Kontraindikator mit guter Trefferquote hat erstmals seit Juni 2016 ein taktisches Kaufsignal generiert

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Am 05.02.2018 hatten wir hier diesen Artikel. Die Verkaufsempfehlung, die damals vom Bull & Bear Market Indicator der BofA Merrill Lynch ausging, zog anders als geplant zunächst zwar nicht. Denn eigentlich ist dieser Indikator als Signalgeber für die nächsten 1-3 Monate gedacht. Im weiteren Jahresverlauf machte sich diese Warnung dann aber doch noch bezahlt. Denn wie das bei anderen Weltbörsen bereits zuvor der Fall gewesen ist, kamen bekanntlich im vierten Quartal auch die Kurse am US-Aktienmarkt ebenfalls noch kräftig unter Druck.

Wie schlecht es bis vor kurzem an den Weltbörsen inklusive der USA noch aussah, zeigt der Hinweis der BofA Merrill Lynch, wonach von 2.767 Aktien in den USA und auf globaler Basis beobachteten Werten zwischenzeitlich 2.055 Titel in einem Bärenmarkt steckten. Letzteres bedeutet laut Definition Kursverluste von mehr als 20 %. Außerdem belief sich der Verlust an Börsenwert an den weltweiten Börsen jüngst auf rund 20 Billionen USD: Zur besseren Einordnung dieser Zahl muss man wissen, dass die BofA Merrill Lynch das US-Bruttoinlandsprodukt auf 20,6 Mrd. USD beziffert.

Kapitalflüsse deuten auf Kapitulation hin

So eine ernüchternde Bilanz ist zu bestimmten Zeitpunkten aber oft auch als Kontraindikator zu werten. Denn zu viele Aktien mit schwacher Kursbilanz auf einmal sind ein Hinweis auf eine sehr schlechte Stimmung am Markt und das ist als Kontraindikator zu werten. Umgekehrt war das auch im Februar der Fall, als ungewöhnlich viele Aktien neue Hochs markierten, was ebenfalls als ein Kontraindikator zu interpretieren war.

Auf eine Kapitulation unter den Anlegern deuteten jüngst auch Daten zu den Kapitalflüssen hin. Denn laut BofA Merrill Lynch flossen in den beiden Vorwochen 1,8 Mrd. USD in Gold, und 12,7 Mrd. USD in Anleihen, während 30,2 Mrd. USD aus Aktien abgezogen wurden.

Das deutet alles auf einigen Pessimismus hin. Wie die nachfolgende Tabelle mit den Komponenten des Bull & Bear Market Indicator zeigt, sind die Marktbreite und die Kapitalflüsse bei den Anleihen als sehr „bearish“ einzustufen. Auch die Daten zu den „long only“-Positionen sind „bearish“. „Bullish“ dagegen ist derzeit nur noch die Stimmung bei der Positionierung von Hedge Fonds.

Die Komponenten des Bull & Bear Market Indicator im Überblick

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Quellen: BofA Merrill Lynch Global Investment Strategy, Bloomberg, EPFR Global, Lipper FMI, Global FMS, CFTC, MSCI

Gute Erfolgsbilanz


Alles zusammengefasst führten die Daten in der Vorwoche dazu, dass der unten abgebildete BofAML Bull & Bear Indicator erstmals seit dem 16, Juni 2016 wieder ein Kaufsignal generiert hat. Denn mit zuletzt gemessenen 1,8 Punkten ist der Indikator zuletzt unter die Marke von 2,0 Punkten gefallen, ab der ein Kaufsignal ausgelöst wird. Nach dem Verständnis von BofA Merrill Lynch ist dies ein Einstiegssignal für Risikoaktiva.

BofAML B&B Indicator (Skala von 0 bis 10)

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Quellen: BofA Merrill Lynch Global Investment Strategy

Historisch betrachtet hat der Indikator laut BofA Merrill Lynch 15 Mal seit dem Jahr 2000 Kaufsignale generiert, woran sich dann auf Sicht von 3 Monate im Schnitt ein Plus von 6,1 % bei den Aktien weltweit anschloss. Außerdem hängten Aktien Anleihen mit Investmentgrad-Rating um 380 Basispunkte ab, während Hochzinsanleihen im Schnitt um 360 Basispunkte besser abschnitten als Staatsanleihen. Mehr Hinweise auf die gute langfristige Trefferquote lässt sich auch der nächsten Grafik entnehmen.

Historische Entwicklung des BofAML Bull & Bear Indicator

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Quellen: BofA Merrill Lynch Global Investment Strategy, EPFR Global, FMS, CFTC, MSCI

Aktien aus China und Deutschland mit deutlichem Erholungspotenzial


Es wird spannend sein zu beobachten, ob das vom BofAML Bull & Bear Indicator generierte Signal auch dieses Mal wieder aufgeht. Die starken Kursgewinne an der Wall Street am Freitag waren jedenfalls ein ermutigender Start. Allerdings sollte zum Abschluss nicht unerwähnt bleiben, dass die Strategen bei der BofA Merrill Lynch jetzt zwar auch wegen dem Kaufsignal zum Kauf von Aktien raten (wobei sie wegen besonders überverkauften Strukturen am meisten Erholungspotenzial bei Aktien aus China und Deutschland sehen, bei US-Nebenwerten sowie bei Halbleiter- und Energietiteln), sie aber gleichzeitig darauf hinweisen, dass wir den absoluten Boden im Zuge der jüngsten Korrektur womöglich noch nicht gesehen haben. Denn um davon auszugehen, müssten wie es heißt die Revisionen nach unten bei den Schätzungen für die Unternehmensgewinne erst ebenfalls einen Boden ausgebildet haben und die Politik eine Panikattacke ereilen, was sich beispielsweise in einer Zinssenkung durch die US-Notenbank widerspiegeln könnte.


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