Portfoliocheck: Tiger Cup Andreas Halvorsen setzt lieber auf „Lateinamerikas Amazon“ MercadoLibre

Andreas Halvorsen managt in seinem Viking Global Hedgefonds knapp 18 Milliarden Dollar und erzielte in den vergangenen 19 Jahren für seine Anleger eine durchschnittliche Jahresrendite von 20 Prozent. Im letzten Jahr leistete er es sich sogar, seinen Investoren acht Milliarden Dollar zurück zu geben, da es ihm an aussichtsreichen Investments mangelte. Beachtlich!

Halvorsen gehört zu den sogenannten Tiger Cups, den Tigerwelpen. Die Bezeichnung geht zurück auf den legendären Hedgefonds-Manager Julian Robertson, der mit einem durchschnittlichen ROI von über 30 Prozent seiner Tiger Management Group zu den erfolgreichsten Fondsmanagern des letzten Jahrhunderts gehört. Robertson war aber nicht nur ein großartiger Investor, sondern ein mindestens ebenso guter Lehrer. Zu seinen Schülern gehören 50 der erfolgreichsten Fonds Manager der Welt, wie Stephen Mandal (Lone Pine), Rob Citrone (Discovery Capital Management), Philippe Laffont (Coatue Management), Lee Ainslie (Maverick Capital) und eben Andreas Halvorsen (Viking Global).

Top Käufe und Verkäufe im ersten Quartal

Im ersten Quartal hat Andreas Halvorsen sein Portfolio ordentlich durcheinander gewirbelt und brachte es auf eine Turnoverrate von stattlichen 26 Prozent. Er hielt am Quartalsende 57 Positionen, darunter 16 neue.

a1
Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass Halvorsen vor allem die stark gelaufenen Online-Giganten reduziert und teilweise komplett verkauft hat.

Salesforce warf er komplett raus, was mit rund 4 Prozent die größte Auswirkung auf sein Depot hatte. Alibaba baute er um 44 Prozent ab, bei Amazon 53 Prozent, Alphabet 52 Prozent, Facebook 56 Prozent und Microsoft 26 Prozent. Und auch seine Position an VISA, einem der großen Profiteure des Onlinehandels und des digitalen Bezahlens, kappte er um knapp 50 Prozent.

Er hat sich allerdings nicht ganz aus dem Technologiesektor verabschiedet, sondern im Gegenzug Alibabas Herausforderer JD.com neu ins Depot aufgenommen, den Chiphersteller NVIDIA und MercadoLibre. Darüber hinaus hat er beim Medizintechniker Align Technology seine Position um 220 Prozent ausgebaut.

Top Positionen am Ende des ersten Quartals

Healthcare ist der am stärksten gewichtete Sektor in Halvorsens Portfolio und nachdem er ihn im ersten Quartal unterm Strich um 7,5 Prozent aufgestockt hat, bringt er nun fast 37% auf die Waagschale. Auf Platz zwei folgen mit 24,4 Prozent zyklische Konsumwerte, die 3 Prozent reduziert wurden, und dahinter Technologiewerte mit 21,5 Prozent; knapp 2 Prozent niedriger als im Vorquartal.

a2

Mit 10 Prozent nimmt der Krankenhauskonzern Anthem die Führungsposition ein vor Microsoft mit 6,6 Prozent und Alibaba, die es noch auf 6 Prozent bringen. Auf Platz vier liegt UnitedHealth mit 5,3 Prozent und auf dem zehnten Platz Align mit weiteren 3 Prozent, was die starke Gewichtung des Gesundheitssektors in Halvorsens Portfolio erklärt.

Zu den weiteren Spitzenwerten gehören United Technologies, die sich einerseits in der Aufspaltung befinden und andererseits mit dem Rüstungskonzern Raytheon fusionieren, sowie der Streamingdienst Netflix. Amazon, Adobe und VISA runden das Bild ab.

Aktie im Fokus: MercadoLibre

Das argentinische Unternehmen MercadoLibre ist hierzulande weitgehend unbekannt, dabei gehört es in diesem Jahr zu den absoluten Highflyern an der NASDAQ, nachdem sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt hat. Auf Sicht von fünf Jahren stehen sogar fast 600 Prozent Kurszuwachs in den Büchern.

7f31f9d6c5c1f33f04266cf7ebb9a465526d1680

Der „Freie Markt“ agiert in Süd- und Mittelamerika, einem der am schnellsten wachsenden E-Commerce-Märkte der Welt, und hier gleich in einer ganzen Reihe von Zukunftsfeldern. Dabei kann er sich gegen die global agierende Konkurrenten durchaus behaupten und zählt von den 644 Millionen Einwohnern Lateinamerikas bereits 280 Millionen als registrierte Benutzer zu seinen Kunden. Als führender Online-Marktplatz Lateinamerikas ist MercadoLibe in Mexiko sogar Marktführer vor dem US-Goliath Amazon.

Die Wachstumsraten sind gigantisch, auch wenn sie das ganze Ausmaß nicht auf den ersten Blick vollständig erschließt. So hatte das Unternehmen im ersten Quartal auf Dollarbasis ein eindrucksvolles Umsatzplus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielen können. Betrachtet man die Zahlen auf Ebene der lokalen Währungen, lag die Umsatzsteigerung sogar bei atemberaubenden 93 Prozent. Und das war durchaus keine Eintagsfliege, denn MercadoLibre konnte sein Umsatzwachstum das vierte Quartal in Folge beschleunigen.

Eine ganz wichtige Kennzahl für die Online-Markplätze ist das Bruttowarenvolumen (GMV). Dieses stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent an, und wurde vor allem durch das 70-prozentige Wachstum in Mexiko gespeist, während Brasilien als größter Markt um 18 Prozent zulegen konnte.

Wie auch Amazon erweitert MercadoLibre ständig sein Angebotsspektrum um neue Kategorien, um einerseits den vorhandenen Kunden mehr Angebote machen zu können und andererseits neue Kunden auf die Plattform zu locken, denen dann auch die bisherigen Angebote schmackhaft gemacht werden. Hierbei agiert MercadoLibre äußerst erfolgreich, wie sich am starken Umsatzwachstum zeigt. Darüber hinaus investiert das Unternehmen auch kräftig in seine Logistik-Kapazitäten, um seinen Fulfillment-Service MercadoEnvios für seine Händler immer weiter zu verbessern.

Neben dem Online-Marktplatz und dem Fulfillment-Service bietet MercadoLibre seinen Kunden und Händlern inzwischen auch eine Reihe von Finanzdienstleistungen an, sowohl Konsumentenkredite als auch Warenkredite für die Händler. Auch hierin zeigen sich Parallelen zum deutlich größeren Rivalen Amazon, so dass MercadoLibre oft als „Amazon Lateinamerikas“ bezeichnet wird.

Der Payment-Boomer

Doch es ist noch mehr, denn der am stärksten wachsende Bereich ist das unter MercadoPago angebotene Mobile Payment. Es ist dabei nicht nur die dominierende Zahlungsoption auf dem eigenen Marktplatz, sondern hat sich zu einem lateinamerikanischen PayPal entwickelt. Auf Ebene lokaler Währungen stieg das Zahlungsvolumen im ersten Quartal im Vorjahresvergleich um 82,5 Prozent, wovon allerdings bereits 45 Prozent auf Zahlungen außerhalb des MercadoLibre-Marktplatzes (Off-Market-Place) entfallen. Und dieser Bereich wuchs sogar um sagenhafte 194 Prozent.

Dieser große Erfolg erklärt sich auch daraus, dass in Lateinamerika knapp die Hälfte der Bevölkerung kein Konto hat und somit bisher von vielen Online-Aktivitäten abgeschnitten war. Durch MercadoPago wird kein normales Konto benötigt und der Zugang zum Online-Marktplatz MercadoLibre dennoch gewährleistet. Und MercadoPago wird inzwischen von vielen Online-Shops als Zahlungsoption angeboten, so dass das Wachstum weiterhin sehr hoch bleiben dürfte.

Eine Art Ritterschlag erfuhr MercadoLibe Ende letzten Jahres, als PayPal 750 Millionen Dollar in Aktien von MercadoLibre investierte, um gemeinsam die Digitalisierung der Wirtschaft in Lateinamerika voranzutreiben. Die Kursverdopplung erfreut insofern auch PayPal.

Andreas Halvorsen hat sich von Teilen seiner Aktienpakete an den Platzhirschen Alibaba, Amazon und VISA getrennt, um auf deren schneller wachsende Herausforderer JD.com und MercadoLibre zu setzen. Mit MercadoLibre schlägt er damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe und vereint den erfolgreichsten Online-Markplatz mit dem am schnellsten wachsenden digitalen Payment-Anbieter Lateinamerikas unter einem Hut.

Tipp: Im Kundenbereich des aktien Magazins kommentieren wir die Portfolios und Transaktionen der erfolgreichsten Portfolio-Manager der Wall Street.

aktien Magazin bestellen und Zugriff auf die Guru-Portfolio erhalten
Bildherkunft: Adobe Stock: 199346548


Ebenfalls interessant