Aktien-Qualitätscheck

Amazon – der Alleskönner?

Michael Seibold ist als freier Redakteur beschäftigt. Artikel von freien Redakteuren stellen deren eigene Meinung dar und müssen mit der von aktien nicht korrespondieren.

Die Corona-Krise trifft nahezu jedes Unternehmen – nicht aber Amazon. Das Geschäft des Onlineriesen aus Seattle boomt. Die Amazon-Aktie konnte letzte Woche bei 2.461 USD sogar ein neues Allzeithoch generieren. Während viele Geschäfte derzeit geschlossen haben, weichen die Konsumenten in den Onlinehandel aus. Um den starken Anstieg der Bestellungen gerecht zu werden, schrieb der weltgrößte Online-Händler Mitte März bereits 100.000 neue Jobs aus. Außerdem sollen für Beschäftigte in den USA, Kanada und Europa vielerorts die Stundenlöhne erhöht werden. Obwohl Amazon diese Stellen inzwischen besetzt hat, will das Konglomerat noch zusätzliche Stellen von 75.000 Mitarbeitern schaffen.

Während also viele Branchen um ihre Existenz kämpfen, ist Amazon einer der Arbeitgeber mit den größten Neueinstellungen in der Krise. Noch vor einem Monat, als die Börsen weltweit abstürzten, stand die Aktie des E-Commerce-Giganten Amazon 40 Prozent tiefer als jetzt. Zeitweise sank das Vermögen des Amazon-Gründers Jeff Bezos an einem Tag allein um sieben Milliarden Dollar. Doch seitdem kennt die Aktie von Amazon kein Halten mehr. Ein Börsenrekord jagt den nächsten. Der Börsenwert ist auf knapp 1,2 Billionen Dollar angestiegen.

Keiner scheint in der Krise besser aufgestellt zu sein?

Niemand scheint so gut vorbereitet in der Welt des Virus zu sein wie das Konglomerat aus Seattle. Warum ist das so? Viele stationäre Einzelhändler gerieten in den vergangenen Wochen stark unter Druck – etliche mussten wegen der Corona-Krise sogar schließen. Allein die Angst, sich mit dem Virus anzustecken, wird lange in den Köpfen der Menschen verharren, sodass viele Menschen auch nach einer behutsamen Öffnung der Läden online einkaufen werden. Haben sich viele einmal an den bequemen Service gewöhnt, werden sie es vermutlich dauerhaft vorziehen, online einzukaufen.

Auch der zunehmende Homeoffice-Trend könnte Amazon in die Karten spielen. Viele Unternehmen verwenden die Dienste des Amazon Web Services (AWS) jetzt verstärkt, da die Verlagerung der IT-Infrastruktur immer mehr in die Cloud geschieht, um ortsunabhängiger zu werden und damit auch Kosten zu sparen. Im Bereich Cloud-Computing ist Amazon Weltmarktführer. Das Prinzip von Amazon war schon immer: Investiere kräftig in das Geschäft auf Kosten kurzfristiger Erträge. Bezos legt insgesamt mehr Wert auf langfristiges Wachstum als kurzfristig hohe Gewinne einzufahren. Auch im Jahr 2019 stieg der Umsatz wieder um 20 Prozent auf 280 Mrd. USD. Das meiste Geld steckt Bezos in seinen Premiumdienst Amazon-Prime sowie in künstliche Intelligenz. Der Erfolg hängt von der Liefergeschwindigkeit ab. Prime-Kunden erhalten mittlerweile eine Zustellung binnen eines Tages. Dadurch werden immer mehr Käufer angezogen. Amazon zählt aktuell über 150 Millionen Prime-Kunden zu seinen eigenen.

Vom Garagen-Unternehmen zur Innovationsschmiede

Bezos fungiert ganz nach dem Motto von Dr. Seuss “When something bad happens you have three choices. You can either let it define you, let it destroy you, or you can let it strengthen you.” Begonnen hat alles 1994 in seiner Garage in Seattle.

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Quelle: www.aboutamazon.de

Der Name geht auf den Amazonas, dem längsten Fluss der Welt, zurück. Er soll die große Vielfalt an Produkten symbolisieren. Ende der 1990er Jahr kommt Amazon nach Deutschland. Die deutsche Website geht online, erste Büros und Logistikzentren werden eröffnet. Das Logo von Amazon seit 2000 zeigt ein Lächeln von A bis Z. Neben Büchern kamen immer mehr Verkaufssparten wie DVD, Video, Musik und Elektronik hinzu.

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Quelle: www.aboutamazon.de

Das Sortiment wurde rasch ausgebaut. Mit Amazon Prime verwirklichte man die Vision der schnellen Lieferung ab 2005. Auch Drittanbieter konnten ab Anfang der 2000er ihre Produkte über die Plattform zum Verkauf anbieten. Seit 2007 ist mit Amazon Kindle jedes Buch auf der ganzen Welt innerhalb kürzester Zeit verfügbar. Mittlerweile gibt es noch Amazon Fresh für den digitalen Wocheneinkauf u.v.m.

Cloud und Werbung immer wichtiger

Mit dem Kerngeschäft E-Commerce verfolgt Amazon gute Strategien. Unter dem eigenen Label „Amazon Basics“ werden immer mehr Produkte als Eigenmarke angeboten. Damit kann man höhere Margen einfahren als bei Markenprodukten. Das Kerngeschäft liefert schnell Trends im Suchverhalten. Doch wenn wir uns die Zahlen genauer ansehen, ist Amazon viel mehr als E-Commerce. Wachstumstreiber Nr. 1 ist die Cloud-Sparte AWS. Allein im letzten Quartal wurden die Einnahmen in der Sparte um 40 Prozent auf zehn Milliarden USD gesteigert. Hier glänzt man mit einer starken operativen Marge. Dort sind ganz andere Margen wie im kostenintensiven E-Commerce möglich. Amazon ist in diesem Bereich ebenfalls weltweit die Nr. 1. Amazon kommt im Cloud-Geschäft auf einen weltweiten Marktanteil von 32 Prozent. Auf Platz zwei folgt mit großem Abstand Microsoft mit einem Weltmarktanteil von 17 Prozent gefolgt von Alphabet und Alibaba.

Amazon nutzt die zunehmenden Suchanfragen für Produkte auch immer mehr für Werbeanzeigen. Firmen zahlen ein kleines Vermögen, um auf Amazon Werbung schalten zu dürfen. In diesem Markt teilen sich derzeit Alphabet und Facebook zum Großteil die Werbeeinnahmen. Analysten sehen das Werbegeschäft für Amazon schon als die profitabelste Sparte in Zukunft an. Bereits jeder Dritte in Amerika ist Prime-Kunde. Sie geben fast viermal soviel aus als andere Amazon-Käufer. Ich denke, das Cloud- und Werbegeschäft wird für Amazon noch viele Jahre enorme Wachstumsraten mit sich ziehen. Es wird sich in Zukunft zeigen, in welch andere Märkte Amazon noch eindringen kann. Daten sind das neue Öl des 21. Jahrhunderts. Ich denke da nur an die Gesundheits- oder Finanzbranche.

amazon

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Fazit

Amazon ist und bleibt ein Basisinvestment. Auch wenn es nach der Rallye zu Gewinnmitnahmen kommen könnte, ist die Wachstumsstory völlig intakt. Ein schönes Zitat von Bezos zum Schluss: “Wenn Du Kunden in der physischen Welt unglücklich machst, erzählen sie möglicherweise sechs Freunden davon. Wenn Du sie im Internet unglücklich machst, können sie 6000 Freunden gleichzeitig davon berichten.“

Liebe Anleger,

ich wünsche Ihnen noch viele weitere erfolgreiche Investments.

Bleiben Sie gesund,

Michael Seibold

Bildherkunft: https://de.freeimages.com/photo/sunset-amazonas-1466173

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