Portfoliocheck: Daniel Loeb setzt mit Paypal voll auf (Be)zahlen

Daniel Loeb ist ein Star in der Investmentszene und man kann ihn mit viel Attributen versehen: sympathisch, eloquent, durchsetzungsstark, erfolgreich. Und Letzteres über viele Jahre, was ihn von so manchem gefallenem Star unterscheidet Bill Ackman oder John Paulson, die nach kurzen, Aufsehen erregenden Erfolgen zuletzt eher mit teuren Fehlgriffen auf sich aufmerksam machten.

Seit 1995 ist Loeb mit seiner eigenen Investmentfirma Third Point als aktivistischer Investor unterwegs, doch Erfahrungen hat er bereits in den elf Jahren zuvor gesammelt: beim Private-Equity-Spezialisten Warburg Pincus, beim Plattenlabel Island Records, bei der US-Investmentbank Jefferies und bei der Citigroup. Dieser Weg schien irgendwie für ihn vorgezeichnet, denn bereits als Schüler begann er mit dem Investieren und später schloss sich ein Studium an; zunächst in Berkeley, dann an der Columbia in New York. Dort war es auch, wo er schnell 120.000 Dollar verdiente und diese genauso schnell wieder verlor, weil er alles auf das falsche Investment gesetzt hatte. Die Firma für Atemgeräte bekam Schnappatmung, nachdem ihre Produkte eklatante Mängel aufwiesen.

Third Point gründete er mit 3 Millionen Dollar und heute verwaltet er mehr als 18 Milliarden Dollar; seine durchschnittliche Jahresrendite liegt bei stolzen 16 Prozent. Und in diese Zeit fallen die beiden großen Crashs, die Internetblase (2000) und die Finanzkrise (2008/09), was die Ergebnisse umso bemerkenswerter macht. Dabei führt uns der Unternehmensname zu einer weiteren Leidenschaft von Loeb, dem Surfen. Denn Third Point ist ein bei den Wellenreitern beliebter Anlaufpunkt in Malibu.

Loebs charismatisches und freundliches Auftreten sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass er als aktivistischer Investor klare Vorstellungen hat und diese auch durchzusetzen weiß. Dabei legt er sich nicht mit Schwächlingen an, sondern ist in den letzten Jahren auch mit Unternehmensgiganten in den Ring gestiegen und deren Chefs bisweilen mächtig auf die Füße getreten. Darunter so illustre Namen wie Philips, Sotheby’s, Yahoo, Sony, UniCredit, Eon und Nestlé. Gerne versucht er, durch öffentlichen Druck Sitze im Aufsichtsrat der Unternehmen zu bekommen und platziert seine Vorstellungen zur Unternehmensstrategie oder Abspaltungen lautstark und setzt das Management so erheblich unter Druck. In den meisten Fällen mit Erfolg, so dass er bei Yahoo seinen Einsatz knapp verdreifachte oder bei Sony in einem Jahr einen Return von 20 Prozent einstrich.

Daniel Loebs Käufe und Verkäufe


Im letzten Quartal gab es bei Daniel Loeb einige interessante Depotveränderungen.

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Auffällig sind zunächst, dass er eine ganze Reihe von Aktien komplett abgestoßen hat, darunter die Google-Mutter Alphabet, den Börsenbetreiber Intercontinental Exchange, Mohawk Industries, PagSeguro Digita und Anthem. Die annähernde Halbierung bei BlackRock deutet darauf hin, dass Loeb vermutlich bis zum Ende des laufenden Quartals seinen Bestand ebenfalls komplett verkauft haben dürfte.

Im Gegenzug hat Loeb gleich mehrere neue gewichtige Engagements vorgenommen. Dabei hat bei NXP Semiconductors am stärksten zugeschlagen und mit Campbell Soup einen weiteren stark abgestraften Wert eingekauft. Hier hat er nach Ende des letzten Quartals im Juli sogar seine Position noch weiter ausgebaut und fast verdoppelt.

Daniel Loebs Portfolio


Schwerpunkte setzt Loeb in seinem Depot sowohl in klassischen Bereichen (Baxter, DowDuPont, United Technologies, Constellation Brands), aber auch bei Hightech-Werten (NXP, Netflix, Alibaba, Facebook). Damit zeigt er, dass er sich keinem Spektrum zuordnen lässt, er investiert sowohl in Value als auch in Growth – eben dort, wo er überragende Kurschancen wittert.

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Besonders interessant findet er nun wohl den Sektor Financial Services, wo er mit dem Kreditkartenunternehmen VISA und dem Anbieter von Online- und Mobile-Payment-Lösungen PayPal gleich mit zwei neue Investments aufwartet; PayPal schaffte es aus dem Stand heraus sogar als fünfgrößte Position in die Top 10. Und gerade auf PayPal hält Loeb große Stücke…

Aktie im Fokus: PayPal


gegründet wurde PayPal vom illustren Entrepreneur Elon Musk, der heute vor allem als Treiber hinter Tesla und SpaceX für Aufsehen sorgt. Das Internetauktionshaus Ebay erkannte als erstes das große Potenzial, das in der Payment-Lösung von PayPal steckte, und übernahm den Zahlungsabwickler, um ihn in sein eigenes Onlineangebot zu integrieren. Das hat sich für beide Unternehmen ausgezahlt und beider Wachstum beschleunigt.

Doch diese „heile Welt“ endete, als der aktivistische Investor Carl Icahn sich bei Ebay einkaufte und auf die Abspaltung von PayPal drängte. Sein Argument war, dass sich beide getrennt voneinander schneller und besser entwickeln könnten. Insbesondere PayPal. Und er bekam seine Abspaltung und seit einigen Jahren agiert PayPal wieder frei von Ebay und daher sind auch immer mehr Onlineshops bereit, PayPal als Zahlungsmethode zu akzeptieren, ohne sich mit ihrem Konkurrenten Ebay einlassen zu müssen. PayPal wächst seitdem zweistellig und ist eine wahre Erfolgsgeschichte.

Doch wie heißt es so schön? Die Revolution frisst ihre Kinder. Und heute ist Onlinebezahlen über einen PayPal-Konto selbst Old-School-Payment und FinTechs und Bitcoins und Blockchain sind nur einige Schlagworte, die neben Banken auch PayPals Geschäftsmodell vor neue Herausforderungen stellen. Allerdings bleibt PayPal nicht untätig. Im Gegenteil.

So ging man Kooperationen ein mit Baidu, so dass chinesische Kunden nun mit der Baidu Wallet und PayPal in Millionen von Geschäften außerhalb Chinas bezahlen können.

Mit Samsung gelang eine ähnliche Vereinbarung und auch bei Nintendo kann man nun mittels PayPal bezahlen. Ebenso wird PayPal nun im AppStore, bei Apple Music und bei iTunes als Zahlungsmethode akzeptiert.

Des Weiteren ging PayPal eine Kooperation mit Microsofts Skype ein, wodurch Skype PayPal in seine aktuelle Mobile App integriert und Skype-Nutzer in vielen Ländern künftig Geld an andere Skype-Nutzer versenden können. Gerade bei Jugendlichen sind Direktzahlungen (Peer-to-Peer) sehr beliebt und PayPal bietet sie über seine Tochter Venmo schon länger an. Der Skype-Deal ergänzt das eigene Angebot also lediglich. Dabei ist Venmo keine „kleine Sache“ mehr, immerhin werden pro Jahr Zahlungen im Volumen von mehr als 9 Milliarden Dollar über Venmo abgewickelt und Venmo hat rund 10 Millionen aktive Kunden.

Darüber hinaus dringt PayPal auch in den stationären Handel vor. Denn der Kreditkartengigant Visa und PayPal haben ihre strategische Partnerschaft auf Europa ausgeweitet. Beide Unternehmen arbeiten bereits in den USA und im Asien-Pazifik-Raum zusammen und wollen ein nahtloses Erlebnis für alle Kunden schaffen, die mit ihrer Visa Karte an Orten bezahlen, die PayPal akzeptieren. Durch die Zusammenarbeit mit Visa Partnerbanken können Verbraucher nämlich ihre Visa Karten einfach der PayPal-Wallet hinzuzufügen, zum Beispiel über ihre Banking Apps. PayPal kommt damit in die Lage, auf Augenhöhe mit kontaktlosen Bezahlsystem wie Apple Pay oder Samsung Pay zu treten. Darüber hinaus wurde PayPal dank seiner Banklizenz in Europa Mitglied des Visa Netzwerks von Finanzinstituten in Europa und kann damit selbst als Visa-Karten-Emittent fungieren, so dass Verbraucher und Unternehmen PayPal weltweit überall nutzen können, wo Visa akzeptiert wird.

Doch PayPal ist auch hinter den Kulissen tätig und bietet seit 2013 über die eigene Tochtergesellschaft PayPal Working Capital für kleine Online-Händler Kredite mit kurzen Laufzeiten an. Dazu hat PayPal die US-amerikanische Online Lending Company Swift Financial Corporation übernommen und bietet nun auch größeren Unternehmen Kreditangebote von bis zu 500.000 US-Dollar über seine eigene Online-Plattform an. PayPals enormer Vorteil gegenüber Banken ist, dass PayPal seine Kunden sehr gut kennt und genau weiß, wie viel Umsatz sie machen, welche Stornoquoten sie haben und wann sie mit wie hohen Zahlungseingängen rechnen können. Das Risiko ist also sehr überschaubar und gleichzeitig bindet PayPal die Kunden noch fester an sich. Was auch an der relativ kurzen Zeitspanne liegt, innerhalb derer PayPal Kreditzusagen geben kann.

Daniel Loeb setzt voll auf diese Marktmacht von PayPal und schrieb seinen Third Point-Investoren als Begründung für seinen Einstieg: „Mit 237 Millionen aktiven Accounts und 19 Millionen Händlern, die online den bekannten PayPal-Checkout-Button nutzen, nimmt PayPal eine marktbeherrschende Position mit einem 10-fachen Skalenvorteil gegenüber den Mitbewerbern ein“. Und weiter: "Wir sehen Parallelen zwischen PayPal und anderen erstklassigen Internet-Plattformen wie Netflix und Amazon". Dabei setzt Loeb auf "hohe und steigende Marktanteile, ungenutzte Preisgestaltungsmöglichkeiten und ein erhebliches Potenzial beim Ausbau der Margen". Hierbei schielt Loeb auf die beiden PayPal-Töchter Venmo und jüngst erst zugekaufte iZettle, die im Verbund erhebliche Skaleneffekte für PayPal mit sich bringen würden.

Gerade die Übernahme von iZettle war eine Überraschung, denn das Unternehmen hatte im Mai noch seinen eigenen Börsengang vorbereitet. Doch dann schlug PayPal zu und kaufte das Unternehmen kurzerhand für 2,2 Milliarden Dollar.

Mit der von den Schweden angebotenen Technologie kann PayPal sein Angebot für Zahlungen direkt im Laden ausweiten, denn iZettle ist hauptsächlich für ein Kartenlesegerät bekannt, mit dem auch kontaktlos oder per Smartphone bezahlt werden kann. Derzeit iZettle in elf Ländern präsent und kann durch den Zusammenschluss mit PayPal international expandieren, etwa in die USA, während PayPal sich in Europa auf einen Schlag deutlich verstärkt. Vor allem in einem Bereich, wo Square zuletzt die Nase vorn hatte, während PayPal noch keine Antwort schuldig blieb. Doch die hat man nun eindrucksvoll gegeben.

Zahlung und Loebs Erwartungen

Im zweiten Quartal 2018 konnte PayPal einen Gewinnsprung von 28 Prozent auf 526 Millionen Dollar verbuchten und den Umsatz um 23 Prozent auf 3,86 Milliarden Dollar steigern. Das von PayPal abgewickelte Zahlungsvolumen legte dabei um 29 Prozent auf 139,4 Milliarden Dollar zu. Für das dritte Quartal erwartet PayPal einen Gewinn je Aktie zwischen 0,53 und 0,55 Dollar und eine Steigerung des Umsatzes auf 3,62 bis 3,67 Milliarden Dollar.

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Loeb sieht PayPal in einer sehr aussichtsreichen Position in stark zulegenden Payment-Markt und formulierte ein nicht gerade defensives Kursziel von 125 Dollar auf Sicht von 18 Monaten. Gegenüber dem aktuellen Kurs von 91,50 Dollar wäre dies ein weiteres Potenzial von mehr als 35 Prozent.
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