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Portfoliocheck: Mit United Health spielt Andreas Halvorsen die Gesundheitskarte

Ole Andreas Halvorsen managt in seinem Viking Global Hedgefonds mehr als 21 Milliarden Dollar und erzielte in den vergangenen 19 Jahren für seine Anleger eine durchschnittliche Jahresrendite von über 20 Prozent. Er führt ein stark konzentriertes Portfolio, in dem die zehn größten Positionen knapp die Hälfte des Depotwertes beisteuern.

Halvorsen gehört zu den sogenannten Tiger Cups, den Tigerwelpen. Die Bezeichnung geht zurück auf den legendären Hedgefonds-Manager Julian Robertson, der mit einem durchschnittlichen ROI von über 30 Prozent seiner Tiger Management Group zu den erfolgreichsten Fondsmanagern des letzten Jahrhunderts gehört. Robertson war aber nicht nur ein großartiger Investor, sondern ein mindestens ebenso guter Lehrer. Zu seinen Schülern gehören 50 der erfolgreichsten Fonds Manager der Welt, wie Stephen Mandel (Lone Pine), Rob Citrone (Discovery Capital Management), Philippe Laffont (Coatue Management), Lee Ainslie (Maverick Capital) und eben Andreas Halvorsen (Viking Global).

Top Transaktionen im 4. Quartal

Im vierten Quartal hat Andreas Halvorsen sein Portfolio nicht mehr ganz so stark durcheinander gewirbelt wie zuvor, aber mit einer Turnoverrate von 22 Prozent schichtete er dennoch wieder mehr als ein Fünftel seines Depots um. Am Quartalsende hielt er 66 Positionen, darunter 18 neue Investments.

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Auch wenn von Corona noch kaum eine Rede war im Schlussquartal 2019 bleibt in der Rückschau durch diese Brille nicht aus. Die vollständige Abkehr vom krisengebeutelten Flugzeughersteller Boeing kam angesichts der dramatischen Entwicklung in der Luftfahrtbranche keinesfalls zu früh, während das massive Aufstocken beim Mobilitätsdienstleister Uber aus heutiger Sicht keine besonders glückliche Wahl war. Ebenso wenig der Neueinstieg bei Medtronic, denn das Unternehmen leidet aktuell unter der Verschiebung vieler Operationen, weil Corona-Patienten verständlicherweise absoluter Vorrang eingeräumt wird.

Im Technologiesektor hat Halvorsen Schwergewicht Microsoft um drei Viertel reduziert, ebenso beim chinesischen Onlinegiganten Alibaba, bei dem er im Vorquartal seine Beteiligungsquote noch fast verdreifacht hatte; dafür hat er bei ServiceNow seine Position weiter aufgestockt.

Wie erwartet verkaufte Halvorsen auch seine letzten Anteile an United Technologies, doch bei Gesundheitskonzern United Health vollzog er eine Kehrtwende: nachdem er dessen Aktien im dritten Quartal noch aussortiert hatte, kaufte er sich im vierten Quartal wieder ein.

Top Positionen am Ende des 4. Quartals

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Mit knapp 32 Prozent Anteil hat der Healthcare-Sktor weiter zugelegt und bleibt die am stärksten gewichtete Branche in Halvorsens Depot. Technologiewerte verbesserten sich mit 20,5 Prozent auf den zweiten Platz vor Zyklischen Konsumwerte mit 18,2 Prozent sowie Communication Services mit 15,1 Prozent.

Amazon liegt mit einem Depotanteil von 7,7 Prozent weiter auf dem Spitzenplatz, während sich Facebook um zwei Plätze auf Rang zwei vorgeschoben hat. Adaptive Biotechnologies liegt nun auf dem dritten Rang vor Netflix, Facebook und Uber.

Unter den größten Positionen dominieren klar die Software- und Technologiefirmen sowie Werte aus dem Biotechnologie- bzw. Gesundheitssektor. Mit Monster Beverage als Getränkekonzern notiert hier nur ein Unternehmen aus einer „klassischen“ Branche.

Aktie im Fokus: UnitedHealth Group

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Es gibt immer mehr Menschen auf der Welt und die Lebenserwartung steigt, nicht nur in den Industrieländern. Parallel zu dieser Entwicklung nehmen die sogenannten Zivilisationskrankheiten weiter rasant zu, also Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die als Folge von Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung immer dramatische Ausmaße annehmen. Eine an sich widersprüchliche Entwicklung, die sich für manche Unternehmen jedoch zur Goldgrube auswächst. Denn die Menschen möchten nicht einfach nur alt werden, sondern sie möchten möglichst lange angenehm und selbstbestimmt ihr Leben genießen können. Doch das ist ohne Hilfsmittel immer seltener möglich.

Von dieser Entwicklung profitiert auch United Health, ein führender privater Krankenversicherungskonzern der USA. Denn die steigende Lebenserwartung bei zunehmendem Lebensstandard und immer besserer Gesundheitsversorgung hat mit steigenden Kosten natürlich auch eine Kehrseite. Und diese Gesundheitskosten explodieren überall auf der Welt, so dass eine Krankenversicherung zur Beibehaltung der Lebensqualität für viele Menschen inzwischen essenziell ist. Doch anders als in Deutschland gibt es in den USA keine verpflichtende gesetzliche Krankenversicherung, so dass man entweder eine private Krankenversicherung abschließen muss, oder die Behandlungs- und Krankenhauskosten selbst zu tragen hat. Für junge Menschen klingt das durchaus verlockend, denn es spart natürlich viel Geld. Bis man die ärztlichen Leistungen in Anspruch nehmen muss, dann kommen schnell sehr hohe Kosten zusammen, die nicht selten in die Insolvenz führen. Die staatlichen medizinischen Hilfsprogramme sind hier nur eine bedingte Hilfe.

Und noch etwas ist anders als in Deutschland, denn hierzulande unterliegen auch die Angebote der privaten Krankenversicherungen der staatlichen Aufsicht und so können die Versicherer nicht wahllos Leistungen ausschließen oder sich hinter unverständlichen Klauseln verstecken und vor der Leistung drücken. In den USA haben die Krankenversicherer eine viel größere Freiheit und je nachdem, welchen Anbieter man wählt, bekommt man nur Produkte von Pharmafirmen, mit denen die Versicherung Verträge abgeschlossen hat und kann auch nur Ärzte und Krankenhäuser in Anspruch nehmen, die Vertragspartner der Krankenkassen sind. Diese größeren Freiheiten bieten den US-Krankenkassen erhebliche Möglichkeiten zur Gewinnoptimierung und da immer mehr Menschen bereit sind, mehr für ihre Gesundheit auszugeben und es sich auch leisten können, waren die US-Krankenkassen bisher ein großer Profiteur der Entwicklung.

Doch das Thema wird auch in den USA immer mehr zu einem politischen. Und das begann nicht erst mit Obamacare, sondern fand darin lediglich seinen zwischenzeitlichen Höhepunkt. Nachdem unter Trump einige der Regelungen wieder zurückgedreht wurden, überschlagen sich die US-Präsidentschaftskandidaten der Demokraten mit immer schärferen Forderungen nach einer staatlichen Krankenversicherung. Ganz vorne dabei war die Senatorin Elisabeth Warren, die ein „Medicare für Alle“-Programm verfolgt, das nichts weniger als die Abschaffung der privaten Krankenversicherungen fordert und eine Einführung einer staatlichen Pflichtversicherung für alle. Wie die Vorwahlen zeigen, ist Warren inzwischen aus dem Rennen und es läuft bei den Demokraten entweder auf Bernie Sanders zu oder Obamas früheren Vizepräsidenten Joe Biden. Sanders wäre die radikalere Wahl, der sich viele Standpunkte von Warren zueigen gemacht hat, doch bevor die Vorwahlen unterbrochen wurden, setzte sich der gemäßigtere Joe Biden auf den Spitzenplatz der Bewerber.
Nun wurde das Thema Präsidentschaftswahl angesichts der an Dramatik zunehmenden Corona-Pandemie von den Titelseiten verdrängt, dafür schiebt sich der löchrige Krankenversicherungsschutz von Millionen Amerikaner nun mit Wucht ins Bewusstsein. Denn die Corona-Tests kosten viel Geld, das in den USA die Betroffenen selbst aufbringen sollen. Was viel nicht mehr können, da Millionen innerhalb weniger Wochen ihren Arbeitsplatz und damit ihre Existenzgrundlage verloren haben. Doch ohne ausreichend viele Tests ist die Ausbreitung des Virus kaum zu stoppen und so muss jetzt notgedrungen der Staat einspringen und die Josten übernehmen. Es ist geradezu ein Anachronismus, dass Donald Trump als einer der stärksten Gegner eines staatlichen Gesundheitswesens nun im Eiltempo genau ein solches einführt, um der Pandemie Herr zu werden. Wenngleich die Maßnahmen natürlich nur vorübergehend bestehen sollen.

Doch ist er Geist erstmal aus der Flasche… es ist kaum vorstellbar, dass nach Ende der Pandemie das US-Gesundheitssystem einfach wieder in seinen vorherigen Zustand zurückfällt. Seine Nachteile sind so offenkundig zutage getreten, dass selbst viele Republikaner hier inzwischen neue Töne anstimmen. Was hieraus entstehen wird, ist nicht abzusehen. Ob eine flächendeckende staatliche Krankenversicherung oder ein System mit einer staatlichen Grund- und ergänzender privater Zusatzversicherung, oder eine Art Zuschusssystem für alleinige private Krankenversicherungen. Klar ist allerdings, dass es in den USA ein neues Bewusstsein dafür gibt, dass ein Krankenversicherungsschutz sinnvoll und nötig ist und dass die hierfür nötigen Ausgaben deutlich erhöht werden müssen.

Für die US-Krankenversicherer, aber auch die Apotheken, dürfte diese neue Wertschätzung beachtliche Möglichkeiten bieten. Sie haben ihren Wert in der Krise unter Beweis gestellt und das Bedürfnis der Amerikaner nach Unterstützung dürfte auch die politischen Diskussionen weiter befeuern. Anstelle von Kostensenkungen wird auf absehbare Zeit vor allen die Leistungsverbesserung auf der Agenda stehen. Was nicht nur die heutigen und künftigen Versicherten freuen dürfte, sondern auch die Aktionäre.

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