwas sicherer.“
– „Wenn es leicht wäre, würde es jeder tun.“
– „In meiner Karriere hatte ich die volle Palette an Desaster.“
– „Die Firma war saubillig, aber niemand wollte davon etwas wissen. Diese Art von Unternehmen wurde für mich zu einer Goldgrube.“
– „Wir schauten nach Werten, die nicht im Aktienpreis berücksichtigt waren und die Andere noch nicht erkannt hatten.“
– „Du musst zwangsläufig auf deinem Weg ein paar schlechte Investments machen – denn wenn man keine schlechten Investments macht, deutet das darauf hin, dass du gar nicht investierst. Wenn du also ein halbes Dutzend schlechter Investments getätigt hast, stehen die Chancen gut, dass du zwanzig oder dreißig gute gemacht hast.“
– „Wir leben für das Jetzt und nicht für eine Zeit in unbestimmter Zukunft. Wir nehmen den Profit, schließen die Akte und gehen zur Nächsten über.“
– „Der Golfer Gary Player sagte: ‚Je mehr ich übe, desto mehr Glück habe ich.‘. Im Aktiengeschäft ist es genauso.“
– „Wenn die gewünschten Ergebnisse da sind, werden auch die Investoren dort sein.“

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