Der Große Kostolany

Zitate Nick Thomas 742 Leser
Während meiner unermüdlichen Suche nach den besten Börsenzitaten sticht eine Person heraus: André Kostolany. Die schiere Anzahl an Weisheiten, die der gebürtige Ungar der Nachwelt hinterlassen hat, ist atemberaubend. Und da der Altmeister wahrlich wusste, wovon er sprach, kann man aus jeder Phrase etwas Wertvolles herausziehen. Doch dazu später mehr. Vorerst sollten wir uns dem Leben Kostolanys zuwenden.

andre-kostolanyAndré Kostolany wurde am 09. Februar 1906 in Budapest, damals noch Österreich-Ungarn, geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist nicht viel bekannt. Er studierte ursprünglich Philosophie und Kunsthistorie in Budapest, wurde allerdings 1924 von seinem Vater nach Paris entsandt, um als Aktienhändler bei Adrien Perquel zu lernen und zu arbeiten. Dort begann eine große Karriere als Spekulant und Arbitrageur. Bereits in der Weltwirtschaftskrise 1929 machte Kostolany gute Gewinne.

Wall Street und Rückkehr

Als Deutschland 1940 Frankreich belagerte, floh Kostolanys Familie nach New York. Er übernahm 1941 den Posten des Generaldirektors der G. Ballai and Co Financing Company. Er war auch gleichzeitig Präsident und Hauptaktionär des Unternehmens. Diesen Posten füllte er 9 Jahre lang aus, ehe er 1950 seinen Hauptwohnsitz zurück nach Paris verlagerte. Außerdem eröffnete er ein Büro in München und kaufte ein Ferienhaus an der Côte d'Azur. Nach dem Zweiten Weltkrieg investierte Kostolany massiv in den Wiederaufbau Deutschlands. Das starke Wirtschaftswachstum der Nachkriegsjahre (Wirtschaftswunder) verhalf ihm zu seinem Vermögen. Er blieb auch im Anschluss dem deutschen Aktienmarkt treu und schrieb Kolumnen für das Magazin Capital und gab regelmäßig Börsenseminare, die immer restlos ausverkauft waren. Hinzu kommen insgesamt 13 Bücher. Er erarbeitete sich einen Ruf als Aktienguru und bestach durch seine Expertise und markanten Sprüche. Seine Karriere an den Aktienmärkten währte 70 Jahre. Er starb 1999 im Alter von 93 Jahren in Paris.

Seine Anlagephilosophie

Kostolany verfolgte einen Value-Investing Ansatz. Er legte großen Wert darauf, ein potentielles Investment zu verstehen und nicht nur anhand von Kennzahlen zu beurteilen. Ebenfalls legte er großen Wert auf Phantasie – damit meinte er, dass man seine Vorstellungskraft bezüglich der Entwicklungschancen einer Aktie schulen sollte.  Außerdem hatte Kostolany großen Respekt vor den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Deutschen und spekulierte so gezielt auf einen Aufschwung nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Er sollte Recht behalten.

Kostolany prägte die Metapher der „starken und schwachen Hände“. Starke Hände sind Investoren mit gutem Wissen, viel Kapital und dem nötigen Anlagehorizont, um gezielt Spekulationen einzugehen. Schwache Hände sind dementsprechend jene Marktteilnehmer mit einem geringen Wissensfundus, geborgtem Kapital und hin und her gerissen zwischen Verlustängsten sowie der Angst eine Bewegung zu verpassen. Diese beiden Gruppen interagieren am Markt. Die starken Hände kaufen Wertpapiere von den schwachen Händen zu möglichst niedrigen Kursen und verkaufen diese Wertpapiere am Ende einer Aufwärtsbewegung an die schwachen Hände zurück.

Zitate

Hier nun, wie versprochen, die besten Sprüche des André Kostolany.
  • "An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muß nur die Nerven und das Geld haben, das minus 1 auszuhalten."
  • "Börsenerfolg ist eine Kunst und keine Wissenschaft."
  • "Die Börse ist ein Spiel zwischen Angst und Gier."
  • "Die Börse ist launisch und unberechenbar. Man muß auch die Reaktion des Publikums erraten."
  • "Die größte Spekulation der Welt wäre es, einen Politiker zu dem Wert einzukaufen, den er hat, und ihn zu dem Wert zu verkaufen, den er sich selbst einräumt."
  • "Die Rothschilds können eine Hausse hervorrufen aber eine Baisse nicht verhindern."
  • "Diesmal wird alles anders sein - sind die fünf teuersten Worte an der Börse."
  • "Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie nachlaufen. Nur Geduld: Die nächste kommt mit Sicherheit."
  • "Es gibt alte Piloten und es gibt kühne Piloten, aber es gibt keine alten, kühnen Piloten."
  • "Kaufe, wenn es mehr Aktien als Idioten an der Börse gibt, Verkaufe, wenn es mehr Idioten als Aktien an der Börse gibt."
  • "Oft gibt es Anlageberater, die den Ausdruck "Ich garantiere..." häufig benutzen. Doch wer garantiert für sie?"
  • "Oft kann man durch Zufall die glücklichsten Dummheiten begehen."
  • "Spekulieren ist kein Spiel mehr, es ist eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens."
  • "Staatsbankrott? Bankenkrisen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Viel Lärm um nichts!"
  • "Steigen die Kurse rasant an, kaufen die Dummköpfe, ich nenne sie die schwachen Hände, dann muss man verkaufen. Fällt die Börse in sich zusammen, dann muss man kaufen, weil die Dummköpfe auf der Verkäuferseite stehen. Nicht wegen der eigenen Klugheit, sondern an der Dummheit der anderen verdient der erfolgreiche Börsianer."
  • "Steigt die Börse, kommt das Publikum, fällt die Börse, geht das Publikum."
  • "Unterhalte ich mich mit einem Börsenkollegen, so brillant er auch sein mag, merke ich nach zwei Sätzen, dass er Volkswirtschaft studiert hat. Seine Argumente und Analysen sind in ein Korsett eingezwängt, aus dem er nicht herausfindet."
  • "Verkauft ein Börsenspekulant seine Papiere zum doppelten Kurs, nenne ich das normal."
  • "Vor dem Boom und nach dem Krach herrscht große Stille. Was sich dazwischen abspielt, ist nur hysterischer Lärm ohne viel Verstand."
  • "Was an der Börse jeder weiß, macht mich nicht heiß."
  • "Was muss der Spekulant können? Ein großer Denker sagte einmal: "Kultur ist, was übrigbleibt, wenn man schon alles vergessen hat." Genauso verhält es sich mit dem Börsenwissen. Es ist das, was übrigbleibt, wenn es Ihnen gelingt, all das zu vergessen, woran die Volkswirte ständig herumnagen: Bilanzen, Kurse, Statistiken und anderen Kram - kurz das ganze Rüstzeug, das in Computern oder verstaubten Bibliotheken steckt. Nichts wissen, aber alles verstehen, das Gras wachsen hören und Phantasie haben - das alles macht den idealen Spekulanten aus."
  • "Wer nicht fähig ist, selber eine Meinung zu bilden und eine Entscheidung zu treffen, darf nicht zur Börse."
  • "Wenn alle Spieler auf eine angeblich todsichere Sache spekulieren, geht es fast immer schief."
  • "Wenn die Börsenspekulation leicht wäre, gäbe es keine Bergarbeiter, Holzfäller und andere Schwerarbeiter. Jeder wäre Spekulant."
  • "Wenn man über die Einzelheiten zuviel weiß, hat man keinen Überblick mehr über das Ganze."
  • "Wenn's um Geld geht, gibt es nur ein Schlagwort: Mehr!!!"
  • "Wer viel Geld hat, kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, wer kein Geld hat, muß spekulieren."
  • "Wer's kann handelt an der Börse, wer's nicht kann berät andere."
  • "Wie es Moltke für den Krieg sagte, so braucht man für die Börse die vier G's: Geld, Gedanken, Geduld und Glück."
  • "Wie wird man zum Spekulanten? Wie ein unschuldiges Mädchen zu dem ältesten Beruf der Menschheit kommt. Man fängt an aus Neugierde, dann macht man es aus Spaß und zum Schluss für das Geld."
  • „An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil.“
  • „Kleinanleger sollten nie zocken. Kauft Standardwerte und ein Schlafmittel, um das Geschehen an der Börse auf Jahre zu vergessen, egal ob es draußen donnert und blitzt. „
  • „Nicht die Nachrichten machen die Kurse, sondern die Kurse machen die Nachrichten.“
  • „Hat man eine schlaflose Nacht wegen eines Börsenengagements, soll man es sofort auflösen.“
  • „Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten oder mehr Idioten als Aktien.“
  • „Bargeld in der Tasche und gleichzeitig die Absicht zu haben, bei niedrigen Kursen in die Börse einzusteigen, ist dasselbe Vergnügen, wie hungrig zu sein und sich auf dem Weg in ein Restaurant zu befinden.“
  • „Wer gut essen will, kauft Aktien; wer gut schlafen will, kauft Anleihen.“
  • „Ein Börsianer darf seine Papiere nie im Verhältnis zum Einkaufspreis einschätzen, sondern zum Tagespreis.“
  • „Gewinnen kann man, verlieren kann man, aber zurückgewinnen: unmöglich.“
  • „Börsengewinne sind Schmerzensgelder. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld.“
  • „Ich will unabhängig sein. Und das beste Mittel für Unabhängigkeit ist Geld.“
  • „Das wenige, was ich über Wirtschaft und Finanzen weiß, habe ich nicht an den Universitäten oder aus Fachbüchern, sondern im Dschungel gelernt. Bestimmt habe ich mehr Schulgeld bezahlt, als es mich in Harvard gekostet hätte.“
  • „Hat man Aktien, so zittert man, sie könnten fallen; hat man keine, so zittert man, sie könnten steigen.“
  • „Manchmal ist es besser, eine Stunde über sein Geld nachzudenken, als eine Woche dafür zu arbeiten.“
  • „Chartlesen ist eine Wissenschaft, die vergebens sucht, was Wissen schafft.“
  • „In ihren Reaktionen benimmt sich die Börse oft wie ein Betrunkener; sie weint bei guten Nachrichten und lacht bei schlechten.“
  • „An der Börse ist eine halbe Wahrheit eine ganze Lüge.“
  • „Die Wirtschaft kann man nicht lehren, man muss sie selber erleben und überleben.“
  • „An der Börse wird immer das gleiche Theater gespielt, nur mit verschiedenen Darstellern.“
  • „Falsche Nachrichten sind gefährlich, aber falsche Auslegung richtiger Nachrichten ist noch gefährlicher.“
  • „Der Börsianer lebt von seinen Erfahrungen und Überlegungen und von seinem Spürsinn. Der Engländer sagt: „My home is my castle“. Des Börsianers Devise ist: „My nose is my castle.““
  • „Geld ist der Sauerstoff der Börse.“
  • „Ich weiß nicht, was morgen sein wird, aber ich weiß, was gestern war und heute ist, und das ist schon sehr viel.“
  • „Jedes Land hat die Börsianer, die es verdient.“
  • Wenn es keine Narren auf der Welt gäbe – was wäre die Welt... und erst die Börse?

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